Wenn es in einer Region Krieg gibt, stellt sich früher oder später die Frage nach dem Schutz von Kulturgütern. Im Iran stehen wertvolle Kulturstätten, die nun durch den Krieg in Gefahr geraten. Die Unesco hat bereits zum Schutz des Weltkulturerbes im Krieg gegen den Iran aufgerufen.
Mirko Novák, Professor für Vorderasiatische Archäologie an der Universität Bern, erklärt, warum der Iran besonders betroffen sein könnte und warum internationale Regeln zum Schutz der Kultur oft wirkungslos bleiben.
SRF: Der Golestan-Palast in Teheran wurde durch Luftangriffe beschädigt. Er war jahrhundertelang der Palast des persischen Königs, des Schahs. Mit welchen anderen bedeutenden Bauwerken wäre er vergleichbar?
Mirko Novák: Für die iranische Monarchie war der Palast so bedeutsam wie der Windsor-Palast oder Versailles für die britische beziehungsweise die französische Monarchie.
Welche Kulturgüter im Iran könnten durch den Krieg sonst noch bedroht sein?
Der Iran gehört zu den ältesten Regionen mit Hochzivilisationen der Menschheitsgeschichte. Dort gibt es Kulturgüter aus mehreren Jahrtausenden. Teile des Irans gehörten zum Einflussgebiet des alten Mesopotamiens.
Bedrohte Kulturstätten im Iran
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Bild 1 von 5. Golestan-Palast. Vorher: Der Golestan-Palast ist ein historischer Palast der Kadscharen-Dynastie und Unesco-Welterbe. Er ist berühmt für prunkvolle Spiegel- und Mosaikräume. Bildquelle: Imago/Imagebroker.
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Bild 2 von 5. Golestan-Palast. Nachher: Kürzlich wurde der Golan-Palast durch Luftangriffe beschädigt. Bildquelle: Reuters/WANA/Majid Asgaripour.
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Bild 3 von 5. Persepolis. Die antike Königsresidenz der Achämeniden bei Shiraz. Monumentale Reliefs und Ruinen zeugen von der Pracht des Perserreichs. Bildquelle: SRF/Rouven Born.
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Bild 4 von 5. Altstadt von Yazd. Traditionelle Lehmziegelstadt mit Windtürmen und Qanat-Wassersystemen. Einzigartiges Beispiel persischer Stadtplanung und Wüstenarchitektur. Bildquelle: SRF/Rouven Born.
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Bild 5 von 5. Arg-e Bam. Riesige Lehmziegelburg und Unesco-Welterbe. Einst die grösste Lehmziegelstadt der Welt, heute nach Erdbebenschäden wieder aufgebaut. Bildquelle: Imago/Middle East Images.
Viele Kulturstätten reichen bis ins vierte oder fünfte Jahrtausend vor Christus. Diese Stätten sind über das ganze Land verteilt. Praktisch jede Region, die aktuell von Kriegshandlungen betroffen ist, liegt in der Nähe solcher Kulturgüter oder umfasst sie.
Welche internationalen Richtlinien gelten zum Schutz von Kulturgütern im Kriegsfall?
Es gibt Richtlinien, die vor allem von der Unesco ausgearbeitet wurden und an die sich theoretisch alle Kriegsparteien halten sollten.
Kulturgüter dürfen nicht für militärische Zwecke genutzt werden und sollen kein Ziel von Angriffen sein. Aber wie die Erfahrungen aus Syrien, dem Irak oder der Ukraine zeigen, halten sich die Kriegsparteien oft nicht daran.
Regeln allein reichen also nicht. Wer könnte hier überhaupt etwas bewirken?
Die Unesco ist eher eine symbolische Autorität und hat keine Möglichkeiten, solche Regeln durchzusetzen. Im aktuellen Konflikt gilt das umso mehr, weil sowohl Israel als auch die USA aus der Unesco ausgetreten sind.
Vieles lässt sich zwar wieder aufbauen, aber es ist dann nicht mehr das originale Bauwerk.
Wenn überhaupt, könnte die Weltgemeinschaft, also Verbündete dieser Länder, Druck ausüben. Im Moment scheint das aber kein Thema zu sein.
Welche Erfahrungen gibt es aus früheren Kriegen? Wo sind Kulturgüter für immer verloren gegangen?
Für den Iran selbst ist das schwer zu beurteilen, weil das Internet weitgehend abgeschaltet ist und Nachrichten nur sehr tröpfchenweise nach aussen gelangen. Diese Berichte befassen sich zuerst mit dem Leid der Menschen und weniger mit den Kulturgütern.
In Syrien und im Irak gibt es bereits Bestandsaufnahmen, dort wurden zum Teil massive Schäden angerichtet.
Syriens zerstörte Kulturstätten
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Bild 1 von 6. Umayyaden-Moschee von Aleppo. Vorher: Historische Moschee mit prächtigem Minarett und Innenhöfen, religiös und architektonisch bedeutend. Bildquelle: Imago/Imagebroker.
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Bild 2 von 6. Umayyaden-Moschee von Aleppo. Nachher: Minarett 2013 zerstört, Gebäude schwer beschädigt. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Aleppo Media Center.
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Bild 3 von 6. Zitadelle von Aleppo. Vorher: Eine der ältesten und grössten Festungen der Welt, Unesco-Welterbe. Bildquelle: Imago/Robert Harding .
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Bild 4 von 6. Zitadelle von Aleppo. Nachher: Starke Schäden durch Kämpfe und Artillerie, mehrere Türme eingestürzt. Bildquelle: Imago/Pond5 Images.
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Bild 5 von 6. Historische Stadt Homs. Vorher: Historische Wohnhäuser, traditionelle Märkte, bedeutende religiöse Stätten. Bildquelle: Reuter/Omar Sanadiki.
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Bild 6 von 6. Historische Stadt Homs. Nachher: Massive Zerstörung durch Belagerungen, viele Gebäude vollständig verloren. Bildquelle: Reuter/Omar Sanadiki.
Teilweise auch so stark, dass sich nichts mehr wieder aufbauen lässt?
Vieles lässt sich zwar wieder aufbauen, aber es ist dann nicht mehr das originale Bauwerk. Ein Beispiel ist die al-Nuri-Moschee in Mossul, die vom IS gesprengt wurde. Sie wurde inzwischen wieder aufgebaut und sieht aus wie das ursprüngliche Gebäude, tatsächlich ist es aber ein Neubau. Dasselbe gilt für das Minarett der Umayyaden-Moschee in Aleppo oder ähnliche Kulturgüter.
Das Gespräch führte Sandra Schiess.