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Wirtschaft WTO kommt nicht mehr vom Fleck – was tun?

Seit bald 15 Jahren kommt die WTO mit der Liberalisierung des Welthandels kaum mehr voran. Wirtschaftliche Krisen und Unruhen in West und Ost hätten die Reformfreudigkeit gebremst, erklärt der emeritierte Wirtschaftsprofessor Richard Senti. Er rät zum Neuanfang mit weniger breit gesteckten Zielen.

Weniger Zölle und weniger Handelshemmnisse – dieses Ziel verfolgt die Welthandelsorganisation WTO mit der Doha-Runde. Doch die Jahre des Erfolgs sind längst vorbei. Mit möglichen Auswegen aus der Blockade beschäftigt sich weiterhin der emeritierte Wirtschaftsprofessor der Universität Zürich, Richard Senti.

SRF News: Warum kommt die Liberalisierung des Welthandels kaum mehr voran?

Emeritierter Wirtschaftsprofessor Richard Senti.
Legende: Richard Senti: «Die Prioritäten vieler Länder haben sich geändert.» Keystone/Archiv

Richard Senti: Ein erstes Problem ist die weltwirtschaftliche Lage. Die Krisen in den letzten Jahren und zum Teil auch heute haben in West und Ost die Reformfreudigkeit vermindert. Man ist nicht mehr bereit, den Schutz der eigenen Wirtschaft ohne Weiteres aufzugeben.

Ein zweites Problem sind die politischen Unruhen. So stehen in vielen Ländern Zölle, Präferenzen und Subventionen nicht mehr zuoberst auf der Agenda. Dazu kommt, dass die WTO die Doha-Runde wahrscheinlich überladen hat. Man wollte alles reformieren von der Industrie über die Landwirtschaft bis zu den Dienstleistungen, statt sich auf einzelne Probleme zu konzentrieren.

Muss man die Doha-Runde für tot erklären und von Null beginnen, wie dies der US-Handelsbeauftragte in der «Financial Times» postuliert?

Diese Forderung ist in der Tat nicht neu. Man muss aber die Doha-Runde nicht totschlagen, sondern vielleicht in Ehren aufgeben. Viele, die sich mit dem Welthandel beschäftigten, haben schon vor Jahren geraten, die Doha-Runde zu beenden. Man hat ja relativ viel erreicht beim Zollabbau, Dienstleistungen und geistigem Eigentumsrecht.

Beim Weiterfahren sollte man aber jetzt vermehrt die Einzelprobleme angehen. Dann wären auf der breiten Ebene des Erreichten wiederum Erfolge möglich.

Was bedeutet es für die Schweiz, wenn die WTO nicht vorwärtskommt?

Es ist für alle, nicht nur für die Schweiz, ungemütlich. Denn alle kleineren Länder profitieren heute von der Meistbegünstigung. Wenn also die grossen Partner einander irgendwelche Zugeständnisse machen, muss das auch für die Kleineren mit weniger Marktmacht gelten. Länder wie die Schweiz sind entsprechend ganz besonders daran interessiert, dass die WTO in irgendeiner Form weitergeführt werden kann.

Das Gespräch führte Massimo Agostinis.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    Die internationalen Konsortien, Banken, Versicherungen, Multis aller Art, Rohstoffhändler und insbesondere die Rüstungsindustrie haben viel zu viel Einfluss auf Politik und Macht. Es sind viel zu viele Kriege um Ressourcen, Geld und Einfluss angezettelt worden. Nun wächst das Misstrauen gegenüber der "freien westlichen Wirtschaft" - nicht nur im Putinland...