Zinswende in den USA wieder wahrscheinlicher

Die Arbeitslosenquote in den USA sinkt auf dem tiefsten Stand seit sieben Jahren. Wieder gestiegen ist damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank Fed Mitte Monat den Leitzins erhöht. Der Arbeitsmarkt ist ein entscheidendes Kriterium dafür.

Drei Fensterputzer arbeiten vom Flachdach hängend an einem Haus mit Glasfassade Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den USA finden immer mehr Menschen wieder Arbeit. Reuters

Vom US-Arbeitsmarkt kommen positive Signale: Im August ist die Arbeitslosenquote weiter auf 5,1 Prozent gesunken und befindet sich damit auf dem tiefsten Stand seit Anfang 2008. Im Juli hatte die Arbeitslosenquote noch 5,3 Prozent betragen.

Fed vor schwierigem Entscheid

Im vergangenen Monat wurden zudem 173‘000 neue Stellen geschaffen, wie das Arbeitsministerium weiter mitteilt. Das ist zwar weniger als erwartet, macht die längst erwartete Zinswende in den USA noch im September aber trotzdem wieder wahrscheinlicher: Denn der Arbeitsmarkt ist in guter Verfassung, und die amerikanische Wirtschaft ist von April bis Juni viel stärker gewachsen als bisher angenommen.

Eine starke Wirtschaft macht nach Lehrbuch höhere Leitzinsen nötig. Doch sprechen einige Gründe auch gegen die erste Anhebung in den USA seit fast zehn Jahren noch im September.

Drei Gründe für eine Zinswende

  • Die US-Wirtschaft: Sie ist gut in Form. Das Wachstum betrug im zweiten Quartal (Mai bis Juni) aufs Jahr hochgerechnet starke 3,7 Prozent. Erste Schätzungen des Handelsministeriums waren von lediglich 2,3 Prozent ausgegangen.
  • Die Fed selbst: Am Treffen der Notenbank in Jackson Hole von Ende August hatte sich Fed-Vizepräsident Stanely Fischer überraschend klar für höhere Leitzinsen ausgesprochen.
  • Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen: Die Notenbanker nennen seit Monaten die Entwicklung am Jobmarkt als zentrale Vorgabe für eine Zinserhöhung. Die jüngsten Zahlen dürften sie positiver stimmen.

Was gegen höhere Zinsen spricht

  • Die Schwäche der chinesischen Wirtschaft: Die Angst geht um, China als Wirtschaftsmacht könnte auch die Konjunktur in andern Ländern stark in Mitleidenschaft ziehen.
  • Die Turbulenzen an den Finanzmärkten: Verunsichert durch China fahren die Börsen Achterbahn, viele Aktien sind stark eingebrochen. Höhere Zinsen machen Aktien als Anlageform zusätzlich weniger attraktiv.
  • Die zurückhaltenden US-Firmen: Der Einkaufsmanagerindex ISM ist im August stärker als erwartet zurückgegangen. Er fiel überraschend auf den niedrigsten Stand seit Mai 2013.

Wagt sich die Notenbank Fed im September noch nicht an einen ersten Zinsschritt, so hätte sie in diesem Jahr im Dezember noch mal Gelegenheit dazu. Zahlreiche Beobachter erwarten, dass sich die Notenbanker am 16./17. September für diesen Kompromiss entscheiden werden.