In der 2. Klasse würden sich gemäss Petitionstext «Menschen wie in einer Sardinenbüchse dicht an dicht drängen, Sitzplätze sind Mangelware. Nur eine Glastüre weiter: gähnende Leere in der 1. Klasse» schreiben die Petitionäre. 12'500 Unterschriften hat der junge Verkehrs-Club Schweiz gesammelt.
Gegner sprechen von «Zweiklassengesellschaft»
Laut einer Erhebung des Instituts Demoscope ist eine Mehrheit der jungen Erwachsenen für die Abschaffung der 1. Klasse im öffentlichen Verkehr. Darauf weist der jungVCS in einer Mitteilung hin. Der öffentliche Verkehr sei ein Service Public und dürfe nicht nur jenen vorbehalten sein, die sich diesen «Luxus» leisten könnten. Die heutige Praxis schaffe eine «Zweiklassengesellschaft». Das widerspreche dem Grundgedanke von Solidarität sowie einer effizienten Nutzung öffentlicher Mittel.
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Zudem berufen sich die Petitionäre auf ein internes Dokument der SBB. Dieses soll zeigen, das «pro Nutzfläche in der 2. Klasse 1,7-mal mehr Erlöse generiert werden als in der 1. Klasse.»
ÖV-Organisationen widersprechen Quersubventionierung
Die ÖV-Branchenorganisation Alliance SwissPass widerspricht dieser Darstellung. Zwar koste ein 1.-Klass-Billett rund 70 Prozent mehr, eine Quersubventionierung durch Reisende der 2. Klasse sei jedoch nicht belegbar. Die tiefere Auslastung der 1. Klasse sei durch den höheren Preis gerechtfertigt, da Kundinnen und Kunden gezielt für mehr Komfort und eine höhere Wahrscheinlichkeit auf einen Sitzplatz bezahlen.
Die SBB wiederum teilen mit, dass sich zur Verteilung der Ticketverkäufe nach Klassen keine konkreten Aussagen machen liessen. Die veröffentlichten Verkaufszahlen würden nicht nach 1. und 2. Klasse aufgeschlüsselt.
Früher gab es drei Klassen
Das war auch mal anders. SBB-Züge hatten drei Klassen: die VIP-Klasse war die erste, die heutige erste Klasse war die zweite, die zweite Klasse war die dritte.
Die damalige erste Klasse – die VIP-Klasse – wurde vor 70 Jahren abgeschafft. «In den 50er-Jahren war die VIP-Klasse nur für 1,5 Prozent der Einnahmen verantwortlich», sagt Marc Ribeli von SBB Historic zu den Gründen für die Reduzierung auf zwei Klassen.
In der ersten Klasse hatte man vier Glühbirnen, in der zweiten nur zwei.
Extrem luxuriös sei die VIP-Klasse im Vergleich zu den anderen Klassen nicht gewesen. «Sie waren etwas grösser, man hatte mehr Beinfreiheit. Und: In der ersten Klasse hatte man vier Glühbirnen, in der zweiten nur zwei», sagt Ribeli. Die Unterschiede zur zweiten Klasse waren aber nicht so gross, weshalb man sich für deren Abschaffung entschied. «Zudem hat man sich eine Vereinfachung erhofft, einerseits im Betrieb, andererseits im Billetwesen.»