«Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung»: So lautet das österreichische «Wort des Jahres» 2016. Dieses «anschauliche Wort» sei von den Wählern mit deutlicher Mehrheit an die erste Stelle gesetzt worden, teilte die Forschungsstelle Österreichisches Deutsch in Graz mit. Es sei «ein Sinnbild und ironischer Kommentar für die politischen Ereignisse dieses Jahres, das vom überaus langen Wahlkampf für die Bundespräsidentenwahl, der Anfechtung der Stichwahl, deren Wiederholung und zusätzlich auch noch von der Verschiebung derselben gekennzeichnet ist». Der Spruch des Jahres ist ebenfalls bezeichnend: «Bundespräsidentenwahl 2016-2019: Ich war dabei!».
«Postfaktisch»: Wesentlich nüchterner ist das ebenfalls heute bekannt gegebene deutsche «Wort des Jahres». In politischen und gesellschaftlichen Diskussionen gehe es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten, erklärte die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden. Insofern stehe das Wort «postfaktisch» für einen tiefgreifenden politischen Wandel. Immer grössere Bevölkerungsschichten seien aus Widerwillen gegen «die da oben» bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen zu akzeptieren.
«Filterblase»: Bereits am Mittwoch wurde das Schweizer «Wort des Jahres» von einer Jury von Radio SRF 3 gekürt. Eine «Filterblase» meint die falsche Sicherheit, in der sich Internetuser wiegen, weil sie nur noch mit Gleichgesinnten kommunizieren und sich so in der Mehrheit wähnen. Die Begründung der Jury betont das Paradox: «Je vernetzter die Welt, desto isolierter das Individuum in einer Nische von Gleichgesinnten.» Als Schweizer Unwort des Jahres wurde «Inländervorrang light» ausgewählt.