Zurück an die Arbeit

Gut ausgebildete Mitarbeitende stehen hoch im Kurs. Während die einen Unternehmen ausschliesslich neue Arbeitskräfte suchen, binden die andere ihre älteren Fachkräfte. Mit verschiedenen Modellen wollen sie einen fliessenden Übergang vom Beruf in die Pension erreichen.

Zwei Männer in Anzügen sitzen auf Bürostühlen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf dem Stuhl halten: Einige Unternehmen haben Modelle für Mitarbeitende nach dem Pensionierungsalter entwickelt. Keystone

Keine Alters-Guillotine im Berufsleben: Dafür setzt sich Thomas Daum, der Direktor des Arbeitgeberverbandes, seit Jahren ein. Bei den Unternehmen stiess er auf wenig Gehör. Statt ihre Pensionäre zu beschäftigen, rekrutierten sie lieber Junge oder Fachkräfte im Ausland. Nun zeichne sich eine Trendwende ab, sagt Daum.

«Wir sind mindestens so weit, dass die in gewissen Branchen grassierende vorzeitige Pensionierung gar nicht mehr so häufig angewandt wird.» Es gebe verschieden Unternehmen, die auch mit 55- oder 60-jährigen Mitarbeitenden eine gute Wertschöpfung erzielen wollten.

Fliessend in die Pension übergehen

Verschiedene Firmen experimentieren mit Modellen, um ihre Mitarbeitenden länger im Erwerbsleben zu halten. Beispielsweise Swiss Life. Der Lebensversicherer bietet zwei Varianten an, die einen fliessenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen. Das erklärt Aussendienst-Leiter Leo Huwiler: «Bei älteren Mitarbeitern ist der Wunsch aufgekommen, nicht abrupt aus dem Unternehmen auszuscheiden, sondern sanft in den Ruhestand gehen zu können.»

Neuerdings gibt es ein Teilpensionierungsmodell für Menschen im Alter zwischen 58 und 70. Interessierte können sich stufenweise aus dem Erwerbsleben zurückziehen. Bis maximal 50 Prozent berufstätig und 50 Prozent pensioniert.

Das zweite Modell richtet sich an langjährige Versicherungsberater. Diese können sich ab 58 frühpensionieren lassen und anschliessend als Senior-Berater in ein freieres, flexibleres Beschäftigungsmodell wechseln. Beide Angebote werden rege genützt: «Meine Schätzung ist, dass etwa 60 Prozent eines der beiden Modell wählen», sagt Huwiler. Die anderen würden abrupt aus dem Unternehmen ausscheiden. Erste Erfahrungen seien durchwegs positiv, sagt Huwiler: Die Kunden schätzten es, wenn ihnen ihr langjähriger Berater erhalten bleibt.

Senioren-Team kennt keine Nachwuchsprobleme

Eines der wenigen Unternehmen, das schon länger ältere, qualifizierte Mitarbeitende beschäftigt, ist die Basler Kantonalbank. Vor rund zehn Jahren hat sie das sogenannte Senioren-Team installiert. Rund ein Dutzend pensionierte Bankberater begleiten weiter Kunden, die mit ihnen zusammen alt geworden sind, sagt Teamleiter Willy Hotz: «Das ist für Kundenberater gedacht, die einen grossen Rucksack mitbringen und für alle Lebenslagen geschult sind.»

Nachwuchsprobleme kennt das Senioren-Team nicht. «Es geht nicht um das Finanzielle. Es geht um die Freude, den älteren Generationen weiterzuhelfen», sagt Hotz. Zurzeit sind elf ehemalige Bank-Fachleute als Seniorenberater tätig. Sie leisten ein paar wenige Einsätze pro Monat. Als Türöffner vermitteln sie der Basler Kantonalbank ältere Kundinnen und Kunden.

Ähnliche Modelle für ältere Fach- und Kaderleute gibt es auch in der Industrie. Beispielsweise bei ABB, Siemens oder Alstom. Allerdings gilt das Angebot nur für eine Minderheit der Angestellten im AHV-Alter.

Weichen neu stellen

Und dies obwohl gut ausgebildete Fachleute bereits heute schmerzlich fehlen. Zudem kommen immer weniger neue nach – auch nicht aus dem Ausland, warnt Thomas Daum, der beim Arbeitgeberverband das Dossier Fachkräftemangel betreut hat. Deshalb gelte es, rechtzeitig die Weichen neu zu stellen. Handeln müssten insbesondere Firmen, die dereinst nicht mit Spitzenlöhnen junge Talente anziehen können. «Diese Branchen, die nicht so hohe Wertschöpfungen erzielen, müssen sich auf den Weg machen, um auch mit älteren Arbeitnehmenden arbeiten zu können», sagt Daum.

Das Interesse der Arbeitnehmer ist gross. Das zeigen Zahlen vom Bundesamt für Statistik. Von den Befragten, die kurz vor der Pensionierung standen, möchte jeder Fünfte auch nach dem Eintritt ins Rentenalter berufstätig bleiben.

prus; buet