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«Forum» – die ganze Sendung zum Nachhören
Aus Forum vom 17.10.2019.
abspielen. Laufzeit 55:05 Minuten.
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Hasskommentare Wie viel Anstand muss im Internet sein?

Politikerinnen und Politiker, aber auch andere Personen des öffentlichen Lebens, werden im Internet beschimpft. Man wünscht ihnen wahlweise den Tod oder eine Vergewaltigung. Woher kommt dieser Hass? Die Diskussion in der Sendung «Forum».

Hass verbreitet sich im Netz schnell

Social Media, auch «soziale Medien» genannt, können alles andere als sozial sein. Hier können Diskussionen entgleiten. Hier fallen Beschimpfungen und Unterstellungen. Hier sagt man schnell mal Dinge, die man sich von Angesicht zu Angesicht kaum an den Kopf werfen würde. Sehr emotionale Kommentare – Wut und Hass gehören dazu – werden oft gelikt und kommentiert. So werden sie dank des Algorithmus' von Plattformen wie Facebook oder Twitter von noch mehr Personen gesehen, gelikt und kommentiert. Hass verbreitet sich schnell im Netz.

Digital-Expertin Ingrid Brodnig: Es gibt zwei Arten «Hasser»

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Wer sind die «Hasser» und «Hasserinnen im Netz? Die österreichische Digitalexpertin Ingrid Brodnig unterteilt Hasskommentarschreiber in zwei Gruppen:

  • Die Glaubenskrieger: Sie sind zu 100 Prozent von ihrer Weltsicht überzeugt. Sie glauben, dass die Welt bedroht ist. Sei es von Flüchtlingen, von Feministinnen. Unter dem Eindruck dieser Bedrohung ist es okay gegen Andersdenkende mit harten Worten vorzugehen. Die politische Überzeugung ist der Treiber ihrer Aggression im Netz.
  • Die Trolle: Sie sind in der Regel unpolitisch und schreiben einzig und alleine einen provokativen Kommentar um andere Leute aufzuregen. Sie freuen sich, wenn sie Kommentarschreiber manipulieren und zu Wut oder Trauer genötigt haben.

Ingrid Brodnig ist unter anderem Autorin des Buches «Hass im Netz»

Was ist Meinungsfreiheit, was nur noch Hass?

Medienanwalt Martin Steiger beschäftigt sich in seinem beruflichen Alltag oft mit Fragen rund um die Grenzen der Meinungsfreiheit. Er sagt: «Dem Menschenrecht der Meinungsäusserungsfreiheit werden jene Grenzen gesetzt, die wir gesellschaftlich aushandeln, politisch verankern und vor Gericht im Einzelfall anwenden.» Und fügt an: «Es gibt kein Menschenrecht auf Menschenrechtsverletzung.»

Demokratie kann in Schieflage geraten

Jolanda Spiess-Hegglin gründete vor drei Jahren den gemeinnützigen Verein NetzCourage, der «Anstand zurück ins Netz bringen» will. Mittels persönlicher Gespräche, aber auch Anzeigen gegen Rüpelkommentare. Oft erfolgreich. «Ganz wichtig wäre, dass wir Internethass als Gewaltakt anerkennen», sagt sie. Nur dann könne man das Thema angemessen aufarbeiten.

Muss der Staat eingreifen?

Probiere man übers Netz Menschen mundtot zu machen, gerate die Demokratie in Schieflage, sagt NetzCourage-Gründerin Spiess-Hegglin weiter. «Deshalb sollte sich eigentlich auch der Staat um diese Fragestellungen kümmern.» Nein, findet Medienanwalt Martin Steiger, es brauche keine neuen Gesetze. Aber die bestehenden rechtlichen Mittel müssten besser ausgeschöpft werden.

  • Jolanda Spiess-Hegglin, Geschäftsführerin NetzCourage
  • Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum
  • Patrick Jean, Stadtpolizei Zürich, erster Online Community Polizist der Schweiz.

Hier geht es zur Online-Diskussion. Einzelne Meinungen sind in die Live-Diskussion eingeflossen.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Brand  (tomcomm)
    Langfristig sind hergestellte Falschmeldungen schädlicher und nahchaltiger als Hasskommentare.

    M.m.n. ist die Grenze mit den geltenden Gesetzen zu regeln. Alles was straffrei gesagt werden kann soll auch im Netz veröffentlicht werden können.

    Kürzlich wurde ein Kommentar unterbunden, es ist schwer zu sagen warum, da keine Rückmeldung vorgesehen ist, aber ich tippe auf die Redewendung "xxyy geht mir auf den Sack". Also das fand ich schon zimperlich.
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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Es ist auffallend, dass Hasskommentare gegenr Rechtsbürgerliche Politiker, vor allem gegen Trump, Blocher und die SVP, AfD etc. locker im Forum veröffentlicht werden, hingegen negative Kommentare gegen linke Politiker möglichst nicht veröffentlicht werden, aus Gründen der so genannten Netiquette. Hier lässt das Demokratieverständnis sehr zu wünschen übrig.
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    1. Antwort von Radio SRF 1 (SRF)
      @marlene Zelger wir publizieren keine Hasskommentare, egal ob sie von rechter oder von der linken Seite kommen. Wir wünschen eine sachliche Diskussion mit Argumenten. Es wäre schön, wenn Sie Ihre Aussage mit überprüfbaren Fakten ergänzen könnten.
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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Demokratie kann dann in Schieflage geraten, wenn nur noch Meinungen von Sympathisanten einer (vorwiegend linken) Partei geduldet wird und Andersdenkende ausgebuht werden.
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    1. Antwort von Alen Etemi  (Radesch)
      Pardon, anders deneken, bzw. so denken wie Sie wollen können Sie immer. Die Meinungsfreiheit ist per Verfassung gegeben. Meinungsfreiheit heisst, dass Sie vom Staat nicht oder nur unter bestimmten Punkten (Leugnung von Vökermord oder Beleidigung z. B.) für Ihre Äusserungen strafrechtlich verfolgt werden dürfen. Meinungsfreiheit heisst NICHT, dass Sie Ihre Meinung überall wo Sie wollen unerwidert äussern dürfen. Welche Meinungen wo geäussert werden dürfen bestimmt der Seitenbetreiber (Hausrecht).
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