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Wie politisch soll die Kirche sein?
Aus Forum vom 15.10.2020.
abspielen. Laufzeit 55:20 Minuten.
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Kirche und Politik Wie politisch soll die Kirche sein?

Lautstark wie selten engagieren sich über 600 Kirchgemeinden in der Schweiz im Kampf für die Konzernverantwortungsinitiative. Die knallige orange Fahne hängt nicht nur an Balkonen, sondern auch an Kirchgemeinden, zum Beispiel in Ostermundigen (BE).

Für das Komitee «Kirche für Konzernverantwortung» ist klar. Die Initiative gründe auf zentrale Anliegen der biblischen Botschaft und des christlichen Glaubens: Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Nächstenliebe.

Wenn es um diese Fragen geht, sind wir Christinnen und Christen und dadurch auch die Kirche explizit dazu aufgerufen, Stellung zu beziehen.
Autor: Simone Curau-AepliPräsidentin des katholischen Frauenbundes

An vorderster Front kämpft Simone Curau-Aepli. Die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes ist überzeugt: «Wenn es um diese Fragen geht, sind wir Christinnen und Christen und dadurch auch die Kirche explizit dazu aufgerufen, Stellung zu beziehen.»

Und sie lässt Worten Taten folgen. Anfangs Oktober hat Simone Curau-Aepli zusammen mit dem Gemeindeleiter in der Kirche in Weinfelden den Gottesdienst gestaltet. Im Zentrum ihrer Predigt stand die Konzernverantwortungsinitiative. Negative Rückmeldungen habe sie keine erhalten.

Video
Konzernverantwortungs-Initiative und die Kirche
Aus Tagesschau vom 11.10.2020.
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Kritik an einseitigem kirchlichem Engagement

Gegen das geballte Engagement regt sich nun Kritik. Erst kürzlich wurde das «Ethik-Komitee gegen die Konzernverantwortungsinitiative» gegründet. Deren kirchlichen Vertreter sind nicht einverstanden mit dem Engagement der Landeskirchen. Der moralische Druck verhindere eine sachliche Debatte.

Die Kirche unterscheidet so zwischen guten und schlechten Christen. Das ist unevangelisch.
Autor: Bruno BaderReformierter Pfarrer in Gstaad

Dieser Meinung ist auch Bruno Bader, reformierter Pfarrer in Gstaad. Aus seiner Sicht müssten die Landeskirchen politisch zurückhaltender sein. Die Landeskirche sei eine Volkskirche und schliesse Menschen aus. «Sie unterscheidet so zwischen guten und schlechten Christen. Das ist unevangelisch.», sagt Bader. Ein Mitglied seiner Kirchgemeinde habe aus diesem Grund den Austritt gegeben.

Kirche äussert sich häufig politisch

Sozialdetektive, Waffenexporte, No Billag, Energiestrategie, Ladenöffnungszeiten, Unternehmenssteuerreform: Zu all diesen Themen – und vielen mehr – haben sich Pfarrerinnen und Pfarrer, Bischöfe und viele andere Kirchenleute in den letzten Jahren geäussert.

Sie sassen in Abstimmungskomitees, haben Flyer verteilt, offene Briefe geschrieben. Sie haben sich im Gespräch, in den sozialen Medien oder auch im Gottesdienst für ihre Anliegen eingesetzt. Kurz: Sie haben Politik gemacht.

Banner an Kirchtürmen sind verboten

Die evangelisch-reformierte Landeskirche Zürich hat nun ihr Merkblatt zu Rechten und Pflichten bei Abstimmungen überarbeitet. Und dieses neu verschickt. Da steht klar: Banner an Kirchtürmen oder anderen Kirchengebäuden sind verboten. Ebenso wie einseitige Informationen.

Die reformierte Landeskirche Zürich empfiehlt, Podien zu organisieren, statt Banner aufzuhängen. Kontrollieren, ob sich die Kirchgemeinden daran halten, kann und will die reformierte Landeskirche Zürich nicht.

Die Sendung zum Thema

Die Frage «Wie politisch darf die Kirche sein?» diskutierten wir mit Gästen und Hörerinnen und Hörern am Donnerstag 15. Oktober in der Sendung «Forum» auf Radio SRF 1. Die Online-Kommentare wurden in der Sendung aufgenommen.

Gäste in der Sendung

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  • Simone Curau-Aepli, Präsidentin des katholischen Frauenbundes
  • Bruno Bader, reformierter Pfarrer in Gstaad

Forum Radio SRF 1, 15.20.20, 20 Uhr

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55 Kommentare

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  • Kommentar von Gustav Natterer  (GN)
    Gestern in der Rundschau hat Pfr. Bruno Bader die Forderungen der Konzerverantwortungs-Initiative als arrogant und neokolonialistisch gebrandmarkt.
    Es ist neokolonialistisch in ein armes Land zu gehen, für ein Trinkgeld die Rohstoffe ausbeuten, dabei die Umwelt verschmutzen und Menschen krank machen. Und arrogant dazu.
    Wo ist die Verantwortung, die Gerechtigkeit und die Wahrheit? Bei den Gegnern der Initiative habe ich davon nichts gesehen.
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  • Kommentar von Beatus Gubler  (Tabeas)
    Die Kirche als Religion hat nicht politisch zu sein, muss sich aber einmischen. Denn bei Religion geht es zentral um "Gute Werte". Werte welche z.B. jegliche Formen von Gewalt, welche sich jenseits von angemessener Notwehr bewegen, strikte ablehnt und auch politisch dafür eintritt. Tut eine Religion dies nicht, oder fordert sogar zu Gewalt auf, ob direkt oder indirekt, dann ist dieser Religion der religiöse Status ab zu erkennen inklusive der Steuerbefreiung.
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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Das Christentum, bis ins späte Mittelalter, hat nicht nur Politik kommentiert sondern war die Politik schlechthin. Der Hochadel besetzte alle Schaltstellen des gesellschaftlichen und des religiösen Lebens. Die Neuzeit und die Aufklärung haben dann zu den Veränderungen geführt die unser heutiges Leben bestimmen. Der Machtverlust des Christenrums seit dem 19. aber hauptsächlich dem 20.Jahrhundert bedeutet auch den Verlust der moralischen Grundsätze der Gesellschaft. Also lasst uns dies diskutieren
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