Zweimal ist eingetroffen, wovor sich Martin Suter (78) fürchtet: 2009 verlor er seinen dreijährigen Adoptivsohn Toni. Vor drei Jahren musste der Schriftsteller auch von seiner Frau Margrith Abschied nehmen.
«Meine grösste Angst ist der Tod von Menschen, die ich liebe. Das ist eine viel grössere Bedrohung als der eigene Tod», so Suter einst in einem Interview mit SRF. «Wenn man selbst stirbt, hat man sofort keine Sorgen um die anderen mehr.»
Die Zeit heilt nicht alles
Heute ist für Martin Suter klar: Die Zeit heilt keine Wunden. «Die Zeit hilft, einem beizubringen, mit den Wunden des Verlusts zu leben.»
Ich denke am Tag zwanzig Mal an Margrith.
Seinen Sohn Toni habe er nur drei Jahre gekannt, mit Margrith sei er fast 50 Jahre zusammen gewesen. «Ich denke am Tag zwanzig Mal an Margrith.» An Toni denke er vielleicht zwei Mal täglich. Etwas häufiger, wenn sein Handy Erinnerungsfotos von seinem Sohn aufscheinen lasse.
Martin Suter: «In meinem Denken ist sie noch da»
«Nach dem Tod von Margrith hatte ich auch totale Glücksmomente», sagt Suter. Dafür habe er sich damals geniert.
Heute betrachte er diese Momente als Teil des Lebens, nicht als Widerspruch zur Trauer. «Man kann traurig sein, ohne sich das selbst immer zu zeigen, geschweige denn den anderen.»
Wenn man so lange zusammen war, ist der Unterschied zwischen du und ich nicht mehr gross.
Der Verlust bleibe allgegenwärtig. «In meinem Denken ist Margrith immer noch da.» Dies sei etwa auch beim Schreiben der Fall. Denn: «Sie war immer meine erste Leserin und eine gute Kritikerin.»
Suter wisse beim Schreiben genau, was Margrith doof finden würde: «Wenn man so lange zusammen war, ist der Unterschied zwischen du und ich nicht mehr gross.»
Demut wichtiger als Kraft
Nach dem Tod von Margrith und Toni hätten ihm die Leute jeweils viel Kraft gewünscht. Er wisse, wie das gemeint gewesen sei, aber so funktioniere es nicht. «Besser wäre es, jemandem viel Demut zu wünschen.»
Demut sei etwas Wichtiges, das man pflegen sollte. Überheblichkeit findet Suter ganz schlimm: «Dass man sich für etwas Besseres hält, ist eine ekelhafte Eigenschaft.»
Das Leben geht weiter
Trotz des Verlusts seiner Liebsten bleibt der 78-jährige Martin Suter aktiv. Er schreibt, trifft Menschen und hat den Kopf voller neuer Ideen.
Bald erscheint ein neues Buch und mit seinem langjährigen Freund Stephan Eicher arbeitet Suter an einem zweiten «Song Book». Danach haben die beiden Pläne für eine Oper.
Martin Suters Leben geht also weiter – in Demut und voller Tatendrang.