Zu kurzsichtig: Eyezone macht dicht

Der Kontaktlinsen-Verkäufer Eyezone schliesst alle Filialen und betreibt künftig nur noch einen Online-Shop. Dies bestätigt Ruedi Baer gegenüber «ECO». Der Mitgründer von Interdiscount und Mobilzone wollte auch mit Eyezone eine nationale Kette aufbauen, hat die Lage aber falsch eingeschätzt.

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Ruedi Baer zum Ende der Eyezone-Läden

3:35 min, vom 21.10.2013

2008 gründete der Unternehmer Ruedi Baer Eyezone und wollte mit dem Discounter die Schweiz erobern – so wie er es zuvor mit dem Elektronik-Händler Interdiscount und der Handy-Kette Mobilezone geschafft hatte. Zwischen 50 und 70 Eyezone-Filialen hätten es werden sollen, um eine nationale Abdeckung zu erreichen, sagte er 2010 gegenüber «ECO». Damals existierten sechs Filialen.

Mehr wurden es nicht – im Gegenteil: Mittlerweile hat Ruedi Baer die Läden in Aarau, Basel, Bern und St. Gallen geschlossen. Und auch die beiden letzten in Zürich und Zug sollen dicht gemacht werden, wie er nun im Interview mit «ECO» erklärt. Wann genau das geschehe, ist noch unklar, da zuerst mit den Vermietern der Lokalitäten Nachfolge-Lösungen gefunden werden müssten.

«Konzentrieren uns auf den Webshop»

«Die Konsumenten kaufen ihre Linsen mehr und mehr im Internet. Denn wenn sie einmal ihre Linsenstärke und Marke kennen, können sie diese überall bestellen und benötigen keine Beratung mehr», sagt Ruedi Baer. «Darum ziehen wir uns vom Retail-Geschäft zurück und konzentrieren uns auf den Webshop.» Dort lege Eyezone zu, und dort sei auch in den kommenden Jahren mit Wachstum zu rechnen.

Auf den Einwand, der Trend zum Online-Shopping sei schon bei der Gründung absehbar gewesen, meint Ruedi Baer: «Wir haben nicht gedacht, dass sich das so schnell entwickelt.» Klar ist: Im Internet tobt bereits seit längerem ein heftiger Konkurrenzkampf unter den Kontaktlinsen-Anbietern.

Auch Martin Ebner erleidet Verlust

Auf dem Höhepunkt beschäftigte Eyezone rund 30 Personen. Derzeit seien es noch neun, so Baer. «Wir haben bei allen Mitarbeitern mitgeholfen, dass sie einen neuen Job erhalten.» Den finanziellen Verlust beziffert der Unternehmer auf ein bis zwei Millionen Franken. «Das gehört dazu, wenn man etwas Neues probiert.» Als Mehrheitsaktionär trägt Ruedi Baer den grössten Teil dieses Verlustes selbst. Betroffen ist aber auch Financier Martin Ebner. «Er war von Anfang an dabei und ist es immer noch», sagt Baer über Martin Ebner, der rund 20 Prozent der Aktien an Eyezone halte.

Misserfolge entmutigen den heute 71-jährigen Unternehmer nie. Er steht immer wieder auf, reisst Neues an («ECO» berichtete am 11.01.2010, s. Video unten). Das war auch so, nachdem er Interdiscount verlassen musste (Probleme bei der Expansion im Ausland), und nach seinem ebenfalls nicht unfreiwilligen Abgang bei Mobilezone (persönliche Differenzen).

Casio-Uhren und sexy Unterwäsche

So hat er vor zwei Jahren eine Handelsfirma übernommen, welche exklusiv die Casio-Uhren in der Schweiz vertreibt.

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Stehaufmännchen Ruedi Baer

9:05 min, aus ECO vom 11.1.2010

Daneben besitzt er schon länger die Schweizer Lizenz der Londoner Dessous-Kette Agent Provocateur, für die er vier Läden betreibt. Dazu kommen Immobiliengeschäfte.

Und er präsidiert das Reiseunternehmen «Destination Travel», das für Fussballclubs Trainingslager organisiert, «ein Geschäft, das sich sehr stark entwickelt», so Baer – enthusiastisch wie immer.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Fehlender Weitblick bei Eyezone

    Aus ECO vom 21.10.2013

    Er hat Interdiscount und Mobilezone mitgegründet und beide zu Schweizer Marktführern gemacht: der 72-jährige Ruedi Baer. Das gleiche wollte er noch einmal schaffen mit dem Kontaktlinsen-Discounter Eyezone – «ECO» berichtete vor gut drei Jahren darüber. Nun zeigt sich: Dieser Plan ist gescheitert.