Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Steigende Unfallzahlen E-Bike-Unfälle häufen sich: Was bringt eine Helmpflicht?

Die Zahl der schweren E-Bike-Unfälle hat sich in den letzten zehn Jahre verdreifacht. Braucht es nun eine Helmpflicht? Zwei Experten diskutieren.

E-Bikes boomen seit Jahren: Rund 1.4 Millionen der Zweiräder sind auf Schweizer Strassen unterwegs. Gleichzeitig sind die Unfallzahlen stark gestiegen: In den letzten zehn Jahren haben sich die E-Bike-Unfälle mit Schwerverletzten verdreifacht. Allein letztes Jahr wurden 586 Personen schwer verletzt, 24 kamen ums Leben.

In der Politik wird deshalb seit Jahren über eine Helmpflicht diskutiert. Das Parlament lehnte eine Helmpflicht zuletzt ab. Nur wer ein schnelles E-Bike fährt (Unterstützung bis 45 km/h), muss in der Schweiz einen Helm tragen.

Pro Velo ist gegen Bevormundung der E-Bike-Fahrenden

Der Waadtländer FDP-Nationalrat Daniel Ruch griff das Anliegen jüngst nochmals auf: In einer Motion fordert er «geeignete Schutzausrüstung», um die Sicherheit von Velo- und E-Bike-Fahrenden zu verbessern. Damit will er die Zahl der schweren Unfälle senken und so die Folgekosten reduzieren.

Der Verband Pro Velo Schweiz hält eine solche Regelung für wenig sinnvoll. «Ein Helmobligatorium wird an der Anzahl der Unfälle nichts ändern», sagt Jürg Buri, Geschäftsleiter des Dachverbands.

Buri befürchtet, dass ein Obligatorium Velofahrende gar vergraulen könnte. In Australien führte eine Helmpflicht nämlich dazu, dass weniger Menschen Velo fuhren.

Das gilt für E-Bike-Fahrende in der Schweiz

Box aufklappen Box zuklappen

Wer ein E-Bike mit bis 25 km/h Geschwindigkeit fährt, muss keinen Helm tragen.

Eine Helmpflicht gilt erst für schnellere E-Bikes bis 45 km/h. Diese Zweiräder haben auch eine Nummernpflicht.

Ausserdem zeigt eine Erhebung des TCS: Schon heute tragen rund 60 Prozent der Velofahrenden in der Schweiz einen Helm. Auf E-Bikes (ohne Helmpflicht) sind es gar 70 Prozent. «Es ist unverhältnismässig für die letzten 30 Prozent auf diesen langsamen E-Bikes noch eine Helmpflicht einzuführen.»

Velohelm soll zur Normalität werden

Schaut man sich die Empfehlungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung an, ist der Tenor anders. «Sobald ein Zweirad einen Motor hat, macht eine Helmpflicht Sinn», sagt Christoph Leibundgut, Mediensprecher der BFU. Damit sind sowohl E-Bikes als auch E-Scooter und E-Roller gemeint.

Ein Helm könne einen Unfall zwar nicht verhindern, aber er schütze vor schweren Verletzungen. Tatsächlich zeigen Tests: Wer einen Helm trägt, kann das Risiko für schwere Kopfverletzungen um bis zu 70 Prozent senken.

Das BFU erhofft sich, dass durch das Obligatorium mehr Menschen einen Helm tragen und das Velofahren mit Helm so zur Normalität würde. «Wenn es normal ist, einen Helm zu tragen, ziehen alle einen an. Das sehen wir beim Skifahren.»

Dieser Meinung ist auch Jürg Buri von Pro Velo Schweiz. Allerdings möchte der Verband diese Entwicklung nicht mit einem Obligatorium durchsetzen. Das sei gar nicht nötig.

Grossteil des SRF 1-Publikums will Helmpflicht

Worin sich die Beiden einig sind: Mit guter Infrastruktur liessen sich viele Velounfälle verhindern. Und wer sich gut ausrüstet und vorsichtig fährt, kann das Unfallrisiko bereits selbst senken.

Die Motion des FDP-Nationalrats liegt nun beim Bundesrat. Ob und wann das Anliegen im Parlament debattiert wird, ist offen.

Das waren die Gäste im «Forum»

Box aufklappen Box zuklappen
  • Ist gegen eine Helmpflicht: Jürg Buri, Geschäftsleiter Pro Velo Schweiz

Radio SRF 1, Forum, 30.4.2026, 10:00 Uhr

Meistgelesene Artikel