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Radio SRF 1 Emotionale Diskussion: Gibt es ein Recht auf ein gesundes Kind?

Persönliche Geschichten prägen die «Forum»-Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik. Wie weit darf die Medizin gehen? Im Studio diskutierten Experten und Betroffene über die emotionale Abstimmungsvorlage.

Legende: Audio Präimplantationsdiagnostik: Wie weit darf die Medizin gehen? abspielen. Laufzeit 53:07 Minuten.
53:07 min, aus Forum vom 21.05.2015.

Heute ist es verboten, einen künstlich gezeugten Embryo im Labor auf Krankheiten zu untersuchen. Entsprechende Tests sind erst möglich, nachdem der Embryo in die Gebärmutter eingesetzt wurde. Die Vorlage zur Präimplantationsdiagnostik (PID) will dies ändern. Gegner und Befürworter der Präimplantationsdiagnostik diskutierten im «Forum».

Barbara Camenzind ist Geschäftsführerin Insieme Cerebral Zug und selber Mutter eines Buben mit Down-Syndrom. Sie ist gegen eine Lockerung des Gesetzes, lehnt die Vorlage also ab. Dass somit mit einem Chromosomenscreening nach Trisomie 21 gesucht und aussortiert würde, mache ihr Angst. Man dürfe nicht entscheiden, welches Leben lebenswert sei und welches nicht.

Gleicher Meinung ist auch Susanne Lippmann-Rieder. Als Mitbegründerin des Ärztekomitees «Nein zur PID» setzt sich die Fachärztin für Psychiatrie gegen die Vorlage ein.

Kritische Stimmen wurden auch in der Hörerdiskussion geäussert: Hugo Wagner aus Rheineck (SG) hatte selber ein schwerstbehindertes Pflegekind: «Jedes Kind hat Recht auf Leben. Natürlich wollen wir alle gesunde Kinder haben, aber auch ein behindertes Kind kann einem seine Liebe zeigen, kann glücklich sein, kann lachen», schreibt er.

Schlagzeile: «100'000 Franken für ein Kind»

Weil die Präimplantationsdiagnostik in der Schweiz nicht möglich ist, hat Doris Egli die Untersuchungen im Ausland gemacht. Die Mutter eines Buben mit Cystischer Fibrose wollte bei ihrem dritten Kind Sicherheit: 100'000 Franken hat sie diese Sicherheit gekostet. Lieber hätte sie die Untersuchungen in der Schweiz gemacht. «Wer zu In-Vitro-Befruchtung gezwungen ist, sollte auch die Möglichkeit haben, gewisse Erbkrankheiten auszuschliessen.»

Diese fehlende Möglichkeit für Paare, die auf künstliche Befruchtung angewiesen sind, sorgt auch bei den Hörerinnen und Hörern für Diskussionen: «Tests, ob ein Embryo eine Behinderung hat oder nicht, können heute schon bei Schwangeren durchgeführt werden. Diese Tests wären einfach VOR der Implantierung möglich», wünscht sich Ivo Balliana aus Bern. «Was ist mit den Paaren die auf natürliche Weise unmöglich ein Kind bekommen? Dies ist leider unsere Zukunft. Genau diesen Paaren legt man noch mehr Steine in den sonst schon nicht einfachen Weg», schreibt Regula Müller aus Zürich.

Für eine Lockerung des Gesetztes setzt sich auch Christian De Geyter ein. Er ist
Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Chefarzt der Frauenklinik am Universitätsspital Basel. Das Gesetz über die Fortpflanzungsmedizin sei 15 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäss, sagt er.

Vorlage zur Präimplantationsdiagnostik

Jedes Jahr lassen sich in der Schweiz rund 6000 Frauen künstlich befruchten. Heute ist es verboten, einen künstlich gezeugten Embryo im Labor auf Krankheiten zu untersuchen. Entsprechende Tests sind erst möglich, nachdem der Embryo in die Gebärmutter eingesetzt wurde.

Die Vorlage zur Präimplantationsdiagnostik (PID) will dies ändern. Die PID ist in fast allen europäischen Ländern erlaubt und soll künftig auch in der Schweiz möglich sein. So könnten Embryos mit einem genetischen Fehler frühzeitig aussortiert und «Schwangerschaften auf Probe» verhindert werden. Das Parlament hat einem entsprechenden Verfassungsartikel bereits zugestimmt. Am 14. Juni stimmt das Volk über die Vorlage ab.

58 Kommentare

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  • Kommentar von Guschti, Zürich
    Wir haben die Pränataldiagnostik (auch die Invasiven Methoden wie den Fruchtwassertest) bereits gutgeheissen. Die moralische Frage, ob man nun ein geistig oder körperlich behindertes Kind abtreiben oder den Embryo gar nicht erst eingepflanzt bekommen möchte, muss jedes Paar schon beantworten, bevor man die Tests überhaupt durchführt. Insofern ist es eine Eigenverantwortung. Generell verbieten sollte man nur aus "Naturentfremdung" (die heute sowieso schon omnipräsent ist) nichts...
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  • Kommentar von Walter Häcki, 6390 Engelberg
    Eltern und Kinder mit Erbkrankheiten haben viele Chancen die BR Berset völlig unterschlägt: 1.Gerade in der Behandlung von Patienten mit Erbkrankheiten macht die Medizin auch riesige Fortschritte, davon spricht niemand 2. Ohne genetische Fehler, wäre die heutige Natur und die Menschheit nicht so weit. 3. Menschen mit Chorea Huntington haben eine bessere Auffassungsgabe als Normale. Hier muss man doch ansetzen und nicht mit teurer PID Leben vernichten.
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  • Kommentar von Lilian, bremgarten
    Ich kann Ihnen aus Erfahrung sagen: Adoption ist in der Schweiz kaum mehr möglich, nur wenige Paare erhalten wirklich ein Kind. Bei PID im Ausland ist es so: Einige können sich das leisten, viele können das nicht. Wer sind Sie, dass Sie glauben urteilen zu dürfen, wer diesen Weg gehen kann und wer nicht? Wie können Sie als Ärztin verlangen, dass Paare solches Leid zugemutet wird?
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