«Himlung Himal»: Wenn der Körper kapituliert

Schweizer Höhenmediziner auf grosser Himalaya-Expedition: Mit dem letzten Versuch nehmen die Expeditionsteilnehmer den Aufstieg auf 7050 Meter in Angriff. Viele müssen aber umkehren – der Körper macht nicht mehr mit.

Die Sherpas hatten den Weg durch Schnee und Eis ins Camp 3 vorgespurt. Alle Probanden wollten diese letzte Chance nutzen und die Tests auf 7000 Meter absolvieren. Hierfür hatten sie teilgenommen an der grossen Forschungsexpedition auf den nepalesischen Gipfel «Himlung Himal».

Trotz aller Willenskraft mussten aber viele der Probanden auf dem Weg nach oben umkehren. Zu gross war die Anstrengung: «Es war schweinekalt, ich konnte überhaupt nicht pennen, mir war kotzübel, sodass ich in 30 Stunden nur zwei Löffel Reis gegessen habe», erzählt einer der Probanden zurück im Basislager. Am Abend noch kehrten die letzten Probanden um ins nächste Basislager. Erst spät in der Nacht kam die Meldung, dass alle einen schützenden Schlafplatz gefunden hatten. Und am nächsten Morgen dann folgte die erlösende Nachricht, dass es auch in eisiger Höhe allen Probanden gut ginge.

Den letzten Versuch genutzt

Dass die Probanden den Aufstieg auf 7000 Meter überhaupt machen können würden, war lange nicht klar. Seit Sonntag sassen die Alpinisten nämlich wegen Neuschnees im Basislager fest. Fünfzig Zentimeter Neuschnee wurden allein im Basislager auf knapp 5000 Meter gemessen. Wasserleitungen sind kaputt gegangen und in den Höhenlagern sind Zelte eingebrochen. Die Sherpas mussten diese Schäden in Ordnung bringen, bevor die Probanden nachkommen konnten.

Zwangspause

Im Vordergrund der Forschungsexpedition «Himlung Himal» stehen aufwendige Untersuchungen von Hirn, Herz, Lunge und des gesamten Blutkreislaufs. Aus 7000 Blutproben der Probanden will die Wissenschaft neue Erkenntnisse über die Auswirkungen der Sauerstoffarmut auf den Körper gewinnen. Dies ist auch für Tieflandpatienten auf den Intensivstationen der Schweizer Spitäler von grosser Bedeutung. Die Expedition führten Dutzend Höhenmediziner aus der Schweiz und aus Deutschland zusammen mit 42 freiwilligen Alpinistinnen und Alpinisten. Sie werden vom Verein «Swiss-Exped» und Schweizer Bergführern beim Aufstieg zum Himlung Himal geführt und von den Höhenmedizinern regelmässig getestet.

Tommy Dätwyler mit Stirnlampe am Computer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tommy Dätwyler berichtet für Radio SRF 1 live vom Berg. zvg

Das Basislager der Forschungsexpedition steht auf 4700 Metern über Meer. Über 200 Zelte, Esswaren, Tonnen von medizinischem Material und weitere Hochgebirgsausrüstung brauchen die Alpinisten für das Projekt. Das Ziel der Forschungsexpedition: Der Himlung Himal auf exakt 7126 Metern über Meer. Er liegt etwas versteckt im Schatten des Annapurna-Massivs in Nepal und wurde im Jahre 1992 erstmals bestiegen.

Himlung Himal auf Radio SRF 1

Die Expedition «Himlung Himal» dauert insgesamt fünf Monate und endet am 28. Oktober 2013. Radio SRF 1 berichtet seit 30. September jeweils Montag, Mittwoch und Freitag um 6.50 Uhr live über den Verlauf der Expedition in Nepal.

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Sherpas - die wahren Helden am Everest

106 min, aus DOK vom 26.12.2009

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