In der Übergangsphase zwischen Winter und Frühling machen sich Amphibien in der Schweiz auf zu einer gefährlichen Reise: Sie verlassen ihr Winterlager, um zu laichen. Aufgrund des Klimawandels rückt dieser Zeitpunkt tendenziell nach vorne – so auch dieses Jahr. Für die Tiere bedeutet das mehr Risiko.
«Dieses Jahr war die Amphibienwanderung früher als sonst», sagt Urs Tester von Pro Natura Baselland. «Es hat viel geregnet und war in der Nacht warm, das hat die Wanderung ausgelöst.»
Eis bedeutet Totalverlust
Amphibien orientieren sich eng an den Jahreszeiten und Temperaturen. Ist der Zeitpunkt gekommen, suchen sie ihre bevorzugten Gewässer auf, um zu laichen. Passiert das früh im Jahr, ist das Risiko für Frost höher. «Wenn die Gewässer gefrieren, dann stirbt der abgelegte Laich ab. Die Nachkommen dieses Jahres wären dann verloren», sagt der Biologe Urs Tester.
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Bild 1 von 5. Der Grasfrosch mag es eher kühl – doch Frost kann den gesamten Laich vernichten. Bildquelle: Keystone / Karl-Josef Hildenbrand.
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Bild 2 von 5. Grasfrösche laichen im Frühjahr in stehenden Gewässern. Bildquelle: Keystone / Walter Bieri.
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Bild 3 von 5. Die Frösche können in der Natur bis zu zehn Jahre alt werden. Bildquelle: Keystone / Michael Buholzer.
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Bild 4 von 5. Dieser junge Grasfrosch kann noch einiges wachsen. Die Amphibien werden bis zu 10 Zentimeter gross. Bildquelle: Keystone / Alessandro Della Bella.
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Bild 5 von 5. Amphibienzäune verhindern, dass die Frösche, Kröten und Molche auf der Strasse überfahren werden. Bildquelle: Keystone / Klaus-Dietmar Gabbert.
Es sei möglich, dass einzelne Arten auch von einer frühen Amphibienwanderung profitieren könnten. Beim von Tester untersuchten Grasfrosch sei jedoch das Gegenteil der Fall.
Verbreitung bis ins Hochgebirge
«Ich habe festgestellt, dass weniger Grasfrösche aufwachsen. Wahrscheinlich aufgrund der höheren Temperaturen», sagt Tester. Der genaue Grund sei noch nicht bekannt, ein Hinweis sei jedoch das Verbreitungsgebiet. «Der Grasfrosch kommt bis weit ins Hochgebirge auf bis zu 2700 Metern vor. Wenn man in den Süden von Europa geht, gibt es ihn sogar nur noch im Gebirge», sagt Tester.
Der Grasfrosch habe ein Problem mit zu hohen Temperaturen, die mit dem Klimawandel auch in den tieferen Lagen der Schweiz häufiger würden.
Je nach Höhenlage unterschiedliche Kalender
Das vertikal ausgeprägte Verbreitungsgebiet sorge auch für unterschiedliche Rhythmen bei den Fröschen. Je nach Höhenlage findet die Amphibienwanderung zu unterschiedlichen Zeiten statt.
«Bei uns in der Region Basel hat sie schon seit Längerem angefangen, ein paar hundert Meter weiter oben geht es gerade los», sagt Tester. Innerhalb der jeweiligen Gebiete sei die Zeit jedoch immer ähnlich.
«Rettungsaktionen auf Nebenstrassen wichtig»
In der Schweiz gibt es immer wieder Freiwilligenaktionen für Amphibienwanderungen. «Das ist vor allem auf Nebenstrassen wichtig. Wenn die Frösche, Kröten und Molche dort überfahren werden, dann kommen sie nicht zur Fortpflanzung. Mit der Zeit würde dieser Standort für die Amphibien erlöschen», sagt Tester.
In der Region Basel können durch den Einsatz von Freiwilligen laut Tester jedes Jahr tausende Amphibien gerettet werden.
Bei stark befahrenen Strassen brauche es hingegen fixe Massnahmen. Dazu gehören etwa das Anlegen von Zusatzgewässern oder Kleintierdurchlasse mit Leitwerken.
Amphibien sind am häufigsten auf der roten Liste.
Der Verkehr sei nicht das einzige Problem. «Amphibien sind auf drei verschiedene Lebensräume angewiesen. Zum Überwintern, um sich fortzupflanzen und im Sommer zum Fressen. Wenn einer fehlt, können sie nicht überleben», sagt Tester.
Neben dem Verlust des Lebensraums seien auch Pestizide ein Problem: «Die Amphibien gehören zu der Artengruppe, die am stärksten bedroht ist – sie sind am häufigsten auf der roten Liste.»
Laut Tester brauche es verbreitet Renaturierungsmassnahmen und generell mehr grossangelegte Feuchtgebiete, damit sich die Amphibien erholen können.