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Geschichte des Bordrestaurants Mal edel, mal Fast Food – Speisewagen gingen immer mit der Zeit

Die über 100-jährige Geschichte des Schweizer Speisewagens ist vielfältig und teilweise kurios. Stichwort: McDonalds-Speisewagen. Während am Anfang noch im Zug gekocht wurde, kommt heute meist der Steamer zum Einsatz.

Im 19. Jahrhundert revolutionierte die Eisenbahn den Verkehr in Europa. Die erste Eisenbahnstrecke in der Schweiz wurde 1847 zwischen Zürich und Baden gebaut. Schon bald stellte sich die Frage: «Wie werden die Passagiere während der Fahrt verpflegt?»

Junge Frau geniesst ihr Frühstück. Ein Kellner der Speisewagengesellschaft giesst heisse Milch in ihre Tasse.
Legende: Frühstücken in der SBB – ein Luxus, den sich in den 1940er-Jahren nur wenige leisten konnten. Es ging nobel zu und her – wie im Grand Hotel. Keystone/Albert Jansen

Auf längeren Fahrten hielten die Züge teilweise über Mittag, damit sich die Passagiere versorgen konnten. An vielen Bahnhöfen entstanden Bahnhofbuffets, die es bis heute noch gibt.

Speisewagen statt Bahnhofbuffet

1903 wurde die Schweizerische Speisewagen-Gesellschaft SSG gegründet. Mittlerweile heisst das Unternehmen Elvetino, gehört zu 100 Prozent der SBB und betreibt immer noch die Speisewagen im Land.

«Die allerersten Speisewagen waren für die eher gut betuchten Reisenden gedacht», sagt Isabelle Bitterli von SBB Historic: «Bevor es Speisewagen gab, wurden Versorgungsstopps eingelegt, bei denen die Passagiere in einer Stadt ein Mittagessen einnehmen konnten.»

Speisewagen im Wandel der Zeit

In den 1930-Jahre wurden die Züge leichter und schneller. Entsprechend mussten sich die Gäste unterwegs weniger oft verpflegen.

Ab den 1950er-Jahren war der Speisewagen für alle zugänglich. «Es war ein Ort, wo sich alle Klassen trafen. So wurden im Speisewagen sowohl Geschäfte bei einem Menü getätigt, wie auch einfache Speisen durch Ausflügler genossen. Man spricht von der ‹Demokratisierung des Speisewagens›», sagt Bitterli.

Vom Selbstbedienungsrestaurant bis zum McDonalds auf Schienen

In den 1980er-Jahren wurden neue Lösungen gesucht, die komplizierte Logistik zu vereinfachen. Man setzte auf ein Cateringsystem. «Erstmals wurden die Speisen in einer zentralen Küche zubereitet. Im Speisewagen wurden die Menüs dann nur noch aufgewärmt», verrät Bitterli. Diese Praxis ist bis heute üblich.

Als Kuriosum wird das Pilotprojekt von McDonalds bezeichnet. Die Fast Food-Kette eröffnete 1992 ihr eigenes Restaurant auf Schienen. Die Passagiere waren allerdings wenig begeistert. Ein paar Jahre später wurde das Projekt abgebrochen.

Ungewisse Zukunft

«Der Speisewagen hat heute nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher», sagt Bitterli. Es gehe vor allem um die schnelle Verpflegung. Ausserdem hätten sich die Versorgungsmöglichkeiten innerhalb der Bahnhöfe massiv verändert. Viele Leute würden ihre Snacks in einem der vielen Läden kaufen und dann im Bahnhof oder im normalen Passagierwagen essen.

Wie der Speisewagen der Zukunft aussehen könnte, kann Bitterli nicht sagen. «Der Speisewagen ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft und hat sich stetig neu erfinden müssen. Bei Wirtschaftskrisen wurde er kaum genutzt. Ging es der Bevölkerung finanziell gut, leistete sie sich auch mal ein feines Essen im Speisewagen. «Die Zukunft der Speisewagen hängt von viel zu vielen Faktoren ab, um eine Prognose zu wagen», sagt Bitterli.

Bitterli selbst nutzt den klassischen Speisewagen immer noch gerne. «Es herrscht hier noch immer eine spezielle Atmosphäre, die mir gefällt», verrät sie. Ausserdem hat sie noch einen Geheimtipp: «Man kann im Speisewagen einen Tisch reservieren, was viele nicht wissen. Die Reservationskosten von fünf Franken werden der Konsumation angerechnet.»

Radio SRF 1, 20.1.2026, 10:00 Uhr

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