Roger Benoit ist eine lebende Legende des Motorsports: Seit 1970 berichtet er von den Rennstrecken dieser Welt und hat dabei über 800 Grand Prix erlebt. Der Mann mit der charakteristischen Havanna-Zigarre im Mund ist bekannt für seine Nähe zu Ikonen wie Niki Lauda und für seine fundierten Einschätzungen in der Formel 1.
Doch dieses Leben auf der Überholspur forderte seinen Preis. «Da hat man ein ganz eigenes Privatleben aufgebaut», sagt Benoit in der Sendung «Persönlich».
Tinguely begleitete ihn an viele Rennen
Als Sportjournalist reiste Roger Benoit unzählige Male durch die Welt. 41 Mal war er in Australien und 15 Mal in Singapur, um über Formel-1-Rennen zu berichten. Dabei kann Benoit den Boliden gar nicht so viel abgewinnen: «Autos interessieren mich eigentlich gar nicht. Es waren von Anfang an die Menschen, die mich interessierten.»
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Bild 1 von 5. Roger Benoit und Rennpilot Max Verstappen treffen sich zu ihrem alljährlichen Interviewtermin. Bildquelle: zVg.
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Bild 2 von 5. Auch Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel stellte sich schon mehrfach den Fragen von Roger Benoit. Bildquelle: zVg.
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Bild 3 von 5. Da haben sich zwei gefunden: Peter Sauber und Roger Benoit rauchen gemeinsam eine Zigarre. Bildquelle: zVg.
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Bild 4 von 5. Roger Benoit erlebte über 800 Grand Prix. Hier steht er in der Startaufstellung des Grand Prix von Singapur im Jahr 2025. Bildquelle: zVg.
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Bild 5 von 5. Roger Benoit lebte 18 Jahre in Basel und lernte den Künstler Jean Tinguely über Bekannte kennen. Bildquelle: zVg.
Über die Menschen hat der 77-Jährige viel zu erzählen. Über Jahrzehnte berichtete Benoit direkt von der Rennstrecke und kam so auch vielen Fahrern näher. Besonders in Erinnerung blieb ihm eine Begegnung mit dem österreichischen Formel-1-Weltmeister Jochen Rindt.
Wenn man mit Hamilton auf der Boxenmauer rauchen würde, würden sich die Fotografen totschlagen.
Am Grand Prix in Monza 1970 hätten die zwei auf der Boxenmauer gemeinsam geraucht: «Er Zigaretten, ich Zigarre – man muss sich das heute mal vorstellen. Wenn man mit Hamilton auf der Boxenmauer rauchen würde, würden sich die Fotografen totschlagen.» Ein paar Stunden später, beim Abschlusstraining, verunfallte Jochen Rindt tödlich.
Eine besonders enge Bindung hatte der Wahlbasler mit dem Künstler Jean Tinguely. Der Bildhauer war offenbar ein grosser Formel-1-Fan und begleitete Benoit an mehrere Rennen – unter anderem nach Monaco.
«Als ein Fahrer einen kleinen Unfall hatte und einen Teil des Heckflügels verlor, stand Tinguely auf der Tribüne neben mir auf und meinte, er müsse das jetzt holen gehen», erinnert sich Benoit. Glücklicherweise konnte er Tinguely gerade noch davon abhalten.
Geschichten erzählen? Kann Benoit gut!
Die Begegnungen an der Rennstrecke prägten Benoits journalistische Karriere. Angefangen hatte aber alles mit der Leidenschaft fürs Schreiben. Erst schrieb er Gedichte, dann verfasste er als Zwölfjähriger in einer Nacht-und-Nebel-Aktion seinen ersten Matchbericht über ein Fussballspiel. Diesen warf er spätabends mehreren Lokalzeitungen in den Briefkasten und stieg so in den Journalismus ein.
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Bild 1 von 4. Mit 16 Jahren wurde Roger Benoit der schnellste Todesanzeigensetzer der «Basler Nachrichten». Bildquelle: zVg.
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Bild 2 von 4. Pfeife rauchen habe er zwar mal ausprobiert, wirklich geschmeckt habe es ihm aber nicht. Heute ist Roger Benoit auf vielen Fotos nur noch mit Zigarre im Mund zu sehen. Bildquelle: zVg.
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Bild 3 von 4. Roger Benoits Leidenschaft gilt dem Journalismus. Schon früh schrieb er eigene Gedichte und später Fussball-Matchberichte. Bildquelle: zVg.
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Bild 4 von 4. Wie es sich beim sogenannten Guatsch-Ritual gehört, fliegt Benoit nach seiner bestandenen Abschlussprüfung als Schriftsetzer in den Brunnen. Bildquelle: zVg.
Ein paar Jahre später absolvierte der gebürtige Neuenburger eine Lehre als Schriftsetzer. Sein unliebsamer Chef bei den «Basler Nachrichten» sah wenig Potenzial und setzte Benoit als Todesanzeigen-Schreiber ein – zum Glück des jungen Burschen: «Keiner im ganzen Haus bekam mehr Trinkgeld als ich.»
Die Formel-1-Karriere war Zufall
Die spätere Karriere als Rennsport-Reporter begann hingegen eher durch Zufall. Gemeinsam mit Verleger Michael Ringier reiste Benoit 1969 nach England und besuchte dort sein erstes Formel-1-Rennen.
Kurz darauf witterte der damalige Chefredaktor des «Blick» das Potenzial des Rennsports und setzte den 26-jährigen Benoit künftig als Formel-1-Reporter ein.
Nach über 50 Jahren hat Benoit die Faszination für die Welt des Rennsports noch immer nicht verloren. Der 77-Jährige ist weiterhin regelmässig als Formel-1-Reporter im Einsatz. Heute begleitet er viele Rennen allerdings von zu Hause aus. «Nach 13 Jahren in der Verlängerung kann ich machen, was ich will. Das ist ein Privileg.»