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Wirtschaft Wirtschaft kritisiert Lehrplan 21

Der Lehrplan 21 beschreibt, was Kinder künftig lernen sollen – und das in allen 21 deutschsprachigen Kantonen. Neu soll es ein Fach mit dem Namen «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» geben. Ein eigenes Fach freut die Vertreter der Schweizer Wirtschaft zwar, trotzdem sind sie verärgert über den Lehrplan.

Klassenzimmer
Legende: Bald wird hier Wirtschaft unterrichtet – aber nicht so, wie es Wirtschaftsvertreter gerne hätten. Keystone

Wie viele Kantone und Verbände finden auch die Vertreter der Wirtschaft, der Lehrplan 21 sei zu dicht und schreibe zu viel vor – allen voran Economiesuisse und der Schweizerische Gewerbeverband SGV. Die beiden Dachverbände, die an der Vernehmlassung zum Lehrplan 21 teilgenommen haben, sehen aber auch inhaltliche Mängel. Verärgert sind sie etwa über das geplante Fach «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» – und dies, obschon damit im neuen Lehrplan der Wirtschaft mehr Raum eingeräumt wird.

Der Lehrplan 21 lehre die Schüler nur, sie sollten als Konsumenten verantwortungsvoll auftreten, kritisiert SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler. «Hier fehlt ein wichtiger Teil davor, nämlich wie die Wirtschaft überhaupt funktioniert und wie eine Unternehmung einen Anteil leistet, um zu wirtschaften.» So müsse man das Prinzip von Angebot und Nachfrage kennen oder wie ein Preis zu Stande komme, um überhaupt ein Konsumenten-Bewusstsein entwickeln zu können.

«Man sollte anfangen mit: ‹Wie verdiene ich mein Sackgeld?›»

Legende: Video Stefan Vannoni über das Wirtschaftsfach im Lehrplan abspielen. Laufzeit 00:44 Minuten.
Aus ECO vom 20.01.2014.

An vielen Punkten sei der Lehrplan 21 dogmatisch, kritisiert Stefan Vannoni, Bildungsexperte bei Economiesuisse. «Wenn sie damit anfangen, Fair-Trade-Labels zu diskutieren und wie ich mich als Konsument gut verhalten muss, dann ist das nicht unbedingt der richtige Ansatz. Viel besser wäre, wenn man anfangen würde mit: wie verdiene ich mein Sackgeld?», so Vannoni. Dann merke der Schüler automatisch auch, dass eine Ressource begrenzt und Geld nicht im Überfluss vorhanden sei.

Dogmatisch dürfe ein Lehrplan auf keinen Fall sein, ist für Christoph Mylaeus klar. Er ist Geschäftsleiter der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK), unter deren Federführung der Lehrplan 21 ausgearbeitet wurde.

Für Mylaeus steht das Wissen und nicht die Erziehung im Vordergrund. «Wenn es so wahrgenommen wird, dass der Lehrplan einseitig wäre, werden wir das überprüfen», sagt er.

«Berufliche Orientierung» ebenfalls im Kreuzfeuer

Legende: Video Hans-Ulrich Bigler über das Wirtschaftsfach und Lehr-Abbrüche abspielen. Laufzeit 01:10 Minuten.
Aus ECO vom 20.01.2014.

Neben dem neuen Fach «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» sorgt bei den Wirtschaftsvertretern auch der fächerübergreifende Bereich «Berufliche Orientierung» für Sorgenfalten. Economiesuisse-Vertreter Stefan Vannoni fordert einen Ausbau dieses Bereichs und dass stärker über weiterführende Schulen wie Gymnasien informiert werde.

Hans-Ulrich Bigler geht noch weiter und möchte ein eigenes Fach für die Berufswahl während der Grundschule. Es gehe darum, den Jugendlichen Perspektiven zu geben und schlussendlich die richtigen Leute am richtigen Ort zu haben.

Dass der beruflichen Orientierung in der Volksschule viel Gewicht beigemessen werden müsse, ist für Christoph Mylaeus von der D-EDK klar. Die Forderungen nach einem eigenen Fach relativiert er jedoch.

Praktisch alle Richtungen bemängelten, dass ihrem Fachbereich zu wenig Zeit beigemessen würde. Das Seilziehen zwischen den Fachrichtungen habe nun begonnen. Nun gehe es darum, Schwerpunkte zu setzen. «Und das ist am Ende die Aufgabe der Politik», sagt Mylaeus.

Angebot für angehende Lehrer

An den pädagogischen Hochschulen in Luzern und Bern können Studierende bereits seit Herbst 2013 das Fach «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» besuchen. Der neue Studiengang erfreut sich grosser Beliebtheit, bestätigt Claudia Wespi, Dozentin und Fachleiterin «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» in Luzern.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Der Lehrplan 21 ist von kopflastigen, realitätsfremden Linksideologisten nach sozialistischem Muster moralisierend, diktatorisch und einseitig aufgebaut. Die Kritik ist berechtigt..
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  • Kommentar von Andrea Spescha, Gundetswil
    Ich frage mich ernsthaft, ob dieser Lehrplan für unsere Kinder oder all die Erwachsenen um sie herum konzipiert wurde...
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  • Kommentar von Thomas Zumstein, Bremgarten
    Es ist genauso dogmatisch den Kindern beizubringen, uniforme Konsumenten zu sein wie auch Nachhaltigkeit mit Ressourcen zu predigen. Beides führt dahin, jegliche selbstständige Willensbildung im Keim zu ersticken. Für eine innovative, lebendige Gesellschaft braucht es genauso Ingenieure, Maler, Künstler, Journalisten, Komiker, Buchhalter und Lehrer, sonst schiesst sich auch die Wirtschaft ins eigene Bein. Wer es aber uniform und kalt mag, sollte sich wiedermal 1984 oder Momo reinziehen.
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