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Legende: Audio Frauen und die 50 – was nun? abspielen. Laufzeit 51:08 Minuten.
Aus Doppelpunkt vom 05.03.2019.
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Clinch mit den Rollenbildern Nicht alt, nicht jung: Wo steht die Frau um 50?

Mit 50 ist das Leben als Frau vorbei, so das Klischee. Da ist aber auch die Sinnfrage: Lebe ich das richtige Leben?

Andrea ist 55 Jahre alt, geschieden, zweifache Mutter und Grossmutter. Sie ist peppig, hat kein graues Haar und eine ansteckende Fröhlichkeit. Unsichtbar fühlt sie sich überhaupt nicht. Was ihr aber auffällt ist, dass es Frauen gibt, die sich ab 50 in ihren Kleidern verstecken.

Mir fallen Frauen über 50 auf, die wallende Gewänder und breite Schuhe tragen.
Autor: Andrea55, geschieden

Für sie ist klar, jede soll tragen, was ihr beliebt. Für Andrea war der 50 Geburtstag nichts Besonderes. Sie stellte mit 42 ihr Leben in Frage. «Ich verliebte mich und merkte, dass es so nicht mehr weitergeht.» Sie war seit 20 Jahren mit ihrem Mann zusammen. Ein paar Jahre vorher starb ihre Mutter, den Vater verlor sie mit 18. «Der Verlust der Mutter war einschneidend», sagt sie rückblickend. Noch vor 50 startete sie beruflich und privat nochmals durch. Heute ist sie selbständige Therapeutin und glücklich.

Das Leben nach 50 wird immer besser.
Autor: Andrea55, geschieden

Klischee: Frauen um die 50 sind graue Mäuse und vertrocknen

«Frauen mit 50 sind ganz schön saftig», sagt die 59-jährige Hebamme Ursula Zeindler, die auch Wechseljahrkurse gibt. Ach ja, die lieben Hormone. Ein weiteres Klischee? Hier geht es aber nicht nur um Hormone. Die Natur ist fair. Männer kommen in die Andropause, die männlichen Wechseljahre.

Männer um die 50 bekommen alle ein bisschen Brüste.
Autor: Ursula ZeindlerHebamme und Leiterin von Wechseljahrkursen

Dafür kämpfen Frauen mit einem leichten Oberlippenbart. Das sind die Hormone. Frauen um die 50 werden aber nicht zu unberechenbaren Hormonbomben. Auch das ein gängiges Klischee. «Eine Wallung putzt das Immunsystem durch», sagt Zeindler. Sie empfiehlt, dass Frauen sich genug Zeit für sich selbst nehmen, wenn die Hormone nicht im Lot sind. Zum Beispiel eine halbe Stunde früher aufstehen, damit man wirklich Zeit für sich hat.

Und wieder die Sinnfrage

«Die Sinnfrage stellt sich genau in dieser Zeit», sagt die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello. Was will ich noch erreichen? Lebe ich das Leben, das ich die nächsten 30 oder 40 Jahre führen will? Ist der Partner der richtige? Der Blick zurück, im Hier und Jetzt bilanzieren, ob das was ich mache sinnstiftend ist, auch für die Zukunft. Wer das unter einen Hut bringt, der kommt gut über diese Zeit.

Alternde Frauen werden über ihr Aussehen taxiert.
Autor: Pasqualina Perrig-ChielloEntwicklungspsycholgoin

Anders bei den Männern, diese werden über ihren sozialen Status definiert. Frauen um die 50 heute gehen gelassen damit um, sie sind besser ausgebildet, sie haben mehr Möglichkeiten, sie haben die finanziellen Mittel, sie sind unabhängig und selbstbewusst.

Noch ein Klischee: Frauen nach 50 haben keine Figur mehr

Ulrike Ehlert, Professorin für Psychologie an der Universität Zürich, untersucht im Rahmen des Forschungsprojektes «Fokus Lebensmitte» die Gesundheit von Frauen um das 40. Lebensjahr. Jede fünfte Frau, die an der Studie teilgenommen hat, treibt regelmässig Sport und ernährt sich gesund. «Die Frauen legen sehr viel Wert auf Fitness und Ernährung», sagt Ehlert. Auf diese Weise versuchen sie attraktiv zu bleiben. Ein Bodymassindex von 23 bei Frauen über 40 ist sehr gut, so die Studienleiterin.

Sexuell zufrieden ist, wer in der Partnerschaft zufrieden ist und über einen guten Selbstwert verfügt.
Autor: Ulrike EhlertStudienleiterin Frauengesundheit 40+

Bei der bisherigen Auswertung der Daten am meisten erstaunt hat das Team um Ehlert, dass die sexuelle Zufriedenheit der Frauen unabhängig von den Hormonen ist. Die partnerschaftliche Zufriedenheit und der Selbstwert der Frauen seien entscheidend, sowohl für die Menopause als auch für das Sexualleben, so die Studie. Eine Frau mit 50 muss sich also nicht mehr in die Jeans oder den Blazer in Grösse XS ihrer Tochter quetschen. Die ganzen Äusserlichkeiten um jeden Preis sind nicht verantwortlich für eine gute Sexualität nach 50 oder eine möglichst beschwerdefreie Menopause.

SRF 1, Doppelpunkt, Sonntag 15 Uhr; Dienstag 20 Uhr

18 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Die Frau mit 50 steht chancenlos da, wenn es um die Jobsuche geht. Traurig, aber wahr.. Eine Volksinitiative gegen Frauen-über-50-Diskriminierung drängt sich auf.
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Wesentlich nachhalitger ist, dass Frauen wie Männer bestimmen, was Arbeiten ist, wer Mehrwehrt in einer Gesellschaft produziert? Wer, was, wie produzieren will. Und dann bräuchte es das Salaire à vie à la qualification, wie Bernard Friot es propagiert. Denn eigentlich sind alle, die nicht mehr im Dienste des Kapitals schaffen, endlich frei von derer Erpressung. Je älter umso freier. Doch zur Zeit, wird den Leuten vorgemacht, weil sie dem Kapital nicht mehr zudienen, seien sie nichts mehr wert.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    2. Frau Ursua Zeindler... Er ist zwar gestorben, der "Hormon-Papst.....aber seine Forschung ist immer noch massgebend... Lauritzen ist und war mein Vorbild... und alles was nach ihm kam war nichts Neues sondern event etwas verfeinert.. und das wissen Aerzte sehr wohl. Auch Sie koennten das wissen... !
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Bemerkenswert, wie viele Männer bei Frauenthemen sich zu Wort melden. Zudem ist die Verbitterung mancher Männer gegenüber den Frauen, ob gerechtfertig oder nicht, immer wieder sehr präsent. Dass Männer, die Verlierer sind ist dann deren bittere' Bilanz. Eigenartig, wo wir doch immer noch in patriarchalen Strukturen leben. Wäre doch ein Grund mehr für Männer sich auch von diesem unseligen 'System' zu verabschieden. Denn auch diesen bekommt es gar nicht.....
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    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Ja Frau Kunz da gibt es Tatsaechlich Maenner die was von Frauen verstehen.. wenigstens von biologischen natuerlichen Ablaeufen, die uebrigens auch den Maennern die Selbstsicherheit nehmen und das aelter werden massiv erschweren.. zB Versagerangst im Bett...Dabei, wir sind von der Natur nicht fuer ewig konstruiert, wir altern und die "Spannkraft" der Jugend ist halt nur fuer etwa bis 40 angelegt, dann fehlen mehr und mehr "Zutaten".. eben Hormone.. kann man uebrigens Googeln...
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    2. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Dabei, es gibt viel Unterstuetzung aus der Natur, die das Leben wieder etwas lebenswert machen.. Frau kann darueber mit dem Gynaekologen reden, Mann mit dem Urologen oder beide mit einem Endokrinologen.. Im endokrinen System liegt der beruehmte "Haase" im Pfeffer.. Immerhin ich habe mit meiner Ersten 51 Jahre geschafft und haette gerne noch mal 51 angehaengt... Homondefizite haben wir ausgeglichen ... meine Frau war schoen und gluschtig bis zu ihrem Tod..
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