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Stephan Sigrist: «Eine neue Normalität wird kommen»
Aus Gast am Mittag vom 13.04.2020.
abspielen. Laufzeit 27:18 Minuten.
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Wie weiter nach Corona? «Eine neue Normalität wird kommen»

Noch steckt die Schweiz in einer «ausserordentlichen Lage». Doch was geschieht, wenn der Alltag wieder einkehrt? Was wird sich grundlegend verändern? Und was lernen wir für die Zukunft?

Mit solchen Fragen beschäftigt sich Stephan Sigrist seit Jahren. Der 44-Jährige analysiert mit seinem Think-Tank «Wire» Entwicklungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Stephan Sigrist

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Stephan Sigrist ist 44-jährig, hat an der ETH Zürich Biochemie studiert und anschliessend am Collegium Helveticum seine Dissertation verfasst. Vor rund zehn Jahren hat er den Think-Tank «Wire» gegründet, der sich mit globalen Entwicklungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft beschäftigt. Ziel ist es, globale Trends zu erkennen und Firmen sowie öffentlichen Institutionen aufzuzeigen, wie sie auf diese Veränderungen reagieren können.

SRF: Schulen, Restaurants und Läden sind zu, die Schweiz steht still. Haben Sie mit einer solchen Situation in Ihren Prognosen gerechnet?

Stephan Sigrist: Wir schauen seit vielen Jahren bewusst über den Tellerrand hinaus. Diese Aufgabe haben wir uns als Organisation gesetzt. In diesem Kontext kam das Thema Pandemie immer wieder auf. Wie dramatisch jetzt aber die Folgen für die Realität und den Alltag sind, das ist auch für uns aus theoretischer Sicht sehr eindrücklich.

Wird die Welt nach Corona wieder die gleiche sein wie davor?

Es ist ganz klar eine grosse Zäsur, die wir momentan erleben. Wir werden in eine neue Normalität zurückkommen. Das heisst in eine Welt, in der sich einige grundlegende Dinge verändern. Wir müssen uns schon jetzt überlegen, wie wir diese neue Normalität auch selbst mitgestalten möchten. Wie viel Einfluss soll der Staat haben? Wie viel Eigenverantwortung wollen wir? Wir Menschen bleiben aber Menschen, die Bedürfnisse bleiben gleich - komplett alles wird sich nicht verändern.

Kann man den jetzigen Einschnitt in unser Leben mit vergangenen Situationen vergleichen?

Die Realität einer solchen Pandemie ist präzedenzlos: Eine vergleichbare Situation haben wir so noch nie erlebt. Wir sehen jetzt, dass die starke Vernetzung der globalen Welt auch Risiken birgt.

Wir sehen jetzt, dass die starke Vernetzung auch Risiken birgt.
Autor: Stephan SigristLeiter und Gründer der Denkfabrik «Wire»

Wir haben zum Beispiel bereits bei den Terroranschlägen 2001 festgestellt, dass die Sicherheit einer Nation durch einzelne Gruppen beeinträchtigt werden kann. Wir haben auch 2008 in der Finanzkrise gesehen, dass Wirtschaft und Gesellschaft sehr nah zusammenhängen. Und jetzt sehen wir in einer weiteren Dimension, dass die Gesundheit ebenfalls dazugehört.

Wir alle sind derzeit stark eingeschränkt. Wie verhält sich die Bevölkerung nach dieser Extremsituation?

Es wird sicherlich eine Kompensation stattfinden. Wir werden den Restaurantbesuch oder auch Reisen wieder besonders schätzen. Aber ich denke, dass viele die Erfahrungen aus dieser Extremsituation mitnehmen werden: Man merkt, dass man sehr wohl auch eine hohe Lebensqualität haben kann mit weniger. Viele werden sich zudem vermehrt Gedanken über einen nachhaltigen Konsum machen.

Wie verändert sich der Umgang mit der Gesundheit in der Schweiz?

Ich bin überzeugt, dass diese Pandemie einen nachhaltigen Einfluss auf die Wahrnehmung der Gesundheit haben wird. Im Gesundheitssystem wird der Fokus stärker darauf ausgerichtet werden, dass wir verstehen, dass es nicht primär und alleine darum geht, jedem Individuum die beste Versorgung zu geben, sondern auch darum, das Überleben der breiten Bevölkerung in einer Notsituation sichern zu können. Wir sehen aber auch, dass es bereits jetzt gut funktioniert. Wir haben eine gewisse Flexibilität.

Mit Blick auf Wohnen, Arbeiten, Architektur und Städtebau müssen wir uns auch überlegen, was wir benötigen. Braucht es virenabweisende Oberflächenstrukturen? Oder Sicherheitsabstände in Büros? Das Thema Gesundheit zieht sich durch alle Bereiche: Immobilien, Ernährung, Mobilität. Hier müssen wir uns über den Einfluss auf die Gesundheit Gedanken machen.

Das Gespräch führte Barbara Meyer.

Radio SRF 1, Gast am Mittag 13. April, 13Uhr;

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Loreto Silva  (Lore Vega)
    Von Kapitalismus direkt ins Sozialismus.
  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    Wieviele haben einen wirklich gesicherten Job? Niemand.
    Nicht einmal ein Rentner kann bei uns ganz sicher sein ob er eine Rente bekommt bis er stirbt.
    Einfamilienhaus? Auch keine Garantie.
    Multi-Billionäre? Morgen kann Geld schon Makulatur sein.
    Nur Sterben ist Garantiert und wird sein.
    (Auch Steuern muss man nicht bezahlen wenn man mit den Konsequenzen Leben will und kann). Hilf das? :)
  • Kommentar von Johannes Ganzerbaum  (Jenga)
    Ich wünsche mir dezentralen und Wasserstoffbetrieben Verkehr. Insbesondere E-Smogfreiheit und Gleichstrom für alle, dazu ein bedingungsloses Grundeinkommen welches uns ermöglicht den ganzen Müll aufzuräumen!!! Mutter Erde hat sein Machtwort gesprochen! Wir haben nicht auf die kleinen gehört(Greta-Thunberg) also kamen noch kleinere(-: von Mutter Erde!!!