«Wer gut auf den Schlittschuhen ist, hat mehr Zeit, um das Spiel zu gestalten», sagt Marc Reichert, ehemaliger Eishockeyprofi und SRF-Experte. Reichert streicht diesbezüglich einen Spieler der Schweizer Eishockeynati heraus: «Denis Malgin ist vermutlich einer der besten Schlittschuhläufer der Welt – er fährt wie auf Schienen.»
Aber nicht nur die Technik und das Talent sind entscheidend, sondern auch das Material unter den Füssen.
Einst Beton, heute Hightech
«Früher fühlten sich Schlittschuhe an wie schwere Betonklötze», erinnert sich Marc Reichert an seine ersten Erfahrungen auf Eis. «Heute wird der Fuss für Massanfertigungen genau ausgemessen und eingescannt. Die Verarbeitung ist feiner, das Material leichter und langlebiger.»
Wenn du gute ‹Schlöf› hast, ist der ‹Mischt scho fasch gcharret›.
Die richtige Härte, möglichst keine Druckstellen, der perfekte Schliff: «Als Eishockeyspieler bist du ständig mit deinen Schlittschuhen beschäftigt.» Unter anderem auch in Zusammenarbeit mit dem Materialchef, der die Kufen schleift.
«Harter Schliff, weicher Schliff – da gibt es individuelle Vorlieben.» Kurz: «Wenn du gute ‹Schlöf› hast, ist der ‹Mischt scho fasch gcharret›.» Ein herrliches Bonmot, das die Wichtigkeit des Schuhwerks im Eishockey unterstreicht.
Das Heiligtum der Eisprinzessin
«Meine Schlittschuhe behandle ich wie ein Juwel, das ich immer in einem speziellen Koffer bei mir trage», sagt Denise Biellmann. «Ein Geiger lässt seine Stradivari ja auch nicht aus den Augen.»
Welt- und Europameisterin, mehrfache Schweizer Meisterin: Biellmann hat als Eiskunstläuferin in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrtausends einiges erreicht. Einerseits dank Talent und Training, andererseits eben auch dank des richtigen Schuhwerks.
«Die Schlittschuhe sind wie eine Art Körperteil von mir. Ohne sie kann ich meine Kunst nicht zeigen.» Klar, dass dabei der Schliff äusserst wichtig ist, die Pflege und: «Ich mag es gar nicht, wenn jemand meine Schlittschuhe anfasst und daran rumdrückt.»
Mit viel Handarbeit zum Schweizer Schlittschuh
Die Firma Graf Skates AG in Kreuzlingen gehört zu den führenden Schlittschuhherstellern der Welt. «Wir stellen rund 80'000 Paare pro Jahr her», sagt Petra Di Nardo-Graf, Geschäftsleitungsmitglied und Urenkelin des Firmengründers. «Rund 4000 Paare in Kreuzlingen, den Rest unter anderem in China.»
Das Unternehmen produzierte ursprünglich Sportschuhe verschiedener Art, seit rund fünfzig Jahren ist es auf Schlittschuhe für Eishockey und Eiskunstlauf spezialisiert. «In den 1970er-Jahren entstanden viele Eisbahnen und Eishockey wurde in der Schweiz immer populärer.» Der Grossteil der Schlittschuhe wurde damals aus Kanada importiert. Di Nardo-Grafs Vater entschied sich, ebenfalls auf die Karte Schlittschuhe zu setzen.
Impressionen aus der Schlittschuhmanufaktur in Kreuzlingen
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Bild 1 von 4. Um Schlittschuhe herzustellen, braucht es einiges an Material wie beispielsweise rollenweise Leder. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Nach dem Zusammennähen einzelner Teile nimmt der Schlittschuh Form an. Bildquelle: srf.
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Bild 3 von 4. In einem Arbeitsschritt wird der Schlittschuh mit Haken und Ösen ausgestattet. Bildquelle: srf.
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Bild 4 von 4. Der Schuh ist fertig, es fehlen nur noch die Kufen. Bildquelle: srf.
Leder, Filz, Verstärkungs- und Fütterungsmaterial, Haken, Ösen, Plastik, Kufen, Schuhbändel: Um einen Schlittschuh herzustellen, braucht es einiges an Material, spezielle Maschinen und zahlreiche Arbeitsschritte.
Ausstanzen, Nähen, Kleben, Formen, Schleifen bis zum Einfädeln der Schnürsenkel – fünf Angestellte kümmern sich in Kreuzlingen um die Produktion. «Unsere Hauptmärkte sind Deutschland, Finnland und die USA.»