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Bundeshaus hinter den Kulissen Abseits der Ratskammern: Der Blick ins Herz der Schweizer Politik

Was läuft eigentlich abseits des National- und Ständeratssaals während einer Session in Bundesbern?

Aktuell wird fleissig debattiert und abgestimmt im Bundeshaus. Während Parlamentarierinnen und Parlamentarier wichtige Entscheide für die Schweiz treffen, wirken Menschen im Hintergrund, damit ein reibungsloser Parlamentsbetrieb sichergestellt werden kann. Zeit also, die Arbeitsbereiche des politischen Zentrums zu beleuchten, die sonst nicht im Scheinwerferlicht stehen.

Dolmetschen in Echtzeit

Bei den Sitzungen des Nationalrats und der vereinigten Bundesversammlung werden alle Voten simultan in die drei Amtssprachen Deutsch, Französisch und Italienisch verdolmetscht.

Jeder versucht, so viele Infos wie möglich in diese drei, fünf oder sieben Minuten zu packen.
Autor: Hans Martin Jörimann Dolmetscher im Bundeshaus

Im Ständerat hingegen gibt es keine Verdolmetschung. «Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass die Mitglieder des Ständerats mindestens zwei Landessprachen beherrschen. Ob das wirklich so ist, habe ich nicht verifiziert», sagt der Dolmetscher Hans Martin Jörimann.

Hans Martin Jörimann steht in einem beigen Anzug vor einer dunkelgrünen Wand im Bundeshaus.
Legende: Seit fast zwei Jahrzehnten arbeitet Hans Martin Jörimann als Dolmetscher im Bundeshaus. SRF / Mark Schindler

Simultandolmetschen verlangt höchste Konzentration. «Die Vorbereitung macht sicher die Hälfte der Miete aus. Häufig liegen 20 Geschäfte auf dem Tisch – jedes muss gründlich vorbereitet werden. Gleichzeitig muss man flexibel reagieren. Ich denke, das ist auch ein Grund, weshalb sich KI im Simultanbereich noch nicht durchgesetzt hat», erklärt er.

Jörimann arbeitet seit 19 Jahren als Dolmetscher im Bundeshaus. In dieser Zeit hat sich einiges verändert: «Die Dichte an Geschäften hat zugenommen, wahrscheinlich auch der Stress für die Parlamentarier. Die Redezeit ist limitiert, jeder versucht, so viele Infos wie möglich in diese drei, fünf oder sieben Minuten zu packen. Es wird abgelesen.» Abgelesene Texte, die die Dolmetscherinnen nicht haben, seien eine Challenge, erklärt Jörimann.

Gastfreundschaft im Bundeshaus

Wenn sich im Bundeshaus hoher Besuch ankündigt, sind Philipp Baeriswyl und sein Team besonders gefordert: «Hoher offizieller Besuch, den wir bis zu drei Tage begleiten, hat sich bislang noch nicht angekündigt», sagt Baeriswyl. Doch in der laufenden Frühlingssession gab es bereits einen wichtigen Termin: einen Gedenkmoment für die Opfer von Crans-Montana, zu dem die Botschafter der betroffenen Länder eingeladen wurden.

hilipp Baeriswyl steht in Anzug neben Moderator Mike La Mart.
Legende: Protokollchef Philipp Baeriswyl mit Moderator Mike La Marr, der für die Sendung «Treffpunkt» einen Blick hinter die Kulissen des Bundeshauses warf. SRF / Mark Schindler

Mit dem Schreiben von Protokollen habe seine Arbeit allerdings nichts zu tun. «Wir geben einem Besuch einen passenden Rahmen – und müssen dabei manchmal auch improvisieren.» Die Kunst sei, Probleme im Hintergrund zu lösen, ohne dass vorne jemand etwas davon merke. Grossen Wert legt Baeriswyl auf die Willkommenskultur: «Wenn ein Gast lieber Tee als Kaffee hat, versuchen wir das im Programm einzuplanen. Jeder Besuch muss besonders sein.» Dabei soll es aber, so der Protokollchef, auch nicht «überborden» oder gar Regeln gebrochen werden.

Wir sind froh, wenn die Session beginnt, wir sind aber auch froh, wenn sie wieder vorbei ist.
Autor: Laetitia Kohler Leiterin des Zentralen Sekretariats

Wo die Fäden zusammenlaufen

Das Zentrale Sekretariat ist eine Art Herz des Bundeshaus. Perfekt gelegen zwischen dem National- und Ständeratssaal, dient es als Drehscheibe zwischen den Parlamentsdiensten und der Bundeskanzlei. «Bei uns laufen alle relevanten Dokumente zusammen. Wir koordinieren die Weiterleitung, übermitteln die Unterlagen an den zuständigen Betrieb. Dort werden sie gedruckt und anschliessend sorgen die Weibel für die Verteilung», fasst die Leiterin Laetitia Kohler zusammen.

Laetitia Kohler steht in ihrem Büro im Bundeshaus und lächelt in die Kamera.
Legende: Laetitia Kohler, Leiterin des Zentralen Sekretariats in ihrem Büro inmitten des Bundeshauses. SRF / Mark Schindler

Pro Session übermittelt ihre Abteilung ungefähr 700 Vorstösse an die Bundeskanzlei. Eine intensive Phase: «Wir sind froh, wenn die Session beginnt, wir sind aber auch froh, wenn sie wieder vorbei ist.» Bis zum 20. März dauert die aktuelle Frühjahrssession noch.

Radio SRF 1, Treffpunkt, 4.3.2026, 10:03 Uhr ; 

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