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Multifunktionswurzel Was im Ingwer steckt, geht weit über den Gaumengenuss hinaus

Von Smoothies, über Suppen, Curries bis zu Kaugummi – Ingwer wird vielseitig verwendet und wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gekürt. Vor allem in der Küche ist Ingwer kaum noch wegzudenken. Aber auch als Hausmittel ist die Knolle beliebt. Bereits im Mittelalter war Ingwer der Renner: Es hiess, dass die Wurzel die Manneskraft stärkt. Fünf Fakten zur Superknolle.

1. Ein Turbo für die Verdauung und wirksam bei Übelkeit

Besonders in der traditionellen chinesischen und indischen Medizin wird Ingwer seit fast 6000 Jahren für seine heilenden Kräfte geschätzt. Ingwer wirkt verdauungsfördernd, weil er die Magensaftproduktion anregt. Das helfe unter anderem bei fettigen Speisen, sagt Sonja Vilei vom Kompetenzzentrum für Ernährung im deutschen Kulmbach.  

Die Wirkung gegen Übelkeit sei am besten erforscht. Das gelte für Reisekrankheit, aber auch zur Linderung von Übelkeit als Begleiterscheinung einer Chemotherapie. «Hier wird Ingwer sogar in den medizinischen Leitlinien erwähnt», sagt Vilei. Vorsicht geboten ist bei Übelkeit in der Schwangerschaft. Da sollte man Ingwer nur in Massen und als Tee konsumieren.

Die Arzneipflanze des Jahres

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Die Arzneipflanze des Jahres wird seit 1999 vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde gekürt, einem interdisziplinären Gremium von Wissenschaftlern der Universität Würzburg.

  • 2026: Ingwer
  • 2025: Gemeine Schafgarbe
  • 2024: Blutwurz
  • 2023: Echter Salbei
  • 2022: Mönchspfeffer
  • 2021: Myrrhenbaum
  • 2020: Echter Lavendel

2. Wärme von innen gegen Erkältungen

Dank seiner anregenden und wärmenden Wirkung gilt Ingwer als beliebtes Mittel bei beginnenden Erkältungen. Die enthaltenen Scharfstoffe und ätherischen Öle fördern die Durchblutung. Diese Eigenschaft machen sich auch viele Opernsänger zunutze: Ein warmer Ingwertee vor dem Auftritt wärmt die Stimme auf und gilt als «Tee der Sänger».

Vorsicht ist jedoch bei hohem Fieber geboten: Die wärmende Eigenschaft der Wurzel kann die Körpertemperatur zusätzlich ansteigen lassen und das sollte vermieden werden.

Wie viel Ingwer ist gesund?

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Es gibt laut der Ernährungsfachfrau Sonja Vilei eine empfohlene Ingwermenge pro Tag und erwachsene Person. Wer Ingwer gut verträgt, kann 50 Gramm frischen Ingwer oder 5 Gramm getrockneten Ingwer zu sich nehmen.

3. Neutralisator für den Gaumen

Auch in der Küche beweist Ingwer seine Vielseitigkeit. Beim Sushi-Essen wird eingelegter Ingwer gereicht, um den intensiven Geschmack der verschiedenen Fischsorten zwischen den Bissen zu neutralisieren und den Gaumen auf das nächste Geschmackserlebnis vorzubereiten.

Schwarzer Teller mit verschiedenen Sushi-Rollen und eingelegtem Ingwer.
Legende: Beliebte Begleitung: Ingwer gehört auf jede Sushi-Platte. IMAGO / Zoonar

4. Ingwer als Aphrodisiakum?

Historisch wurde der Knolle sogar eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt. Die durchblutungsfördernde Wirkung ist bekannt, sagt Sonja Vilei. «Ich halte die Wirkung aber für relativ gering», so die Ernährungsfachfrau. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege für eine direkte potenzsteigernde Wirkung beim Menschen.

Ingwer ist gesund, aber kein Wundermittel, so die Ernährungsexpertin. Man könne auch gesund leben, ohne je Ingwer gegessen zu haben. Entscheidend für die Gesundheit ist eine abwechslungsreiche Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf.

5. Von den Tropen und Subtropen in die Schweiz

Die Importe von Ingwer haben sich seit 2011 verdreifacht, heisst es beim Bundesamt für Statistik. Ingwer kommt von weither meist aus China. Doch die Superknolle gedeiht auch in der Schweiz. Bio-Bauer Stephan Müller zählt zu den Pionieren. Auf seinem Betrieb in Steinmaur ZH wächst der Ingwer in ungeheizten Gewächshäusern.

Bis zur ersten grossen Ernte musste Stephan Müller sieben Jahre lang tüfteln. Heute ist der Ingwer aus seinem Familienbetrieb auch bei Grossverteilern erhältlich.

Radio SRF 1, 14.1.2026, 05:43 Uhr ; 

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