Aus der Schweiz Richtung Osten zu fliegen ist für Fluggesellschaften eine Herausforderung – aufgrund der Kriege im Nahen Osten, in Russland und der Ukraine sind zahlreiche Lufträume geschlossen. Im Operations Control Center der Swiss überwachen Mark Ansems und seine Teams den Flugverkehr rund um die Uhr. Sie steuern täglich rund 400 Flüge und managen unerwartete Ereignisse – wie gesperrte Lufträume, Streiks, Krankheitsausfälle oder Wetterkapriolen.
SRF: Der Luftraum wird immer knapper. Wie viel Platz bleibt überhaupt noch?
Mark Ansems: Im Moment gibt es wirklich nur noch zwei Korridore zum Fliegen. Der eine führt durch den Saudischen Luftraum südlich von Irak/Iran. Und der andere führt im Norden über die Osttürkei, Aserbaidschan und Afghanistan. Da sind wir eingekesselt: im Norden vom Russischen Luftraum, den wir nicht benutzen dürfen, und im Süden von der Kriegszone. Dort wird es sehr eng. Viel Spielraum gibt es nicht mehr, bis eine stabile Operation Richtung Asien nicht mehr möglich ist.
Wann kommt der Punkt, an dem Sie in den Flugbetrieb eingreifen?
Sicherheit kommt immer an erster Stelle. Unsere Sicherheitsabteilung sammelt viele Informationen. Sobald wir zusammen mit dieser Abteilung und der Lufthansa Group zum Ergebnis kommen, dass ein sicherer Flugbetrieb nicht gewährleistet kann, greifen wir ein.
Zuerst versuchen wir, uns ein Lagebild zu verschaffen.
Was passiert nach diesem Entscheid?
Wir verschaffen uns im Operations Control Center ein erstes Bild, welche Flüge in der Luft überhaupt betroffen sind. Letzte Woche war zum Glück kein Flug betroffen.
Aber unsere Beurteilung kann dazu führen, dass wir die Anweisung geben, den Flug abzubrechen und wenn möglich zurück nach Zürich zu fliegen oder an einem anderen Flugplatz zu landen.
Wie funktioniert der Austausch mit der Besatzung in der Luft?
Unsere Flugzeuge verfügen über eine Art Telex-System, um Nachrichten hin- und herzuschicken. Und jedes Langstreckenflugzeug der Swiss ist mit einem Satellitentelefon ausgerüstet, von dem uns die Besatzung direkt anrufen kann und umgekehrt.
Was passierte als Erstes bei Ihnen, als der Krieg im Iran ausbrach?
Zuerst versuchten wir, uns ein Lagebild zu verschaffen: Was ist genau los und was bedeutet das für die Swiss? Letzte Woche, als Dubai mit in den Krieg einbezogen wurde, hatten wir beispielsweise noch Besatzung vor Ort.
Da war der wichtigste Punkt, wie wir unsere Leute und Passagiere in der Gegend in Sicherheit bringen. Dafür braucht es sehr schnell Lösungen, Ideen und einen Plan, wie wir weiter vorgehen.
Das Gespräch führte Sandra Schiess.