Einmal in der eigenen Manufaktur zu stehen, während die Schokolade fliesst – damit hatte der gelernte Bleisetzer und Werber Bruno Blum nie gerechnet.
«Ich habe sehr gerne dunkle Schoggi aber ich habe keine gefunden, die mir wirklich schmeckt.» Das sei keine Kritik, es gehe um seinen ganz eigenen Geschmack und dem ist er auf den Grund gegangen – mit Hilfe einer Fähigkeit, die er als Synästhetiker hat: Was er riecht und schmeckt, verwandelt sich in einen Klang.
Die Zutaten sind die Instrumente und die fertige Schokolade das Orchester, erklärt der Schoggikomponist sein Werk.
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Bild 1 von 4. Die Kakaobohne, die Bruno Blum am häufigsten verwendet, klingt für ihn wie eine Violine, eine andere wie ein Cello. Bildquelle: zVg Bruno Blum / Instagram.
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Bild 2 von 4. Der Kokosblütenzucker, den er meistens verwendet, habe einen tiefen warmen Ton: wie ein Fagott. Warm aber etwas höher sei der Klang des unraffinierten Vollrohrzuckers. Für ihn entspricht er dem Klang einer Oboe. Bildquelle: zVg Bruno Blum / Instagram.
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Bild 3 von 4. Der Schokoladen-Komponist Bruno Blum legt Wert auf Handarbeit. Bildquelle: zVg Bruno Blum / Instagram.
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Bild 4 von 4. Zwei Jahre hat Bruno Blum mit den unterschiedlichsten Zutaten und Klängen getüftelt, bis der Liebhaber von klassischer Musik und frühere Klarinettenspieler seine Schoggi komponiert hatte. Bildquelle: zVg Bruno Blum / Instagram.
Als er das erste Mal auch noch Birkenzucker beigemischt habe, war das Schoggi-Orchester komplett. Der Geschmack von Birkenzucker löste bei ihm den Klang einer Triangel aus. «Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich sagen konnte, jetzt hab ich es.» Der Moment, wo die Schokolade im Mund von Bruno Blum den gleichen harmonischen Klang hatte wie jener der sich in seinem Ohr formierte.
Ein Systemsprenger
Aufgewachsen ist Bruno Blum zusammen mit einem Bruder in einer klassischen Familienstruktur in Biberist SO. «Die Schule war die schlimmste Zeit in meinem Leben», sagt Blum.
Von einem uninteressanten Lehrer Dinge zu lernen, die ihn nicht interessierten, sei eine schlechte Kombination gewesen. Sie verursachten Bauchschmerzen. «Während der Bezirksschule hatte ich über zwei Jahre lang jeden Tag einen medizinisch diagnostizierten Blinddarm.» Erst als er am letzten Tag die Schulhaustreppe hinunterstieg, waren die Bauchschmerzen weg. «Ich war schlicht nicht fähig, mich in das System zu integrieren.»
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Bild 1 von 5. Der Erstklässler Bruno Blum. Bildquelle: zVg Bruno Blum.
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Bild 2 von 5. Bruno Blum schloss seine Schriftsetzerlehre als Bester im Kanton ab. Als Zeichen dafür erhielt er den Gautschbrief – eine traditionsreiche Urkunde, mit der Schriftsetzer und verwandte Berufe nach Abschluss ihrer Ausbildung als «Jünger Gutenbergs» in den Gesellenstand aufgenommen werden. Bildquelle: zVg.
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Bild 3 von 5. Seit 2023 hat Bruno Blum seine Schoggi-Manufaktur in der alten Mühle in Mühleberg BE. Bildquelle: Bruno Blum / Instagram.
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Bild 4 von 5. Säcke mit dem Schokoladengold – den Kakaobohnen. Bildquelle: Bruno Blum / Instagram.
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Bild 5 von 5. Die Schokolade ist echt, der Osterhase ist aus Karton. Bruno Blum weigert sich, Osterhasen zu produzieren. «Ich bin kein Confiseur – ich bin Schoggimacher, das ist etwas ganz anderes.». Bildquelle: Bruno Blum / Instagram.
Sein grösstes Gut sei ein Song von Toni Vescoli gewesen – «Ich mache was ich will» wurde für Bruno Blum zum Kontrollsong. «Ich habe ihn immer wieder gehört und überprüft, stimmt das noch?» Wenn nicht, habe er etwas geändert.
Wenn Bruno Blum auf sein Leben und seine Lehre als Schriftsetzer blickt, taucht er in eine Zeit ein, die im Wandel war. «Ich komme mir vor, wie ein wandelndes Museum». In der Lehre habe er noch Tageszeitungen und den SBB-Fahrplan im Bleisatz erstellt. «Das habe ich geliebt», schwelgt Blum. Noch während der Ausbildung sei der Bleisatz verschwunden. Was danach kam, machte Bruno Blum keine Freude mehr.
Als man mich konstruiert hat, hat man einen Programmierfehler gemacht.
Er hat sich gleich nach der Lehre selbstständig gemacht. Seither ist er unternehmerisch tätig. Das habe mit seinem Freiheitsdrang zu tun. Immer wieder hat er neue Ideen und Geschäftsmodelle versucht umzusetzen. Dabei sei Neues entstanden aber auch Scheitern habe dazu gehört.
«Als man mich konstruiert hat, hat man einen Programmierfehler gemacht». Er wisse nicht, wie er auf andere Menschen wirke. Konkret: «Ich merke nicht, wenn ich anderen auf den Wecker gehe». Leute wenden sich plötzlich von ihm ab und er wisse nicht warum.
«Es kommt schon gut»
«Es ist, wie es ist» und «Es kommt schon gut» sind Bruno Blums Lebensphilosophien. Die Sätze hat er sich auf die Unterarme tätowieren lassen. So sind sie stets präsent. Sie trugen ihn auch durch Grenzerfahrungen, etwa dem Feuerlaufen oder Pilgern.
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Bild 1 von 2. Beim Feuerlauf erlebte Bruno Blum, wie durch mentale Kraft physikalische Grenzen überwindbar sind. Bildquelle: zVg Bruno Blum.
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Bild 2 von 2. «Wenn man beim Pilgern stundenlang durch die Gegend latscht, kommt das Hirn in einem anderen Zustand. Das ist sehr entspannend und führt in eine andere Welt.». Bildquelle: zVg Bruno Blum.
Bruno Blum ist ein Mensch, der sich nicht scheut, neue Wege zu gehen. Sei es in der Schokoladenproduktion oder auf seinem Weg zur Selbsterkenntnis.