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Sollen Deutsche in der Schweiz Mundart lernen?
Aus Dini Mundart vom 18.08.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 53 Sekunden.
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Deutsche in der Schweiz «Jeder und jede kann Schweizerdeutsch lernen!»

Ein Deutscher will sich in der Schweiz integrieren – und lernt Mundart. Eine Erfolgsgeschichte.

Aufgewachsen ist Niko in München. Vor zehn Jahren kam er für sein Maschinenbau-Studium nach Zürich. Schweizerdeutsch war da noch gar kein grosses Thema. Sein Umfeld war international – oft wurde Englisch gesprochen.

Mit der Zeit lernte er Schweizerdeutsch mehr oder weniger zu verstehen. Allerdings hatte er das Gefühl, dass man in der Deutschschweiz nur dann so richtig dazugehört, wenn man Schweizerdeutsch spricht.

Mann auf einem Berg.
Legende: Niko lebt seit 10 Jahren in der Schweiz und spricht mittlerweile Schweizerdeutsch. zVg

Schweizerdeutsch kommt besser an

Wenn man Hochdeutsch spreche, sei man immer gleich «der Deutsche» oder «der Andere».

Das zeige sich zum Beispiel, wenn man an etwas Kritik übe: «Formuliere ich es auf Schweizerdeutsch, wird es besser aufgenommen, als wenn ich es auf Hochdeutsch sage.» Man wirke dann nicht wie ein nörgelnder Tourist, sondern wie ein Einheimischer, der sich berechtigterweise beschwert.

Lange nicht getraut

Dennoch wagte er es lange nicht, sich in Schweizerdeutsch zu versuchen: «Ich habe mich hemmen lassen; konnte es ja anfangs auch nicht gut und hatte Angst vor negativen Rückmeldungen.»

Formuliere ich es auf Schweizerdeutsch, wird es besser aufgenommen.
Autor: Niko aus Deutschland

Erst nach fünf Jahren in der Schweiz, als er von Zürich nach Luzern zog, versuchte Niko, Schweizerdeutsch zu sprechen: «Dort hatte ich ein weniger internationales Umfeld und deshalb hörte ich auch deutlich mehr Schweizerdeutsch. Da fing ich an, das Gehörte zu reproduzieren.»

Durchbruch in Luzern

Sein Luzerner Umfeld habe ihn sehr in seinen Versuchen bestärkt: «Sie fanden es lustig, aber auf eine positive Art.»

Das ist nicht selbstverständlich. Manche Deutschschweizerinnen finden, Deutsche sollten nicht Schweizerdeutsch zu reden versuchen – das töne schrecklich.

Unterstützung durch Schweizerinnen

Solche Vorbehalte kann Niko nicht verstehen: «Wie soll ich Schweizerdeutsch lernen, wenn ich es nicht praktizieren kann? Ich fände es viel beschämender, wenn ich nach zehn Jahren in der Schweiz immer noch Mühe hätte, die Sprache zu verstehen.»

Sie fanden es lustig, aber auf eine positive Art.
Autor: Niko aus Deutschland

Toleranz und Bestärkung sind aus seiner Sicht essenziell, wenn man als Deutscher Schweizerdeutsch lernen will.

Es braucht Geduld

Geholfen habe ihm auch seine Erfahrung mit bayerischen Dialekten in der Familie. Dadurch war er bereits vor seinem Umzug in die Schweiz mit verschiedenen Arten von Deutsch vertraut.

Dennoch ist Niko überzeugt: «Jeder und jede kann Schweizerdeutsch lernen! Es braucht einfach Geduld.» Am besten solle man Schritt für Schritt nehmen, «auch wenn es den anderen am Anfang wehtut in den Ohren», fügt der 29-Jährige lachend hinzu.

Fehler akzeptieren und korrigieren

Wichtig sei auch eine entspannte Herangehensweise: «Man muss akzeptieren, dass man viele Fehler macht.» Kürzlich habe er «tuuche» gesagt statt «tauche». Denn das hochdeutsche «au» sei oft ein «uu» wie in «tauschen – tuusche», aber eben nicht immer.

Man muss akzeptieren, dass man viele Fehler macht.
Autor: Niko aus Deutschland

Solche Fehler seien auch nicht schlimm, findet Niko. Er bitte sein Umfeld sogar explizit, ihn zu korrigieren. So lerne er dazu. Einen Schweizerdeutsch-Kurs hat er nie besucht.

Perfektion ist nicht das Ziel

Auch heute noch hört man Niko seinen deutschen Akzent an – auch grammatikalisch ist nicht alles perfekt.

Aber das sei gar nicht sein Ziel, sagt Niko: «Ich bin immerhin an dem Punkt angelangt, dass mein Gegenüber fünf Minuten lang überlegen muss, woher ich komme.» Und mit diesem Niveau sei er eigentlich ganz zufrieden. Auch wenn er weiterhin daran arbeitet, noch besser Schweizerdeutsch zu sprechen.

Warum sollen Deutsche Mundart lernen – oder eben nicht? Diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte!

«Dini Mundart», Freitag, 19.8.2022, 9:40 Uhr

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Robin Meier  (MeiRo)
    Ich kenn einige Deutsche, die beim Hochdeutsch geblieben sind, was ok ist.
    Ich finde es jedoch toll, dass Niko sich die Mühe gemacht hat und schweizerdeutsch gelernt hat. Lobenswert, auch wenn nicht jedes Wort perfekt sitzt.
  • Kommentar von Daniel Häberlin  (Svensk)
    Wenn immer von "Schweizerdeutsch" die Rede ist, frage ich mich: Welchen Dialekt meint man denn damit? Es hiess doch schon in einer der ersten Sendungen von "Dini Mundart", dass es DAS Schweizerdeutsch gar nicht gibt. Genau da liegt das Problem: Wenn jeder mit "Schweizerdeutsch" etwas Anderes meint, wie soll man es denn lernen können? Übrigens: Als Dialektsprecher kann man genauso abgestempelt werden wie wenn man Hochdeutsch spricht. Dann ist man halt einfach "der Zürcher/Basler/Berner/usw.".
  • Kommentar von Jürg Freiburghaus  (Fribi55)
    Vielen herzlichen Dank für das Nichtpublizerens meines Kommentares von gestern
    1. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Wieso? Ihr Kommentar wurde ja veröffentlicht. Manchmal braucht es eben etwas Geduld, bis die Kommentare gesichtet und freigeschaltet werden. Gerade bei Artikeln zur Sendung "Dini Mundart" dauert das häufig etwas länger (fragen Sie mich nicht, warum).