Martin Bütikofer ist der fünfte Direktor in der 67-jährigen Geschichte des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern. 16 Jahre lang hat er das bestbesuchte Museum der Schweiz geleitet. Ende Februar geht er in Pension.
Martin Bütikofer hat das Museum durch die Corona-Zeit geführt und mehrere Umbauten verantwortet. Unter seiner Leitung hat das Verkehrshaus bei seinen Besucherzahlen mehrmals die Millionenmarke geknackt. Ein Gespräch über sein Erfolgsrezept, aber auch über die Kritik, dass mittlerweile praktisch jeder Quadratmeter des Museums gesponsert wird.
SRF News: Fällt es Ihnen leicht, die Leitung des Museums nach 16 Jahren abzugeben?
Martin Bütikofer: Es war eine wunderbare Aufgabe und ich bin stolz, dass ich das Haus leiten durfte. Ich gebe gerne zu, dass ich letzthin eine Träne im Auge hatte, als ich beim Warten auf die S-Bahn das Verkehrshaus im schönsten Abendlicht betrachtete.
Was waren die grössten Veränderungen in den 16 Jahren, in denen Sie das Verkehrshaus geleitet haben?
Aus Sicht der Besuchenden ist das Verkehrshaus heute viel dynamischer. Wir zeigen nicht mehr nur Objekte, sondern rücken Themen in Events und Sonderschauen auf besondere Weise ins Zentrum. Aus Sicht des Managers bin ich froh, dass das Verkehrshaus heute auf einer solideren finanziellen Basis steht. Bei meinem Antritt waren die Eintritte rückläufig und das Haus hatte Schulden. Hier haben wir den Turnaround geschafft.
Sie haben es erwähnt: Es reicht heutzutage nicht mehr, «nur» historische Autos, Lokomotiven und Flugzeuge zu präsentieren. Was ist das Erfolgsrezept des Verkehrshauses?
Unsere Sammlung umfasst rund 13'000 Objekte und ist nach wie vor der Kern des Museums. Aber es genügt nicht mehr, Dinge nur auszustellen. Wir orientieren uns am «Spielend-Lernen». Dass also Wissen spielerisch und interaktiv vermittelt wird. Das macht das Verkehrshaus auch für Schulklassen als ausserschulischer Lernort interessant.
Sie wollten die jährlichen Eintritte auf eine Million erhöhen – und haben das erreicht. Weshalb war Ihnen diese Zahl wichtig?
Diese Marke sollte zeigen, dass das Verkehrshaus gesellschaftlich relevante Themen bespielt. Kommt dazu: Das Haus ist gross, wir haben hohe Fixkosten. Wenn ich – bildlich gesprochen – am Morgen den Stromschalter betätige, flattert uns am Abend eine Stromrechnung von über etwa 4000 Franken ins Haus. Aber: Unser Eigenfinanzierungsgrad beträgt 85 Prozent, weltweit gibt es nur wenige Kulturinstitutionen, die das schaffen.
Das Verkehrshaus hat rund 200 Partnerfirmen an Bord geholt. Warum?
Diese Firmen unterstützen uns mit Geld oder mit neuen Objekten, etwa einem innovativen Triebwerk. Das ist für das Publikum interessant, und die jeweilige Firma kann sich damit als Arbeitgeberin präsentieren. Dank dieser innovativen Firmen wird das Verkehrshaus mit modernen Inhalten beliefert. So können wir uns als Innovationsplattform positionieren.
Bei der Sonderausstellung zur chinesischen Raumfahrt gab es Kritik: Das Verkehrshaus biete einem autoritären Regime eine Plattform.
Wir haben aus meiner Sicht die Aufgabe, als neutrale Plattform Brücken zu bauen. Bei ingenieurtechnischen Aspekten sollte die politische Dimension nicht im Vordergrund stehen. Schon Gründungsdirektor Alfred Waldis hat die Sowjetunion und die USA im Verkehrshaus thematisch zusammengebracht.
Das Gespräch führte Miriam Eisner.