Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

10 Jahre Solar Impulse 2 Wo die Solarfliegerei heute weiterlebt

Am 26. Juli 2016 schrieben Bertrand Piccard und André Borschberg Luftfahrtgeschichte: Mit der Solar Impulse 2 vollendeten sie die erste Weltumrundung eines Flugzeugs ohne Treibstoff. Zehn Jahre später wirkt das Projekt vor allem als Innovationsmotor und Symbol für erneuerbare Energien.

Zehn Jahre ist es her, dass Bertrand Piccard und André Borschberg mit dem Solarflugzeug Solar Impulse 2 eine Weltumrundung ohne einen Tropfen fossilen Brennstoff vollendeten.

Die Landung in Abu Dhabi sorgte für Euphorie und weckte Hoffnungen auf eine saubere Zukunft der Luftfahrt. Heute fällt die Bilanz gemischt aus.

Ein Solar-Passagierflugzeug wie ein A380 ist physikalisch leider nicht möglich.
Autor: Stefan Leutenegger Professor für mobile Robotik, ETH Zürich

«Man war damals bereits am Limit der Physik», erklärt Stefan Leutenegger, Professor für mobile Robotik an der ETH Zürich, der seine Doktorarbeit über das Solarfliegen schrieb.

Die für den Solarflug nötigen Bedingungen – grosse, leichte Flugzeuge, die extrem langsam fliegen – lassen sich nicht auf die Passagierluftfahrt übertragen.

Auf die klare Frage, ob ein Grossraumjet wie ein A380 dereinst solar fliegen könnte, lautet seine Antwort unmissverständlich: «Ein Solar-Passagierflugzeug wie ein A380 ist physikalisch leider nicht möglich.»

Potenzial bei unbemannten Drohnen

Sinnvoll eingesetzt wird die Technologie heute in einem anderen Bereich: bei kleineren unbemannten Fluggeräten. «Ich denke, dass sie vor allem dort Potenzial hat», so Leutenegger.

Solar-Drohnen können sehr lange in der Luft bleiben und Aufgaben wie die Erdbeobachtung oder die Bereitstellung von Kommunikationsnetzen übernehmen. Sie agieren gewissermassen als Satelliten, die aber deutlich näher an der Erde operieren.

Impuls für die Elektrofliegerei

Auch wenn der Traum vom Solar-Passagierjet geplatzt ist, war der Flug von Solar Impulse 2 kein Misserfolg. Im Gegenteil: Das Projekt hat der gesamten Elektrofliegerei einen entscheidenden Schub verliehen. So wurden in den vergangenen zehn Jahren etwa elektrische Segelflugzeuge entwickelt, die selbstständig starten können.

Es muss der Anspruch sein, dass man auch in der Fliegerei nachhaltig wird.
Autor: Stefan Leutenegger Professor für mobile Robotik, ETH Zürich

Für die künftige klimafreundliche Passagierluftfahrt sieht Leutenegger den Weg eher in batterieelektrischen Antrieben für Kurzstrecken oder in nachhaltig produzierten Treibstoffen (Sustainable Aviation Fuels, SAF).

Diese synthetischen Treibstoffe könnten mithilfe von Solarenergie hergestellt und dann in konventionellen Flugzeugen verwendet werden. «Es muss der Anspruch sein, dass man auch in der Fliegerei nachhaltig wird», sagt Leutenegger.

Solar Impuls 2: Ein Flug für die Geschichtsbücher

Box aufklappen Box zuklappen

42'000 Kilometer, 17 Etappen und rund 555 Flugstunden: Die Solar Impulse 2 bewies 2015 und 2016, dass ein Flugzeug allein mit Sonnenenergie rund um die Erde fliegen kann. Auf den Flügeln erzeugten 17'248 Solarzellen Strom, der auch für die Nacht in Batterien gespeichert wurde.

Das Schweizer Langstrecken-Experimentalflugzeug startete seinen Weltumrundungsflug am 9. März 2015 in Abu Dhabi und schloss ihn am 26. Juli 2016 mit der Landung am Ausgangspunkt erfolgreich ab.

Ironischerweise existiert die Solar Impulse 2 heute nicht mehr. Das Flugzeug wurde nach seinem Verkauf an das Unternehmen Skydweller für unbemannte Anwendungen weiterentwickelt. Im Mai 2026 stürzte das Flugzeug bei einem unbemannten Testflug ab und wurde dabei vollständig zerstört.

Der Flug von Solar Impulse 2 bleibt für den Experten vorrangig eine Leistung der Demonstration. «Das Demonstrieren, dass Solarfliegerei im Prinzip möglich ist, das ist für mich schon eine unglaubliche Leistung», sagt Leutenegger.

Ein Beweis, dass man manchmal einfach etwas wagen muss, um Veränderung anzustossen.

Radio SRF 1, 24.7.2026, 7:15 Uhr;liea

Meistgelesene Artikel