Andere schalten mit 65 einen Gang herunter – nicht aber Beat Schlatter. Mit dem Begriff Ruhestand kann der Schweizer Kabarettist wenig anfangen: «Ich weiss gar nicht recht, was das ist.»
Erst drei Jahre ist es her, dass Schlatter mit der Komödie «Bon Schuur Ticino» einen Kinohit landete. Mit über 400'000 Eintritten und einem Prix Walo als bester Film war es das erfolgreichste Werk des Schauspielers und Autors.
Und auch das nächste Projekt hat der 65-Jährige schon in petto: Gemeinsam mit Oliver Paulus hat er eine Religionskomödie geschrieben, die er gerne verfilmen würde.
Vom Innendekorateur zum Drehbuchautor
Wer Beat Schlatters Wirken verfolgt, weiss: Stillstand passt kaum zu jemandem, der sich sein Leben lang neu erfunden hat. Bevor der gelernte Innendekorateur ins Filmwesen eintauchte, spielte er als Schlagzeuger in mehreren Punkbands mit – darunter «Liliput» und «Sperma».
Ich habe einfach gerne Begegnungen mit Menschen.
«Meine Eltern stellten die erste Single aufs Stubenbuffet, aber immer wenn Besuch kam, räumten sie die Single weg. Ein Cover, auf dem Sperma› steht – das war ihnen peinlich», erinnert sich Schlatter.
Schlatter sucht das Unkonventionelle
Doch nicht nur als Musiker bewies Beat Schlatter sich auf der Bühne: Gemeinsam Patrick Frey und Enzo Esposito gründete er das Kabarett «Götterspass» und gewann 1992 damit den Salzburger Stier. In den folgenden Jahren versuchte sich der Zürcher als Schauspieler, Theaterproduzent und Showmaster. Die von ihm gegründete «Bingo-Show» ist bis heute legendär. Eine adaptierte Version davon läuft jeweils am letzten Sonntag des Monats bei Radio SRF 1.
«Ich suche immer nach Sachen, die andere Leute nicht machen», erklärt Schlatter. So versuche er, in der Kunst eine eigene Sprache zu finden. Bestes Beispiel sind die unkonventionellen Preise, die er sich für seine «Bingo-Show» jeweils ausdenkt.
Der aktuelle Gewinn sei eine Abrechnung mit einem unliebsamen Nachbarn oder Mitarbeitenden: «Wir schicken dieser Person dann ein riesiges Paket mit diesem grausigen weissen Füllmaterial nach Hause.»
Der Kabarettist will kein 0815-Rentner sein
Auch im neuen Lebensjahr bleibt Schlatter kreativ und offen für Neues. «Ich habe einfach gern Begegnungen mit Menschen», so Schlatter.
Sich zurücklehnen? Habe er mal versucht, indem er eine Woche ins Tessin verreist sei. «Dann habe ich drei Mal am Tag Hans Reitz vom Kassensturz getroffen, der mit der Einkaufstasche herumlief. Und das möchte ich dann doch auch nicht.»
Ein wenig macht sich das Alter aber doch bemerkbar: «Pro Senectute möchte plötzlich Interviews mit mir machen und von den Banken bekomme ich plötzlich Vorsorge-Einladungen.» Und seine Frau, die sage ihm jeweils, dass er den Fernseher nicht so laut laufen lassen solle.