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Plastik sammeln und recyceln: Sinnvoll oder Alibiübung?
Aus Forum vom 24.03.2022.
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Recycling Plastik und Kunststoff sammeln: Sinnvoll oder Alibiübung?

Die Schweiz will noch mehr sammeln und recyceln. Ab 2023 soll es losgehen mit einem landesweit einheitlichen Kunststoffrecycling-System. Immerhin verbrauchen wir pro Kopf und Jahr 125 Kilogramm Kunststoff. Wie sinnvoll Plastik sammeln und recyceln ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Rund 20 Prozent unseres «Güsels» sind Plastikabfälle. Laut Swiss Recycling verbrauchen wir 125 kg Plastik pro Kopf und Jahr – Tendenz steigend. Die Schweiz will darum noch mehr Plastik sammeln. Zum Beispiel Fruchtschalen, Joghurtbecher oder Plastikflaschen für Waschmittel. Ab 2023 soll es losgehen mit einem landesweit einheitlichen Kunststoffrecycling-System. Doch wie sinnvoll Plastik sammeln und recyceln tatsächlich ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Ziel: «Plastikabfälle zu 100 Prozent rezyklieren»

Für Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer von Swiss Recycling ist klar: «Kunststoffrecycling ist sinnvoll. Es darf keine Alibiübung sein.» Deshalb sei es sehr wichtig, den Nutzen nachzuweisen und aufzuzeigen betreffend CO₂-Einsparungen und Umweltbelastung. Das Ziel sei ganz klar, Plastikabfälle zu «100 Prozent rezyklieren zu können».

Greenpeace hinterfragt Nutzen

Greenpeace Schweiz hingegen zweifelt am Nutzen. Das Recyceln von Plastik sei «eher eine Alibiübung», sagt Florian Kasser von Greenpeace. Der Nutzen für die Umwelt sei klein und beschränkt. Und sende ein falsches Signal aus: «Es erzeugt das Gefühl, dass das Problem gelöst ist.» Greenpeace fordert ein fundamentales Umdenken. Ohne die Umstellung auf Mehrwegsysteme sei eine Zunahme des Plastikeinsatzes im Vertrieb von Lebensmitteln und Konsumgütern zu erwarten.

Jährlich entstehen in der Schweiz rund 780'000 Tonnen Kunststoffabfälle. Davon werden über 80 Prozent in Kehrichtverbrennungsanlagen und 6 Prozent in Zementwerken energetisch verwertet. Rund 80'000 Tonnen werden rezykliert (Quelle: Bundesamt für Umwelt).

In der Schweiz beträgt die Recycling-Quote 53 Prozent. Das heisst: Mehr als die Hälfte der Siedlungsabfälle von Haushalten und Gewerbe wird wiederverwertet, darunter etwa Aluminium, Glas oder PET.

Gäste im «Forum» auf Radio SRF 1

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  • Florian Kasser, Greenpeace Schweiz und Umweltwissenschaftler
  • Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer Swiss Recycling und Umweltingenieur

Radio SRF 1, «Forum», 24.03.2022, 10 Uhr

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Nora Zollberger  (norzo)
    Erdöl ist sehr wichtig in der Medizin. Aber es ist endlich. Darum sollte es schlicht nicht mehr für so triviale Dinge wie Verpackung oder Treibstoff oder Kosmetik etc. verwendet werden. Je mehr Erdöl wir einfach so für mindere Zwecke vergeuden, desto früher benötigen wir Alternativen in lebenswichtigen und lebensrettenden Bereichen wie Medizin.
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Ein fiktives Beispiel i.S. Recycling: Die Grünabfälle in unserer Überbauung werden mit dem LKW abgeholt. Im übernächsten Dorf wird daraus - unter Einsatz von Mensch und Maschine - Kompost gemacht. Ein Lastwagen holt den Kompost und transportiert ihn nach Süddeutschland, wo er in Kunststoffsäcke abgefüllt wird, die in China hergestellt wurden - notabene aus Erdöl aus Venezuela -, und der dort abgepackte Kompost landet letzlich in der Landi in meinem Dorf, wo ich ihn mit dem Auto abhole.
  • Kommentar von Michael Stalder  (mstalder)
    Plastik liefert oft die besten Verpackungseigenschaften. Z.B. in dem es das Verdampfen von Wasser verlangsamt, oder das Eindringen von Gasen oder Organismen welche die Alterung beschleunigen. Das können Jutesäckchen nicht. Die Konsequenz ist, dass man ohne Plastik mehr Foodwaste generiert, was für die Umwelt ein vielfaches schlechter ist, oder man öfters einkaufen muss. Wenn letzteres mit dem Velo passiert kein Problem, wenn jedoch mit dem SUV dann wird die Antiplastikhysterie nur lächerlich.