«Langeweile ist das unangenehme Gefühl, wenn man einer zufriedenstellenden Tätigkeit nachgehen möchte, es aber nicht kann.» So definiert der kanadische Psychologe John Eastwood das Phänomen.
Eine Definition, die auch Grundlage für die Ausstellung «Die Langeweile – ganz schön vielfältig» in Pfäffikon SZ ist. Die Kuratorin Karolina Widla hat sich intensiv mit dem Thema befasst und sagt: «Langeweile ist grundsätzlich erst einmal ein unangenehmes Gefühl», das mit Stillstand und endlos erscheinender Zeit assoziiert werde. Doch genau in diesem unangenehmen Gefühl liege das Potenzial der Langeweile.
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Bild 1 von 3. Die Ausstellung «Langeweile – ganz schön vielfältig» enthält Werke aus der Gegenwartskunst, interaktive Stationen und persönliche Erfahrungsberichte rund ums Thema Langeweile. Bildquelle: zVg, Bild: Denise Ackerman.
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Bild 2 von 3. An unterschiedlichen Mitmachstationen kann man sich persönlich mit dem Thema Langeweile auseinandersetzen. Bildquelle: zVg, Bild: Denise Ackerman.
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Bild 3 von 3. Die Ausstellung ist aufgebaut wie ein Spielbrett, durch das man sich mit einem «Eile-mit-Langeweile»-Test hindurchbewegt. Bildquelle: zVg, Bild: Denise Ackerman.
«Langeweile ist ein Impuls, der einem sagt, dass einen das, was man gerade macht, nicht zufriedenstellt.» Für Menschen, die das bewusst wahrnehmen, könne der Impuls auch als Hinweis dienen. Als Aufforderung zur Selbstreflexion und zur Suche nach erfüllenden Aktivitäten.
Langeweile im Wandel des Lebens
Die Art und Weise, wie Menschen Langeweile empfinden, variiert je nach Lebensphase. Wissenschaftliche Hinweise deuten darauf hin, dass das persönliche Langeweile-Empfinden in den frühen Erwachsenenjahren einen Höhepunkt erreicht. Widla erklärt dies damit, dass in dieser Phase viele Wünsche und Ambitionen vorhanden sind, die Möglichkeiten zur Verwirklichung jedoch noch begrenzt sein können.
Im reiferen Erwachsenenalter nehme das Langeweile-Empfinden oft ab, da man mehr Kontrolle über die Gestaltung des Alltags hat. Im späteren Alter könne es jedoch wieder zunehmen, wenn die Gestaltungsmöglichkeiten erneut eingeschränkt sind.
Die Abgrenzung zum genussvollen Nichtstun
Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Langeweile mit genussvollem Nichtstun oder Achtsamkeit. Wer im Zug sitzt, nur zum Fenster hinausschaut und die vorbeiziehende Landschaft geniesst, dem ist nicht langweilig im eigentlichen Sinn.
Das genussvolle Nichtstun ist ein aktiver Zustand der Entspannung und des Wohlbefindens, während Langeweile durch das Fehlen einer zufriedenstellenden Tätigkeit gekennzeichnet ist.
Langeweile ist nicht gleich Langeweile
Trotz ihres schlechten Rufs kann Langeweile ein Katalysator für Kreativität sein. Karolina Widla bestätigt, dass aus Langeweile oft Kreativität entsteht. Das gelte aber nicht für jeden und jede und nicht immer. Viele Menschen greifen stattdessen zu bekannten Mustern, um der Langeweile zu entfliehen, zum Beispiel dem Scrollen am Smartphone.
Karolina Widla unterscheidet zwischen situativer und chronischer Langeweile. Situative Langeweile tritt in bestimmten Momenten auf, wie zum Beispiel im Zug oder Wartezimmer. Chronische Langeweile hingegen ist ein länger anhaltender Zustand, in dem man sich nicht so betätigen kann, wie man es gerne möchte. Diese Form der Langeweile könne sehr belastend sein und zu Traurigkeit führen.
Umgang mit Langeweile: Reflexion und neue Impulse
Für einen besseren Umgang mit Langeweile empfiehlt Karolina Widla, das Gefühl bewusst anzunehmen und als Zeichen zu verstehen, etwas zu tun, das Spass macht.
Es gehe darum, zu reflektieren, was man sich wirklich wünscht und wie man dorthin gelangen kann. «Wenn man etwas hat, das wirklich Freude macht, egal was es ist, dann kann einem eigentlich nicht langweilig werden.»