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Wirtschaft Zurich baut in der Schweiz rund 800 Stellen ab

Nach einer Halbierung des Jahresgewinns streicht der Versicherer bis 2018 weltweit gut 8000 Stellen. Wiewohl die genaue Zahl noch unklar ist, könnten hierzulande etwa 800 Stellen wegfallen. Die Probleme von Zurich sind laut SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind «hausgemacht».

Legende: Video Schlechte Zahlen bei «Zürich»-Versicherung abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.02.2016.

Die Zurich Versicherung weist für das Geschäftsjahr 2015 wie erwartet deutlich tiefere Gewinnzahlen aus. Unter dem Strich verdiente die Versicherungsgruppe 1,84 Milliarden Dollar, was einem Rückgang des Reingewinns um 53 Prozent entspricht.

Gleichzeitig vermeldet der Konzern, dass er bis 2018 weltweit insgesamt 8000 der rund 55'000 Stellen abbaue. Im Verhältnis zur Zahl der Mitarbeiter – etwa 5000 sind es in der Schweiz – könnten hierzulande rund 800 Arbeitsplätze wegfallen.

Wie eine Sprecherin der Zurich betont, seien in dieser Zahl indes Massnahmen enthalten, die bereits 2015 abgeschlossen oder bekannt gegeben worden seien.

Über eine Streichung von 300 Stellen in der Schweiz hätte man schon im vergangenen Jahr informiert. Ferner bedeute der Abbau von 8000 Stellen weltweit nicht notwendig 8000 Entlassungen. Einige der betroffenen Mitarbeiter würden die Firma von sich aus verlassen oder pensioniert werden.

Mit Stellenabbau war nicht zu rechnen

Laut SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind kommt das schlechte Resultat von Zurich nicht überraschend. Der Versicherer habe im Januar ja eine Gewinnwarnung publiziert. Dafür überrasche das Ausmass des Stellenabbaus aber schon.

Die enttäuschenden Zahlen führen Experten vor allem auf Grossschäden bei Unternehmen und Auswirkungen von Naturkatastrophen zurück. Doch auch nicht rentable Portfolios hätten sich negativ auf die Bilanz ausgewirkt.

Zurich hat im Bereich General Insurance die Prämien zu tief angesetzt und viel mehr Schadenfälle erfahren.
Autor: Marianne FassbindSRF-Wirtschaftsredaktorin

Dabei sei laut Fassbind ein Kernproblem, mit dem sich der Versicherer konfrontiert sieht, «hausgemacht». Es stelle sich insbesondere deshalb, weil der Bereich General Insurance zuviele Kosten verursacht habe: «Zurich hat hier die Prämien zu tief angesetzt und viel mehr Schadenfälle erfahren.»

Einschneidend sei zudem, dass der Versicherer die Ziele nicht erreichen könne, die er sich gesetzt habe. Namentlich 12 bis 14 Prozent Gewinnrendite seien ausser Reichweite geraten.

Hoffnungen ruhen auf neuem Manager

Gleichzeitig mit den Gewinnzahlen gab die Zurich bekannt, dass der neue CEO Mario Greco sein Amt früher als bisher erwartet antritt. Er werde ab 7. März für das Unternehmen tätig sein. Ursprünglich sollte der vom italienischen Rivalen Generali abgeworbene Manager erst im Mai zur Zurich wechseln. Am Montag war dann aber bekannt geworden, dass Greco Generali per sofort verlässt.

SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind wertet diesen Umstand positiv: «Mario Greco kennt die Zurich und hat schon die Generali auf Vordermann gebracht. Dasselbe versprechen sich nun auch die Share- und Stakeholder der Zurich.» Tatsächlich hat der italienische Manager in den Jahren 2007 bis 2013 bei der Zurich die Sparte Sachversicherung geleitet.

Dividende von 17 Franken

Ungeachtet des drastischen Gewinneinbruchs sollen die Aktionäre wie im Vorjahr 17 Franken Dividende je Aktie bekommen. Die Befürchtungen der Anleger haben sich laut Fassbind somit nicht bestätigt.

Interims-Chef Tom de Swaan begründet die Ausschüttung trotz widriger Umstände mit «soliden Mittelzuflüssen und der starken Kapitalbasis». Zusätzliches Kapital wolle Zurich allerdings nicht zurückzahlen, um «in der gegenwärtigen Situation die Kapitalstärke und die finanzielle Flexibilität zu erhalten».

Die Aktien des Versicherers Zurich kamen nach der Zahlenvorlage mit dem schwachen Markt unter Druck. Am Vormittag fielen die Titel um gut 5 Prozent und damit im Trend wie der Swiss Market Index insgesamt.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Das Vorgehen von «Zurich» ist mehr als bedenklich & lässt aufhorchen. Wer noch immer solch grosse Gewinne schreibt und dabei Mitarbeiter entlässt, handelt gegenüber seinen Mitarbeitern sehr asozial und wenig ehrend. Manchmal wünsche ich mir wieder richtig «Patrons» zurück, denen auch das Wohl der Mitarbeiter am Herzen liegt. Schade, verharren wir in dieser kapitalgeprägten Zeit, wo alles nur noch mit Geld aufgewogen wird. Werte zählen kaum noch, nur die Frage «was kostet es mich/uns» zählt!
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Weil das Unternehmen immer noch Gewinn schreibt, kann man hier nicht über wirtschaftlich bedingte Entlassungen sprechen. Der kausale Zusammenhang zwischen weniger Gewinn und Stellenabbau hingegen ist offensichtlich. Also klar: Klassischer Fall vom Abwälzen des Unternehmensrisikos auf die Mitarbeitenden. Eigentlich ist es verboten. Ich würde klagen und eine fette Entschädigung beanspruchen. Sonst lernen sie es nie, die kurzfristig orientierten Manager. Sonst lernen sie es nie...
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  • Kommentar von Kim Hansson (Freddy Tobler)
    Wie zu jedem der fast täglich erscheinenden Artikel bezüglich Massenentlassungen schreibe ich: das bedingungslose Grundeinkommen ist die einzig humanitäre Lösung!
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Grundeinkommen ja, aber nicht bedingungslos. Im Rahmen der körperlichen und geistigen Möglichkeiten und Fähigkeiten muss ein Dienst an der Gemeinschaft geleistet werden.
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    2. Antwort von Kim Hansson (Freddy Tobler)
      @nd: In diesem Fall bräuchte es eine Instanz welche die "Arbeits-Fähigkeiten" definiert, eine welche sie anwendet und eine welche sie überprüft. Dieser Beamten-Apparat würde mehr Arbeitskraft verschlingen als durch ihn dazugewonnen wird. Erschwerend kommt hinzu das die wenigsten untätig wären auch ohne gesetzliche Aufforderung.
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