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Wörter, die es nur auf Mundart gibt
Aus Dini Mundart vom 07.07.2021.
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Unübersetzbare Wörter «Verhebe», «Gutsch», «Schoggijob»: Das gibt es nur auf Mundart

Moderatorinnen und Moderatoren von SRF 1 erläutern ihre liebsten «unübersetzbaren» Wörter – Mundartredaktor Markus Gasser kommentiert.

Christina Lang: Nichts verhebt so wie «verhebe»

Christina Lang
Legende: Christina Lang: «’Das Argument überzeugt’ ist auf Hochdeutsch noch die beste Alternative zu ‘das verhebt’.» SRF
Wenn jemand gut argumentiert, warum sie so und so denkt, und wenn mich das überzeugt, dann verhebt das für mich. Oder wenn ich eine Geschichte lese und sie richtig gut finde, weil alles passt und ich mitfühlen und mitdenken kann – dann verhebt sie.
Autor: Christina LangSRF 1-Moderatorin

Der Kommentar von Mundartredaktor Markus Gasser:

Die Geschichte oder das Argument hält stand, ist passend, brauchbar oder überzeugend? Stimmt alles, aber nur «verhebt» enthält alle diese Bedeutungsmöglichkeiten. Und gibt einem das Gefühl, etwas sei wirklich solid und gültig.

Julia, die sechsjährige Tochter von Christina Lang, bringt es deshalb auf den Punkt bei der Frage nach einer Übersetzung: «Ich glaub, ich würde auf Hochdeutsch verheben sagen».

Stefan Siegenthaler: In Bern geht man gerne «ga rohre»

Stefan Siegenthaler
Legende: Stefan Siegenthaler: «'Rohre’ ist schon viel einfacher als die umständliche Beschreibung auf Hochdeutsch.» SRF
’Rohre’ heisst für mich, dass man in Bern durch die ’Rohre’ flaniert, also unter den Lauben der Altstadtgassen. Vielleicht kauft man etwas in einem Laden oder man spaziert einfach an den Schaufenstern vorbei. Auf Hochdeutsch gibt es kein Wort dafür. Man kann es nur ausführlich beschreiben, um es zu übersetzen.
Autor: Stefan SiegenthalerSRF 1-Moderator

Der Kommentar von Mundartredaktor Markus Gasser:

Andere Sprachen haben deshalb kein Wort für «rohre», weil es ein sogenanntes Sachspezifikum ist: Dass man die Lauben der Altstadtgassen «d Rohr» nennt und das Flanieren darin «ga rohre», das gibt es nur in Bern. Es ist einzigartig und in gewissem Sinn tatsächlich unübersetzbar.

Maja Brunner: Die Grösse von einem Gutsch ist individuell

Maja Brunner
Legende: Maja Brunner: «Beim Schoggikuchen für mich selber ist der Gutsch Kirsch viel grosszügiger als beim Schoggikuchen für den Kindergeburtstag.» ZVG
Bei Rezepten ist ‘ein Gutsch’ sehr ungenau. Es meint ‘eine kleine Menge’ und bewegt sich im Bereich von 1-2 Esslöffeln. In der Standardsprache kann man ‘einen Schluck’ als Alternative nehmen oder die Angabe ‘ein wenig’ oder ‘nach Belieben’ - dann überlässt man die konkrete Menge ganz dem Koch oder der Köchin.
Autor: Maja BrunnerSRF 1-Foodredaktorin

Der Kommentar von Mundartredaktor Markus Gasser:

«Gutsch» ist eine schweizerdeutsche Variante von «Guss» und bedeutet wörtlich «Schwall einer Flüssigkeit». Das kann allerdings alles zwischen einem Regengutsch und einem Gutsch Wein sein. Auf Hochdeutsch differenziert man, je nach der konkreten Menge, zwischen einem Schluck, einem Schwall oder einem Guss. Nur der Gutsch umfasst die ganze Bandbreite.

Michael Brunner: Mit Cervelatpromis an der Hundsverlochete

Michael Brunner
Legende: Michael Brunner: «Wer in den Gemeinderat gewählt werden will, darf an keiner Hundsverlochete fehlen!» SRF
Eine Hundsverlochete ist ein himmeltrauriges Fest. Die Art von Fest, wo du überlegst: Eigentlich wäre ich lieber daheim am Putzen, das macht mehr Spass.
Autor: Michael BrunnerSRF 1-Moderator

Der Kommentar von Mundartredaktor Markus Gasser:

Für andere ist die Hundsverlochete vor allem ein «bedeutungsloser Anlass». Klar: Höchstens Cervelatpromis (B-Promis) zieht es an ein Hundebegräbnis oder an einen Anlass von vergleichbarer gesellschaftlicher Unwichtigkeit. Auf jeden Fall ist es eine helvetische Angelegenheit, zumindest sprachlich. Denn nur die süddeutschen Dialekte erlauben es, ein Verb wie «verloche» (=begraben) mit der simplen Endung –ete zu einem Substantiv zu machen, das eine gemeinsame Tätigkeit beschreibt – die «Verlochete» eben.

Ralph Wicki: Der Schoggijob des Lebens!

Ralph Wicki
Legende: Ralph Wicki: «Der Schoggijob macht dich zum Schöggeler.» SRF
Ein Schoggijob ist einer, den man wahnsinnig gern macht und der einem so leicht fällt, dass man vergisst, dass es ja eigentlich arbeiten ist. Es ist wie Schokolade essen.
Autor: Ralph WickiSRF 1-Moderator

Der Kommentar von Mundartredaktor Markus Gasser:

Ein Schokoladenjob also. Aber dieses Wort gibt es eben nicht auf Hochdeutsch. Traumjob vielleicht? Ist eben nicht dasselbe. Ein Traumjob kann harte Arbeit sein, während der Schoggijob immer «easy» ist. Glücklich, wer eine solche Anstellung oder Aufgabe gefasst hat, denn er (oder sie) ist ein «Schöggeler».

Was ist dein «unübersetzbares» Wort?

Welche Dialektwörter kennst du, die man nicht mit einem Wort auf Hochdeutsch übersetzen kann? Schreibe sie unten ins Kommentarfeld.

Radio SRF 1, 1.7.2021, 15.15 Uhr

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