Stimme vom SEF «Wir haben bei den Vergütungen viele Nein-Stimmen erwartet»

ABB-Verwaltungsratspräsident Peter Voser verteidigt die Saläre bei der ABB.

Peter Voser von der ABB. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Peter Voser ist seit 2015 Verwaltungsratspräsident der ABB-Gruppe. Zuvor war er CEO vom Öl-Multi Shell. SRF

SRF: Bei der ABB lehnten ungewöhnlich viele Aktionäre die Vergütung ab. Haben Sie Ihren Job nicht richtig gemacht?

Grundsätzlich waren die Aktionäre zufrieden wie wir unseren Job gemacht haben. Sie haben unserem Vergütungssystem Mängel angekreidet und darum hatten wir eine tiefere Anzahl Stimmen. Wir werden das analysieren und gucken, ob wir noch etwas verbessern müssen.

«Ich hatte Mühe, die Aktionäre zu verstehen»

7:11 min, vom 2.6.2017

Beim Vergütungsbericht stimmten die Aktionäre nur knapp zu. Das ist doch eine schallende Ohrfeige für den Verwaltungsrat.

Das sehe ich nicht so. Bei der Décharge haben wir dieses Resultat erwartet. Wir hatten einen Fall in Südkorea. Da wurde Geld unterschlagen. Das haben wir auch selber geschrieben im Jahresbericht.

ABB-CEO Ulrich Spiesshofer hat 9,3 Millionen Franken bekommen, sogar mehr als im Vorjahr. Dies, obwohl es den Korruptionsskandal ins Südkorea gab, mit 100 Millionen Franken Schaden. Warum winken Sie als oberster Kontrolleur solche Löhne durch?

Der Gesamtlohn von Ulrich Spiesshofer wurde gar nie beanstandet. Es geht um das System, das für 70'000 Leute im Unternehmen das gleiche ist. Aber die Aktionäre haben eigentlich gesagt, wir haben ein sehr gutes, marktübliches und transparentes System. Darum hatte der Verwaltungsrat auch Mühe zu verstehen, warum wir diese negativen Stimmen bekommen haben.

«  Die Leistung des CEO war besser. Diese wird am Budget gemessen. Und das Budget ist mehr als erfüllt. »

Peter Voser
Verwaltungsratspräsident ABB

Das ist einfach. Die Leistung hatte in diesem Jahr nichts mit der Entlöhnung zu tun. Sie hatten den Fall Südkorea. Da hat die interne Risikokontrolle versagt. Trotzdem hat der CEO dann mehr verdient als im Vorjahr.

Das stimmt nicht. Die Leistung war besser. Diese wird am Budget gemessen. Und das Budget ist mehr als erfüllt. Unsere Aktien haben sich letztes Jahr gut entwickelt. Wir hatten also ein gutes Jahr mit einem Makel, nämlich dem Korruptionsfall.

Wie haben sie den Makel korrigiert? Sie haben keine Saläranpassungen gemacht.

Doch, klar. Wir haben drei Komponenten im Salär, das Basis-Salär, den kurzfristigen Bonus und das langfristige Programm. Im kurzfristigen Bonus haben wir das Salär korrigiert, weil wir 100 Millionen Franken abschreiben mussten. Das hatte einen Einfluss ...

... aber Spiesshofer verdiente dann doch mehr als im Vorjahr, mit 9,3 Millionen.

Ganz leicht mehr. Aber das hat mit der Leistung zu tun, die sonst sehr gut war.

Das ist sehr abstrakt. In der Öffentlichkeit wird das anders wahrgenommen.

«Man kann auch von 500'000 Euro gut leben»

0:44 min, vom 2.6.2017

Das ist ein anderes Problem. Das Vergütungssystem ist eben sehr komplex. Das muss ich auch an unsere Aktionäre zurückgeben. Jeder will ein anderes System. Wir versuchen den richtigen Mix zu erreichen, damit wir auch weltweit Talente für uns gewinnen können. Und wie gesagt, das gilt für 70'000 Leute, nicht nur für Ulrich Spiesshofer.

Werden die Vergütungssysteme künftig geändert?

Wir werden das analysieren und mit den Aktionären besprechen. Wir haben eine langfristige Politik. Wir ändern das Vergütungssystem nicht jedes Jahr. Denn wenn man das für 70'000 Leute einführen muss, braucht das etwas Zeit.

Das Gespräch führte Wirtschaftsredaktorin Patrizia Laeri.