Nicht nur in Frankreich, auch in Spanien wüten heftige Waldbrände. Rund um die Hauptstadt Madrid sind zwei der drei Brände zu einem einzigen riesigen Feuer verschmolzen. Die Hintergründe erläutert der Journalist Hans-Günter Kellner in Madrid.
SRF News: Wie ist die aktuelle Situation im Brandgebiet?
Hans-Günter Kellner: Die Lage ist ausserordentlich komplex. Sie betreffen ein schwieriges, sehr gebirgiges Gelände. Ausserdem hat sich der Wind am Wochenende nicht wie erhofft gelegt. Immerhin haben es die Löschmannschaften geschafft, dass sich das Feuer nicht weiter ausdehnt.
Es werden wieder mehr Winde und höhere Temperaturen erwartet.
Das bedeutet aber nicht, dass es unter Kontrolle ist. Es werden wieder mehr Winde und höhere Temperaturen erwartet, was die Bekämpfung wieder schwieriger machen könnte. Trotzdem zeigen sich die Behörden derzeit vorsichtig optimistisch.
Wie schwierig gestalten sich die Löscharbeiten?
Gerade in der Schweiz kann man sich wohl vorstellen, wie schwierig es ist, Brände in gebirgigem Terrain löschen zu müssen. Zudem werden die Brände hier in Spanien wegen des immer heisseren Klimas immer komplexer. Man spricht inzwischen von Feuern der 6. Generation: Sie entwickeln ein eigenes Mikroklima, regelrechte Feuerstürme, in denen es noch heisser ist und die Löscharbeiten massiv erschweren.
Inwieweit sind die Feuer bei Madrid für Spanien eine Ausnahmesituation?
Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte, es habe noch nie so aggressive Brände gegeben in Spanien. Bereits ist die in diesem Jahr abgebrannte Fläche sechsmal grösser als zum gleichen Zeitpunkt 2025.
Die Politiker sagen, dass diese extreme Situation zur neuen Normalsituation werden könnte.
Und dabei war schon das letzte Jahr ein sehr schlimmes, was die Brände angeht. Insofern handelt es sich tatsächlich um eine Ausnahmesituation. Allerdings sagen die Politiker auch, dass diese Situation wegen des Klimawandels zur neuen Normalsituation werden könnte. Deshalb müsse man sich darauf einstellen und entsprechende Vorsorgemassnahmen treffen.
Wie geht die Bevölkerung mit den Bränden um?
Jene, die ihre Häuser verlassen mussten, werden in den Aufnahmezentren mit viel Fürsorge empfangen und betreut. Die Helferinnen und Helfer, aber auch die Betroffenen sind richtig stolz darauf, wie viel geleistet wird. Aber die Leute sind auch müde. Nach vier, fünf Tagen in der Turnhalle möchten sie eigentlich wieder nach Hause. Trotzdem: Bisher folgt die Bevölkerung den Anweisungen der Behörden.
Waldbrände bei Bordeaux und bei Madrid – die Bilder
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Bild 1 von 17. Die Feuerwehr kämpft ausserhalb von Bordeaux gegen die Flammen (26.7.2026). Bildquelle: Keystone/AP Photo/Emma Da Silva.
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Bild 2 von 17. Ein Feuerwehrmann kämpft gegen die Flammen in Ares im Département Gironde im Westen Frankreichs (25.7.2026). Bildquelle: Keystone/HANDOUT/DAMIEN REMBERT.
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Bild 3 von 17. Feuerwehrleute kämpfen gegen den Waldbrand bei Lège-Cap-Ferret (24.7.26). Wegen der Brände in der französischen Region um Bordeaux wurden mehr als 150'000 Menschen evakuiert. Bildquelle: Reuters/Handout/DAMIEN REMBERT.
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Bild 4 von 17. Auch schweres Gerät wird im Kampf gegen die Flammen eingesetzt (24.7.26). Bildquelle: Reuters/Handout/DAMIEN REMBERT.
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Bild 5 von 17. Der Wald bei Biscarrosse steht in Flammen (25.7.26). Bildquelle: Keystone/Handout/LOIC MARTIN .
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Bild 6 von 17. In Lege-Cap-Ferret im Departement Gironde verschärft sich die Situation weiter. Bildquelle: Reuters/Stephane Mahe.
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Bild 7 von 17. Mehr als 1000 Feuerwehrleute – hier in Cap Ferret – sind in den betroffenen Regionen im Einsatz. Bildquelle: imago images/Stephane Duprat/ABACAPRESS.
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Bild 8 von 17. Neun Löschflugzeuge und zwei Löschhelikopter stehen in Südwestfrankreich im Einsatz. Bildquelle: imago images/Thibaut Durand/ABACAPRESS.
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Bild 9 von 17. Die Flammen zerstören auch den Friedhof von Cap Ferret. Bildquelle: imago images/First Eye/ABACAPRESS.
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Bild 10 von 17. In Fox-Amphoux bei Pontevès im Departement Var sind die Einsatzkräfte bereits seit Mittwoch im Einsatz. Bildquelle: Reuters/Manon Cruz.
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Bild 11 von 17. Verbrannte Erde nach den Waldbränden. Bildquelle: Keystone/Mariam A. Montesinos.
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Bild 12 von 17. Evakuierte Anwohnende ruhen sich im Messezentrum Bordeaux-Lac aus, das zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde. Bildquelle: Reuters/Manon Cruz.
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Bild 13 von 17. In Spaniens Provinz Avila verbrannten 15'000 Hektaren Wald und 5000 Einwohner mussten evakuiert werden. Bildquelle: Keystone/RAUL SANCHIDRIAN.
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Bild 14 von 17. Auch in Spanien werden die Brände mit Löschflugzeugen bekämpft. Bildquelle: Keystone/MANU FERNANDEZ.
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Bild 15 von 17. Das spanische Dorf Burgohonfo in der Provinz Avila war von den Bränden schwer betroffen. Bildquelle: Keystone/RAUL SANCHIDRIAN.
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Bild 16 von 17. In El Tiemblo (Region Kastilien und Leon) löschen Freiwillige die Brände. Bildquelle: REUTERS/Violeta Santos Moura.
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Bild 17 von 17. Auch Haustiere wurden vor den Bränden – hier in Madrid – in Sicherheit gebracht. Bildquelle: REUTERS/Ana Beltran.
Gibt es auch Kritik an den Behörden?
Ja. Man hört immer wieder, dass die Wälder in Spanien nicht genügend gepflegt würden. Das Unterholz in den Wäldern werde nicht entfernt, zu viel trockenes Gestrüpp liege dort herum. Das alles ist Nahrung für die Feuer. Früher sei diese Vegetation in den Wäldern entfernt worden, heute bleibe das aus, heisst es. Dafür haben die Leute kein Verständnis und werfen das den Behörden und der Politik als Versäumnis vor.
Das Gespräch führte Radka Laubacher.