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Solothurner Schokoladenmacher Seine gekoppelten Sinne führen ihn zur perfekten Tafel

«I mache, was i will», «Äs isch wies isch» und «Es chunnt scho guet» – von diesen drei Sätzen lässt sich Bruno Blum leiten. Der Weg des Solothurners zum Schokoladenmacher ist aussergewöhnlich – so wie seine Schoggi.

Einmal in der eigenen Manufaktur zu stehen, während die Schokolade fliesst – damit hatte der gelernte Bleisetzer und Werber Bruno Blum nie gerechnet.

«Ich habe sehr gerne dunkle Schoggi aber ich habe keine gefunden, die mir wirklich schmeckt.» Das sei keine Kritik, es gehe um seinen ganz eigenen Geschmack und dem ist er auf den Grund gegangen – mit Hilfe einer Fähigkeit, die er als Synästhetiker hat: Was er riecht und schmeckt, verwandelt sich in einen Klang.

Das ist Synästhesie

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Synästhesie ist ein neurologisches Phänomen, bei dem Sinne gekoppelt sind.

So können manche Leute mit Synästhesie Farben sehen, wenn sie bestimmte Töne hören (Ton-Farb-Synästhesie). Die häufigste Form ist allerdings die Graphem-Farb-Synästhesie. Diese Synästheten sehen Buchstaben farbig.

Bei Bruno Blum tauchen Klänge/Töne/Harmonien oder Disharmonien nicht nur beim Riechen auf – sondern praktisch bei allen externen Eindrücken, sagt er. Bezüglich der Schokolade hilft ihm das, die perfekte Schoggi herzustellen: «Es ist nicht nur das Riechen der Zutaten, sondern deren Geschmack im Mund, der Klänge von Instrumenten auslöst», sagt der Synästetiker.

Synästhesie ist keine psychische Erkrankung, sondern eine Variante menschlicher Wahrnehmung, eine meist angeborene Besonderheit der Hirnvernetzung, von der bis zu vier Prozent der Menschen betroffen sind.

Die Zutaten sind die Instrumente und die fertige Schokolade das Orchester, erklärt der Schoggikomponist sein Werk.

Als er das erste Mal auch noch Birkenzucker beigemischt habe, war das Schoggi-Orchester komplett. Der Geschmack von Birkenzucker löste bei ihm den Klang einer Triangel aus. «Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich sagen konnte, jetzt hab ich es.» Der Moment, wo die Schokolade im Mund von Bruno Blum den gleichen harmonischen Klang hatte wie jener der sich in seinem Ohr formierte.

Ein Systemsprenger

Aufgewachsen ist Bruno Blum zusammen mit einem Bruder in einer klassischen Familienstruktur in Biberist SO. «Die Schule war die schlimmste Zeit in meinem Leben», sagt Blum.

Von einem uninteressanten Lehrer Dinge zu lernen, die ihn nicht interessierten, sei eine schlechte Kombination gewesen. Sie verursachten Bauchschmerzen. «Während der Bezirksschule hatte ich über zwei Jahre lang jeden Tag einen medizinisch diagnostizierten Blinddarm.» Erst als er am letzten Tag die Schulhaustreppe hinunterstieg, waren die Bauchschmerzen weg. «Ich war schlicht nicht fähig, mich in das System zu integrieren.»

Sein grösstes Gut sei ein Song von Toni Vescoli gewesen – «Ich mache was ich will» wurde für Bruno Blum zum Kontrollsong. «Ich habe ihn immer wieder gehört und überprüft, stimmt das noch?» Wenn nicht, habe er etwas geändert.

Wenn Bruno Blum auf sein Leben und seine Lehre als Schriftsetzer blickt, taucht er in eine Zeit ein, die im Wandel war. «Ich komme mir vor, wie ein wandelndes Museum». In der Lehre habe er noch Tageszeitungen und den SBB-Fahrplan im Bleisatz erstellt. «Das habe ich geliebt», schwelgt Blum. Noch während der Ausbildung sei der Bleisatz verschwunden. Was danach kam, machte Bruno Blum keine Freude mehr.

Als man mich konstruiert hat, hat man einen Programmierfehler gemacht.
Autor: Bruno Blum Schokoladenmacher

Er hat sich gleich nach der Lehre selbstständig gemacht. Seither ist er unternehmerisch tätig. Das habe mit seinem Freiheitsdrang zu tun. Immer wieder hat er neue Ideen und Geschäftsmodelle versucht umzusetzen. Dabei sei Neues entstanden aber auch Scheitern habe dazu gehört.

«Als man mich konstruiert hat, hat man einen Programmierfehler gemacht». Er wisse nicht, wie er auf andere Menschen wirke. Konkret: «Ich merke nicht, wenn ich anderen auf den Wecker gehe». Leute wenden sich plötzlich von ihm ab und er wisse nicht warum.

«Es kommt schon gut»

«Es ist, wie es ist» und «Es kommt schon gut» sind Bruno Blums Lebensphilosophien. Die Sätze hat er sich auf die Unterarme tätowieren lassen. So sind sie stets präsent. Sie trugen ihn auch durch Grenzerfahrungen, etwa dem Feuerlaufen oder Pilgern.

Bruno Blum ist ein Mensch, der sich nicht scheut, neue Wege zu gehen. Sei es in der Schokoladenproduktion oder auf seinem Weg zur Selbsterkenntnis.

Radio SRF 1, 29.3.2026, 10 Uhr;weds

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