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100 Jahre Weltverband FIS Von den ersten alpinen Skipionieren zum heutigen Skizirkus

Die Ski Alpin Disziplinen Slalom und Abfahrt wurden in der Schweiz erfunden. Ein Blick ins Archiv.

Abfahrt und Slalom sind heute die herausragenden Disziplinen im alpinen Skirennsport. Der Wintersportort Mürren im Berner Oberland ist die Geburtsstätte des modernen Slaloms und der Abfahrt.

Die zwei Skipioniere im Slalomhang.
Legende: Die Skipioniere Arnold Lunn und Walter Amstutz Das englisch-schweizerische Powergespann Lunn und Amstutz tüftelten an Slalom und Abfahrt herum. Lunn gilt als Erfinder des Slalom (1922) und der Abfahrt (1921). Max D. Amstutz

Der Brite Sir Arnold Lunn und der Mürrener Walter Amstutz waren die treibenden Kräfte dahinter. Lunns Vater Henry organisierte Reisen in die Schweizer Alpen für die gehobene englische Gesellschaft.

Sohn Arnold war im Winter in Mürren zuständig für das Unterhaltungsprogramm der englischen Gäste: Curling, Schlittschuhlaufen, Schlittenfahren und Skifahren. Im Ersten Weltkrieg betreute er zudem rund 800 britische Soldaten, die in Mürren interniert waren. In diesem «Skifahrlabor» entwickelte der Tüftler Lunn, zusammen mit seinem Freund und exzellenten Skisportler Amstutz, Regeln und Fahrtechnik von Abfahrt und Slalom.

Der Schnellste gewinnt

Lunns simple Einsicht war: «Wir wollen ein Rennen machen, wo es nur um die Geschwindigkeit geht. Der Schnellste gewinnt.»

Skipionier Walter Amstutz auf den Skiern in der Luft.
Legende: Walter Amstutz war einer der massgebenden Skipioniere Walter Amstutz war Gründer des Schweizerischen Akademischen Skiklubs SAS, in einer Zeit, in der in der Schweiz zahlreiche Skiklubs im ganzen Land entstanden. Der SAS war eine der Kampforganisationen für die Anerkennung des alpinen Skisports. Max D. Amstutz

Das Material war anfänglich einfach, und der Skischuh hinten noch nicht auf dem Ski fixiert. Man fuhr mit Telemark und es wurde gestemmt.

Die Anerkennung durch den Internationalen Sportverband FIS

Die beiden schafften es, dass die FIS an ihrem Jahreskongress 1930 Slalom und Abfahrt als alpine Wettkampfdisziplinen offiziell anerkannte. Seit der Gründung der FIS 1924 hatte diese bis dann nur die nordischen Disziplinen Langlauf und Skisprung offiziell anerkannt. 1931 fanden bereits die ersten Skiweltmeisterschaften in Mürren statt.

Der int. Skiverband FIS als Motor im alpinen Skizirkus

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2024, also in seinem hundertsten Jahr seines Bestehens, zählt die FIS 13 Disziplinen (Ski alpin und Ski nordisch), 135 Mitgliedsverbände, tausende Athleten und ihre Betreuerteams, über 7000 Veranstaltungen jährlich sowie unzählige Freiwillige.

Die Globalisierung des alpinen Rennsports

Der alpine Skirennsport ist heute ein Geschäft, in dem es um Millionen geht. Dank der FIS können sich Sportlerinnen und Sportler weltweit auf internationalem Niveau messen. Zusammen mit den nationalen Verbänden stellt die FIS die «Spielbühne» dazu zur Verfügung. Er stellt ein allgemeingültiges Regelwerk sicher; auch für die Vermarktung der Aktiven, damit diese mit ihren Erfolgen Geld verdienen können.

Herausforderungen der Zukunft

FIS-Präsident Johan Eliasch versucht den schwierigen Spagat zwischen Expansion und Nachhaltigkeit.

Einerseits sucht er neue Sponsoren und neue Renndestinationen für höhere Preisgelder. Das soll zu mehr Attraktivität des Sports führen; im Kampf gegen ein weltweit schwindendes Zuschauerinteresse beim Fernsehen.

Mein Auftrag ist es, die FIS zu modernisieren. Das mache ich nicht im Alleingang, wie man mir vorwirft. In die Entscheidungen sind viele Leute involviert, und schlussendlich entscheidet jeweils der FIS-Council.
Autor: Johan Eliasch FIS-Präsident seit 2021

Zum anderen steht er in der Kritik, weil Rennen mehrmals in Übersee, wie USA oder China, oder Rennen fast ohne Naturschnee den eigenen Zielen eines nachhaltigen Skisports widersprechen. Zudem überfrachte er den Rennkalender und das führe zu Überlastung bei Athletinnen und Athleten.

FIS-Präsident Gian Ehrenzeller im Porträt
Legende: FIS-Präsident Joan Eliasch steht unter medialer Dauerkritik Er ist in der klassischen Sandwichposition: Die Skiindustrie verlangt einen frühen Saisonstart für einen guten Absatz ihrer Produkte. Winter mit weniger Schnee verlangen hingegen eine Verlagerung des Saisonstarts nach hinten. Keystone / Gian Ehrenzeller

«Mein Auftrag ist es, die FIS zu modernisieren.» Das sagt Johan Eliasch im Gespräch mit SRF. «Das mache ich nicht im Alleingang, wie man mir vorwirft. In die Entscheidungen sind viele Leute involviert, und schlussendlich entscheidet jeweils der FIS-Council. Er habe auch nicht auf die Rennen in Zermatt gepocht, die abgesagt werden mussten. Das seien der schweizerische und der italienische Verband gewesen.

Johan Eliasch stellt allerdings auch klar, dass er nicht anstrebe, künftig noch mehr Rennen in den Kalender zu packen. «Mehr als 45 wie in dieser Saison sollen es nicht werden. In Sachen Quantität sind wir am Limit», sagt er. Eines scheint klar zu sein: Die Herausforderungen für die FIS in der Zukunft sind gross.

SRF 1, Morgengast, 31.1.2024, 7:15 Uhr

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