Die verheerenden Waldbrände in Südwestfrankreich, insbesondere in der Region Gironde rund um Bordeaux, beschäftigen derzeit viele Schweizerinnen und Schweizer. Beim Touring Club Schweiz (TCS) gehen seit einer Woche zahlreiche Anfragen von Versicherten ein. Über hundert Mitglieder sind direkt vor Ort betroffen, einige mussten bereits evakuiert werden.
Waldbrände in Europa sorgen für Verunsicherung
Stehen die Ferien noch bevor, taucht möglicherweise die Frage nach einer Annullierung der Reise auf. Dabei ist Vorsicht geboten, sagt Vanessa Flack vom TCS.
Die persönliche Angst allein begründet keinen Anspruch auf eine kostenlose Stornierung.
Wer eine Reise in ein Gebiet storniert, das nicht direkt von den Bränden oder behördlichen Massnahmen betroffen ist, kann auf den Kosten sitzen bleiben. Auch Reiseombudsmann Walter Kunz, der die Interessen von Pauschalreisenden vertritt, sagt: «Die persönliche Angst allein begründet keinen Anspruch auf eine kostenlose Stornierung.»
Für Gebiete wie die Gironde, die offiziell zur Evakuierungszone erklärt wurden, ist die Lage klar. Von Reisen in diese Region rät der TCS dringend ab.
Generell sei es wichtig, sich vorab über die Lage am Reiseziel zu informieren und die eigene Reiseversicherung zu kontaktieren. Diese kann Auskunft geben, ob die Anreise noch möglich ist und welche Kosten bei einer Annullierung oder Umbuchung gedeckt sind.
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Bild 1 von 5. Im Département Gironde sind bisher über 42’000 Hektar Wald verbrannt. Dabei wurden auch Campingplätze in Mitleidenschaft gezogen – hier z.B. in einem Waldgebiet nahe des Bassin d'Arcachon. Bildquelle: Imago/Anadolu Agency.
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Bild 2 von 5. Wenn vom Zelt nur noch die Stangen übrig bleiben. Bildquelle: IMAGO/Mohamad Salaheldin Abdelghani Alsayed.
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Bild 3 von 5. Privat- wie Ferienhäuser fallen derzeit den Waldbränden zum Opfer. Eine Flammenwand rückt bei Lège-Cap-Ferret in der Gironde, Frankreich, auf ein Haus zu. Bildquelle: IMAGO/ABACAPRESS.
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Bild 4 von 5. Abgebranntes Haus in Lanton. Bilder, die auch Touristinnen und Touristen verunsichern, deren Frankreichreise erst bevorsteht. Bildquelle: Keystone/Emma da Silva.
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Bild 5 von 5. Feldbetten für Evakuierte sind in einem provisorischen Schutzraum in Bordeaux aufgestellt worden. Einige der 220’000 Menschen, die vor den Waldbränden in der südwestfranzösischen Region geflohen sind, finden hier Unterschlupf. Bildquelle: Keystone/EVA VAN DAM.
Hilfe bei Evakuierung und Umbuchung
Versicherte, die bereits vor Ort sind und evakuiert werden müssen, unterstützt der TCS bei der Entscheidung, ob sie ihre Ferien an einem anderen Ort fortsetzen oder abbrechen sollen. «In den meisten Fällen möchten die Leute zurück in die Schweiz», erklärt Sprecherin Vanessa Flack.
Individualtouristen tragen das Risiko selbst
Wer eine klassische Pauschalreise über ein Schweizer Reisebüro oder einen Reiseveranstalter gebucht hat, ist im Ernstfall rechtlich am besten geschützt, sagt Reiseombudsmann Walter Kunz. «Ist das gebuchte Gebiet unmittelbar und akut von den Bränden betroffen, besteht ein Anrecht auf einen kostenlosen Rücktritt», so Kunz.
Ein Grossteil der Reisenden in der Region Gironde seien jedoch Individualtouristen. Sie haben die Anreise selbst organisiert und die Unterkunft direkt oder über globale Online-Plattformen gebucht. Hier stösst die Schweizer Ombudsstelle an ihre Grenzen.
«Dann müssen sich die Reisenden an die Bedingungen halten, die sie dort vereinbart haben», so Walter Kunz. In solchen Fällen rät der Reiseombudsmann, direkt das Gespräch mit dem Vertragspartner zu suchen, um eine kulante Lösung wie einen Gutschein für einen späteren Aufenthalt zu finden.
Reiseversicherung hilft nicht in jedem Fall
Eine Reiseversicherung greift in der Regel, wenn eine Reise aufgrund von Krankheit oder eines Unfalls nicht angetreten oder fortgesetzt werden kann. Sie übernimmt die Kosten für eine Umbuchung, den Rücktransport oder nicht genutzte Leistungen. Ob sie auch bei Naturereignissen wie einem Waldbrand zum Tragen kommt, sei individuell und nicht klar zu beantworten, gibt der Reiseombudsmann zu bedenken. Gewisse Reiseversicherungen schliessen Naturgefahren wie Waldbrände aus.
Der wichtigste Schritt für alle Reisende ist daher, sich vor einer Entscheidung direkt bei der eigenen Versicherung zu informieren.