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Gefühl mit Potenzial Warum Langeweile mehr kann, als nur nerven

Langeweile gilt als unangenehm – doch sie kann auch ein Impuls für Kreativität und Veränderung sein. Eine Ausstellung in Pfäffikon SZ geht dem scheinbar lästigen Gefühl auf den Grund.

«Langeweile ist das unangenehme Gefühl, wenn man einer zufriedenstellenden Tätigkeit nachgehen möchte, es aber nicht kann.» So definiert der kanadische Psychologe John Eastwood das Phänomen.

Eine Definition, die auch Grundlage für die Ausstellung «Die Langeweile – ganz schön vielfältig» in Pfäffikon SZ ist. Die Kuratorin Karolina Widla hat sich intensiv mit dem Thema befasst und sagt: «Langeweile ist grundsätzlich erst einmal ein unangenehmes Gefühl», das mit Stillstand und endlos erscheinender Zeit assoziiert werde. Doch genau in diesem unangenehmen Gefühl liege das Potenzial der Langeweile.

«Langeweile ist ein Impuls, der einem sagt, dass einen das, was man gerade macht, nicht zufriedenstellt.» Für Menschen, die das bewusst wahrnehmen, könne der Impuls auch als Hinweis dienen. Als Aufforderung zur Selbstreflexion und zur Suche nach erfüllenden Aktivitäten.

Langeweile im Wandel des Lebens

Die Art und Weise, wie Menschen Langeweile empfinden, variiert je nach Lebensphase. Wissenschaftliche Hinweise deuten darauf hin, dass das persönliche Langeweile-Empfinden in den frühen Erwachsenenjahren einen Höhepunkt erreicht. Widla erklärt dies damit, dass in dieser Phase viele Wünsche und Ambitionen vorhanden sind, die Möglichkeiten zur Verwirklichung jedoch noch begrenzt sein können.

Im reiferen Erwachsenenalter nehme das Langeweile-Empfinden oft ab, da man mehr Kontrolle über die Gestaltung des Alltags hat. Im späteren Alter könne es jedoch wieder zunehmen, wenn die Gestaltungsmöglichkeiten erneut eingeschränkt sind.

Die Abgrenzung zum genussvollen Nichtstun

Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Langeweile mit genussvollem Nichtstun oder Achtsamkeit. Wer im Zug sitzt, nur zum Fenster hinausschaut und die vorbeiziehende Landschaft geniesst, dem ist nicht langweilig im eigentlichen Sinn.

Das genussvolle Nichtstun ist ein aktiver Zustand der Entspannung und des Wohlbefindens, während Langeweile durch das Fehlen einer zufriedenstellenden Tätigkeit gekennzeichnet ist.

Langeweile ist nicht gleich Langeweile

Trotz ihres schlechten Rufs kann Langeweile ein Katalysator für Kreativität sein. Karolina Widla bestätigt, dass aus Langeweile oft Kreativität entsteht. Das gelte aber nicht für jeden und jede und nicht immer. Viele Menschen greifen stattdessen zu bekannten Mustern, um der Langeweile zu entfliehen, zum Beispiel dem Scrollen am Smartphone.

Wie aus Langeweile Kreativität entsteht

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Erika Daum aus Zollikofen schreibt:

«Ein verregneter Sonntag, eine Fliege surrte an der Fensterscheibe, meine Schwestern lasen. Ich als Vorschulkind langweilte mich und klagte meiner Mutter mein Elend. Sie meinte: ‹Dann langweilst du dich halt.› Ich war wütend. Dann überlegte ich, was ich tun könnte, holte ein Blatt Papier, Schere und Klebstoff, schnitt vom Bügelverschluss der Mineralwasserflaschen die Papierchen ab und kreierte eine Collage. Meine Mutter schickte das Blatt ohne mein Wissen der Mineralwasserfirma zu. Eine Woche später klingelte es an der Tür und da wurde nach mir gefragt. Zwei Harassen gemischtes Mineralwasser wurden mir geschenkt. Da habe ich verstanden, dass aus Langeweile Kreativität entstehen kann.»

Karolina Widla unterscheidet zwischen situativer und chronischer Langeweile. Situative Langeweile tritt in bestimmten Momenten auf, wie zum Beispiel im Zug oder Wartezimmer. Chronische Langeweile hingegen ist ein länger anhaltender Zustand, in dem man sich nicht so betätigen kann, wie man es gerne möchte. Diese Form der Langeweile könne sehr belastend sein und zu Traurigkeit führen.

Umgang mit Langeweile: Reflexion und neue Impulse

Für einen besseren Umgang mit Langeweile empfiehlt Karolina Widla, das Gefühl bewusst anzunehmen und als Zeichen zu verstehen, etwas zu tun, das Spass macht.

Es gehe darum, zu reflektieren, was man sich wirklich wünscht und wie man dorthin gelangen kann. «Wenn man etwas hat, das wirklich Freude macht, egal was es ist, dann kann einem eigentlich nicht langweilig werden.»

Langeweile erleben in Pfäffikon

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Die Ausstellung: «Die Langeweile – ganz schön vielfältig» im Vögele Kulturzentrum Pfäffikon SZ können Besucherinnen und Besucher noch bis zum 4. Oktober erkunden.

Die Ausstellung bietet eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema, inklusive Persönlichkeitstests und interaktiven Stationen, die zur Selbstreflexion anregen.

Radio SRF 1, 17.2.2026, 10 Uhr ; 

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