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Radio SRF 1 Sterbehilfe – eine Überforderung für die Angehörigen?

Die Anfragen nach einem begleiteten Freitod steigen von Jahr zu Jahr. Doch gerade für die Familie ist der begleitete Suizid nicht unproblematisch. Jeder vierte Angehörige leide danach an einer psychischen Erkrankung, sagen Studien. Werden Angehörige in die Entscheidung zu wenig involviert?

Legende: Audio Sterbehilfe – eine Überforderung für die Angehörigen? abspielen. Laufzeit 54:11 Minuten.
54:11 min, aus Forum vom 30.06.2016.

Das Interesse an einem selbstbestimmten Lebensende nimmt seit Jahren drastisch zu. Über 1200 Menschen nahmen im letzten Jahr in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch. Das ist ein Drittel mehr als noch im Jahr zuvor. Seit 2003 hat sich die Zahl mehr als verfünffacht.

Traumatisiert nach Sterbebegleitung

Legende: Video Simons Entscheidung – Reise ohne Rückkehr abspielen. Laufzeit 28:43 Minuten.
Aus DOK vom 09.11.2017.

Doch dieser Trend hat auch Schattenseiten: Die Belastung für Familie und Angehörige durch die Sterbehilfe wird laut Experten unterschätzt. Bei einem Suizid sind im Schnitt 10 bis 15 nahe Angehörige betroffen.

Jeder Vierte, der dem begleiteten Freitod einer nahestehenden Person beiwohnt, leide auch nach über einem Jahr an einer psychischen Erkrankung, die eine ärztliche Behandlung erfordert. Das zeigte eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2012.

«Belastung wird unterschätzt»

Der selbstbestimmte Tod werde zwar zunehmend akzeptiert – die Belastung für die Familie aber unterschätzt, so die Kritik. Viele Angehörige litten nach der Sterbehilfe an einem Trauma. Zwar verursache auch ein «natürlicher» Tod bei Angehörigen grosse Krisen, so die Studie. Doch träten nach einer Freitodbegleitung psychische Störungen deutlich häufiger auf.

Bei der Sterbeorganisation Exit sieht man das anders. Die Familie würde in den Prozess immer miteinbezogen. Und man fasse oft nach einem Jahr oder später bei den Angehörigen nochmals nach, um zu schauen, wie es ihnen geht.

Diskutieren Sie mit!

Werden die Bedürfnisse der Familie beim Todes-Entscheid genügend berücksichtigt? Oder ist Sterbehilfe eine Überforderung für die Angehörigen? Die Hörer-Diskussion finden Sie im Kommentarfeld.

Im Studio diskutierten in der «Forum»-Sendung zur Sterbehilfe:

  • Urs Geeser, Angehöriger, seine Frau ist im März 2016 mit Exit gestorben
  • Andreas Weber, Leiter Palliativteam am Spital Wetzikon
  • Bernhard Sutter, Geschäftsführer Exit
  • Gabriela Stoppe, Professorin für Alterspsychiatrie und Expertin für Suizid-Prävention

46 Kommentare

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  • Kommentar von Doris A. Widmer, 8303 Bassersdorf
    Ein wichtiges Thema wäre auch über den sog. Cocktail zu sprechen. Meine Bekannte wählte klar die Infusion, denn sie hatte Angst, dass sie allenfalls den Cocktail erbrechen müsste! Leider ist die Polizei noch zu wenig für solche Fälle instruiert. Ich wäre sehr dafür, dass in solchen Fällen die Polizei nicht nötig wäre, der Arzt sollte das Ganze in Ruhe abwickeln können. Diese polizeiliche Unruhe war für die Familienmitglieder eine grosse Störung im Abschiedsprozess.
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    1. Antwort von Max Egger, Zürich
      Bei der Exit wird dem Sterbebereiten zuerst ein sehr starkes Magen beruhigendes Mittel zu trinken gegeben und erst das Sterbemittel. Dieses Magenmittel verhindert, dass das Bittere zu einem Brechreizt führt. Mein Vater hat zuerst sein letztes Glas Wein mit einigen Erdnüssli genossen und dann das Magenmittel und anschliessend den Sterbetrunk zu sich genommen und ist friedlich, mit einem leichten Seufzer eingeschlafen. Es war beruhigend zu sehen, wie er ohne Schmerzen diese Welt verlassen konnte.
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  • Kommentar von Roland Reichenbach, Schönried
    Der Mensch hat kein Recht über Leben und Tod zu entscheiden . Dieses Recht hat nur unser Schöpfer, - Punkt. Mir ist klar das oft ein Suizid nicht verhindert werden kann. Aber was "Exit" und dergleichen praktizieren , hat mit Suizid nichts zu tun , das ist Schönrederei , meiner Meinung nach ist das vorsätzliche Tötung. Wer gibt Ihnen die Gewissheit , dass die verstorbene Person nun ohne Leiden ist? Lesen Sie doch mal in der Bibel , wer Aussicht auf Erlösung im Himmel hat. Auch die Hölle gibts
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    1. Antwort von >Max Egger, Zürich
      Ich entscheide am Tag X über mein Sterben. Ich wurde vom Staat als mündig erklärt und trage seit diesem Tag für meine Handlungen die volle Verantwortung. Man sagt dass unser Schöpfer sei ein Gott der Liebe und Barmherzigkeit ist. Wenn das stimmt, dann kann es nicht in seinem Sinn sein, dass ich auf Erden leiden muss weil mich irgend ein Organ nicht sterben lassen will..
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  • Kommentar von Karl Suter, Kirchberg
    Liebe Frau Mike Boller, Rheinfelden: sie haben das Richtige gemacht. Sie durften nicht eingreifen in das Leben ihrer Mutter, denn sie war und ist in Gottes Hand gestorben. Der Schöpfer hat für jeden Menschen den Tag seines Hinscheidens vorausbestimmt. Greifen wir eigenmächtig in das Geschehen Gottes ein, wollen wir so sein wie Gott. Das können wir nicht, höchstens können wir eine unheilvolles Durcheinander verursachen, wie es heute in weiten Teilen der Völker leider zu sehen ist.
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