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Wirtschaft Yuan-Abwertung vorerst gestoppt

China machte in dieser Woche Druck auf den Rest der Welt mit der Abwertung seiner Landeswährung Yuan. Die Weltwirtschaft hält den Atem an – auch wenn am die Zentralbank Ende dieser Woche wieder eine leichte Aufwertung verfügte. Auch die Schweizer Wirtschaft könnte die Folgen noch zu spüren bekommen.

In Hongkong läuft ein Mann an einer Sammlung überdimensiionierter Geldscheine vorbei.
Legende: Chinas Zentralbank mischt mit der Yuan-Abwertung die Devisenmärkte weltweit auf. Keystone

Die Abwertung des chinesischen Yuan ist nach drei Tagen vorläufig zu Ende gegangen. Die Zentralbank setzte den Kurs der auch Renminbi genannten Währung am Freitag mit 6,39 gegen den US-Dollar wieder etwas höher fest. Der Referenzkurs hatte am Vortag 6,40 betragen.
Zuvor hatte Chinas Zentralbank diese Woche drei Mal in Folge den Yuan deutlich abgewertet. Das weckt Ängste im Rest der Welt.

Furcht vor einem «Währungskrieg»

Jahrelang hat die chinesische Zentralbank zugelassen, dass sich der Yuan im Vergleich zu anderen Währungen verteuert. Dank seiner Wirtschaftskraft war das für den Exportweltmeister China kein Problem. Doch dann kam der Konjunkturmotor ins Stottern, die Ausfuhren nach Europa und Japan gingen empfindlich zurück. Deshalb nun die Abwertung: Sie soll den Export wieder ankurbeln, indem chinesische Produkte auf dem Weltmarkt in Dollar gerechnet günstiger sind.

Kurs-Chart für den Yuan zum US-Dollar zeigt jüngste Abwertung.
Legende: Ein Yuan kostet zum US-Dollar schlagartig viel weniger. Reuters

Möglich ist die einseitige Massnahme nur, weil der Yuan keine frei schwankende Währung ist – wie Dollar, Euro, Yen oder Franken. Die chinesische Zentralbank legt täglich den Wechselkurs innerhalb einer engen Bandbreite fest. Sie verfügt zudem über riesige Devisenreserven. Mit ihnen kann sie zusätzlich den Wechselkurs an den Devisenmärkten beeinflussen.

Manche Experten befürchten nun, es könne zu einem globalen «Währungskrieg» kommen: Das hiesse, andere Staaten würden China folgen und ebenfalls ihre Währung künstlich verbilligen, etwa durch eine Senkung der Zinsen. Vietnam hat bereits reagiert und die Landeswährung Dong ebenfalls abgewertet. Doch noch hält sich die Furcht vor einem Teufelskreis von Abwertungen in Grenzen. Denn Chinas Zentralbank liess verlauten, es gebe keinen Grund für eine weitere massive Schwächung des Yuan. Die Wirtschaft habe genug Schwung und brauche diesen künstlichen Anschub nicht.

Darf ein Land einfach seine Währung abwerten?

Die Antwort ist: Ja. Die Schweizer Nationalbank hat dies ab 2011 bis zum 15. Januar dieses Jahres mit dem Euromindestkurs von 1.20 Franken auch getan. Aber es ist nicht gern gesehen. Denn mit der künstlichen Abwertung der eigenen Währung verzerrt ein Land den freien Wettbewerb. Es verschafft sich gegenüber anderen Ländern Wettbewerbsvorteile, weil die eigenen Export-Produkte dadurch billiger werden.

Schatten über der Weltwirtschaft

Die Turbulenzen in China machen nicht nur die internationalen Finanzmärkte nervös. Wenn die zweitgrösste Wirtschaft der Welt weniger kräftig wächst, gibt das auch der mächtigen US-Notenbank Fed zu denken. Eigentlich wollte sie demnächst die Leitzinsen erhöhen. Damit würde sie – das erste Mal seit fast zehn Jahren – die US-Wirtschaft wieder an etwas engere Zügel nehmen.

Das Hauptgebäude der US-Notenbank
Legende: Die US-Notenbank Fed will demnächst die Zinsen anheben. Aber nur, wenn die Weltkonjunktur mitspielt. Keystone

Allerdings müssen dazu die Voraussetzungen stimmen. Und dazu gehört auch ein ausreichend stabiles Wachstum im Rest der Welt. Weil aber Chinas Wirtschaft schwächelt, könnte das die Pläne der amerikanischen Währungshüter in Washington durchkreuzen. Das Fed müsste dann ihre Zinsanhebung hinauszögern, bis China wieder auf Touren gekommen ist.

Auch in Europa schauen die Wirtschaftslenker besorgt auf den asiatischen Wirtschaftsriesen. Ohne den Handelspartner China geht hier kaum noch etwas: Für die europäische Autoindustrie zum Beispiel ist China der Absatzmarkt mit dem grössten Potential.

Sorgen der Schweizer Industrie

China ist der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz nach der EU und den USA. Schon heute kommen viel mehr Kleider, Spielzeuge und andere Waren aus China in die Schweiz als umgekehrt. Verbilligt sich nun die chinesische Währung, droht dies das Ungleichgewicht in der Handelsbilanz noch zu verstärken. Eine schlechte Nachricht für die hiesige Industrie, die fleissig nach China exportiert.

Arbeiter fräst an einem Metallteil auf einer Drehbank
Legende: Schweizer Maschinen und Werkzeuge sind in China weniger gefragt als noch letztes Jahr Keystone

Doch nicht alle Schweizer Unternehmen sind gleich besorgt. Der Automobilzulieferer Autoneum zum Beispiel hält an seiner optimistischen Prognose fest: «Während in westlichen Industriestaaten deutlich mehr als 500 Personenwagen auf je 1000 Einwohner kommen, sind es in China erst rund 60 Fahrzeuge», sagt Sprecher Valentin Handschin.

Autoneum habe auch an seinen chinesischen Produktionsstandorten kaum etwas von der wirtschaftlichen Abkühlung gespürt.

Reiche Chinesen kaufen weiterhin Schweizer Uhren

Anders tönt es bei der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Bereits im ersten Halbjahr 2015 hätten die Unternehmen 9 Prozent weniger nach China exportiert. «Die Abwertung des Yuan hilft natürlich nicht, die Exporte wieder anzukurbeln», erklärt Sprecher Ivo Zimmermann. Betroffen seien vor allem kleinere und mittlere Unternehmen ohne eigenen Standort in China. Probleme hat auch die Uhren- und Luxusindustrie. Dort ist es aber mehr die Korruptionsbekämpfung in China, die auf den Absatz drückt. Reiche Chinesen kaufen weiterhin Schweizer Uhren, auch wenn sie durch den tieferen Yuan etwas teurer werden.

Wenig Sorgen macht sich der Schweizer Tourismus. Man habe langfristige Verträge mit chinesischen Reiseanbietern. Kurzfristige Währungsschwankungen hätten da kaum Auswirkungen. Allenfalls würden chinesische Touristen in den Ferienorten etwas weniger für Essen und Souvenirs ausgeben, sagt Alain Suter von Schweiz Tourismus.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier TODESCO, Wädenswil
    Dem aufgepumpten gelben Riesenballon geht langsam die Luft aus...... Die fleissigen ,Ameisen, rennen halt nicht mehr so schnell und billig....... Der China-Boom geht zu Ende......das mach auch einwenig Freude...... Das gute daran..... es kommt auch nicht mehr soviel produzierter Konsumschrott zu uns!
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    1. Antwort von Rolf,Künzi, Winterthur
      Die Schere zwischen Arm und Reich ist in China noch größer als in Amerika und da ist sie schon ungesund weit offen, das erstaunt und zeigt zugleich; egal welches Sytem, der Mensch nutzt es immer auch aus. Wer ein Ausgleichendes Sytsem kreiren kann hat den Friedens- und Wirschaftnobelpreis wirklich verdient. Ansonsten will China ja in die höheren Produtuions/Dienstleistungketten aufsteigen, mal schauen. Das 21 Jahrhundeet gehört wohl China.
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    2. Antwort von Rudolf R. Blaser, Aeschi
      @O.Todesco:Ich sehe das anders!CN ist bestens organisiert+1Hort vonDisziplin+ Sicherheit.Löhne sind weltweit konkurrenzlos+Nachschub tüchtiger+willigerLeute für gigantischeIndustrie zu hunderten vonMillionen gewährleistet.Maschinen+Werkzeuge aus CN funktionieren+sind-vergleichsweise-gratis erhältlich.Produktion des ganzenPlaneten wird sich nachCN verlagern+günstiger Wechselkurs macht sogar kurzenAusflug ins Restaurant nach Peking lohnend.ZUKUNFTgehörtChina+ dasLand ist nicht mehr zu bremsen!
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  • Kommentar von Stephan Koch, Bern
    Was bei diesem Bericht fehlt, ist die Erwähnung, dass China der grösste Gläubiger der USA ist.
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    1. Antwort von Rolf Künzi, Winterthur
      Genau womit der eine nicht ohne den andern kann. Amerika kauft die Produkte der Chinesen und China die Schuldscheine der Amerikaner. Nun die Chinesen haben etwas zum zurück verlangen, die Amerikaner nicht, Ist das jetzt gut oder schlecht. Ich finde es ungesund. Denn der Dollar ist Weltwährung und damit verschuldet sich Amerika immer weiter,,auch auf Kosten der Welt. Wenn Alan Grenspan etwas nicht verstanden hat dann dies: Eine angemessene Regulierung.
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  • Kommentar von A.Fontana, Zürich
    Nichts Neues, sowas macht die SNB jeden Tag, indem Sie gängige Devisen wie Euro, Dollar kauft und den Franken weiterhin "künstlich" tief hält.
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