Ziegen- und Schafmilchproduktion: Eine boomende Marktnische

Der Milchpreis ist im Keller, allerdings nur der von Kuhmilch. Die Preise von Schaf- oder Ziegenmilch sind hoch, die Nachfrage ist grösser als das Angebot, allerdings auf tiefem Niveau. Eine wirkliche Alternative für darbende Kuhmilchbauern sind die Tiere deshalb nicht.

Ziegen auf einer Alp Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Gegensatz zu Kuhmilch ist Schaf- und Ziegenmilch teuer. Doch der Markt ist sehr klein. Keystone

Um die 50 Rappen erhält ein Milchbauer im Moment für einen Liter Kuhmilch. Kaufkraftbereinigt ist das so wenig wie noch nie. Wer hingegen Milchschafe oder Ziegen hält, ist wesentlich besser gestellt, nämlich drei- bis sechsmal so gut.

«So lange wir den Preis auf diesem Niveau halten können, geht es den Schafmilchproduzenten gut», sagt denn Urs Mischler, Geschäftsführer der Schweizerischen Milchschafzucht Genossenschaft. 2.80 bis 3 Franken erhalten die Schafmilchbauern für einen Liter Milch. Etwa die Hälfte davon bekommen Produzenten für den Liter Ziegenmilch.

Kein Wunder wird heute in der Schweiz fast 50 Prozent mehr Ziegenmilch produziert als noch vor 15 Jahren. Die Schafmilchproduktion hat sich in der gleichen Zeit sogar mehr als vervierfacht. Das sind Zuwachsraten, von denen andere Branchen nur träumen können. Ursula Herren, Geschäftsführerin des Schweizerischen Ziegenzuchtverbandes, relativiert aber: «Von einer Boom-Branche zu sprechen ist schwierig, da wir uns in einer Marktnische bewegen.»

Markt für ein zahlungskräftiges Publikum

Tatsächlich liefern Kühe in der Schweiz mehr als hundert Mal so viel Milch wie Schafe und Ziegen zusammen. Der Geissen- und Schafmilchmarkt ist ein kleiner, aber feiner Markt für ein zahlungskräftiges und qualitätsbewusstes Publikum, sagt Milchschafzucht-Genossenschafter Mischler. 90 Prozent der Schafmilch komme aus Bio-Betrieben: «Leute, die Schafmilchprodukte kaufen, sind bewusste Einkäufer und wollen ein gesundes Produkt.»

Die Emmi-Mediensprecherin zur Bedeutung von Ziegenmilch

3:11 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.07.2016

Das unterstreicht auch Sibylle Umiker, Sprecherin von Emmi, der grössten Milchverarbeitungsstätte der Schweiz und für Ziegenmilch praktisch Monopolistin.

Einerseits kauften Leute Ziegen- und Schafmilchprodukte, weil sie besser verdaulich seien als Kuhmilch. Zum andern entdeckten Käseliebhaber zunehmend Schaf- und Ziegenmilch-Spezialitäten: «Wir sind überzeugt, dass die Nachfrage auch in den nächsten Jahren weiter anhalten wird. Wir rechnen mit einem Wachstum von zehn Prozent, insbesondere, wenn wir von Käse aus Ziegenmilch sprechen.»

Bereits ist in der Branche eine deutliche Professionalisierung festzustellen. Die Hobbybauern mit ein paar wenigen Geissen oder Schafen werden weniger, dafür gibt es mehr mechanisierte Betriebe mit 50, 100 oder gar mehreren hundert Tieren.

Keine wirkliche Alternative für andere Bauern

Dennoch könne die Schaf- und Ziegenmilchproduktion höchstens für ein paar wenige der gebeutelten Kuhmilchproduzenten eine Alternative sein, betont Ursula Herren: «Es wäre unvorstellbar, dass alle auf Ziegen umstellen würden.»

Dafür sei die Nachfrage niemals gross genug; ganz abgesehen von den hohen Kosten und den fachlichen Schwierigkeiten, die eine Umstellung mit sich brächten. Wer aber bereits in der Branche tätig ist, dem geht es im Moment prächtig. Der Unterschied zu den Kuhmilchproduzenten könnte grösser kaum sein.

Milchpreise: Wie viel erhalten die Produzenten pro Liter Milch?

Kuhmilch
0.49 bis 0.52 Franken
Ziegenmilch1.40 Franken
Schafmilch2.80 bis 3 Franken

Milchleistung


20002014
Kuhmilch3'827'000'000 Tonnen
4'066'000'000 Tonnen
Ziegenmilch
16'500 Tonnen23'000 Tonnen
Schafmilch1'300 Tonnen5'900 Tonnen
Quelle: Schweizer Bauernverband (SBV)

Nutztierbestand: Kühe, Ziegen und Schafe im Vergleich

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