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4 Jahre Krieg in der Ukraine Die ukrainische Kultur fällt der russischen Invasion zum Opfer

Russland hat über 500 ukrainische Kulturstätten beschädigt oder zerstört. Der Kunsthistoriker Kilian Heck ist überzeugt: Russland greift die ukrainische Kultur gezielt an.

Schon in den ersten beiden Kriegsjahren, sagt Kunsthistoriker Kilian Heck, seien viele ukrainische Kulturstätten zerstört worden. Aber: «Seit dem Frühsommer 2025 ist die Zerstörungsrate noch mal erheblich grösser geworden.»

Person mit Brille und blauer Jacke im Freien vor einem Gebäude.
Legende: Kilian Heck ist Teil der Steuerungsgruppe des «Netzwerk Kulturgutschutz Ukraine» in Deutschland. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, ukrainischen Kulturschaffenden während der russischen Invasion zu helfen. Auch ICOM Schweiz ist Teil des Netzwerkes. Kilian Köthe

Laut aktuellen Angaben der UNO sind insgesamt mehr als 500 Kulturstätten beschädigt oder zerstört – darunter religiöse Stätten, Gebäude von historischem Interesse, Museen, Monumente, Bibliotheken, archäologische Stätten und ein Archiv.

Weltkulturerbe wird «Disneyland» 

Letzten Juli beschädigte ein grossangelegter russischer Drohnenangriff mehrere historische Gebäude in der Altstadt von Odessa – einem Weltkulturerbe. In der ukrainischen Stadt Cherson stahlen russische Soldaten im ersten Kriegsjahr laut Human Rights Watch rund 10'000 Kunstwerke aus dem dortigen Kunstmuseum und tausende weitere Objekte aus dem Historischen Museum.

Auf der Krim hätten die russischen Besatzer den historischen Khanpalast von Bachtschyssaraj, ebenfalls Weltkulturerbe, im grossen Stil umgebaut und in eine Art «archäologisches Disneyland» verwandelt, so Kunsthistoriker Kilian Heck. 

Die Liste liesse sich fortsetzen. Vor Kurzem erst, Ende Januar, beschädigte ein russischer Angriff dann auch noch Teile des Kiewer Höhlenklosters, auch das ein Weltkulturerbe. «Da ging durch die ganze Ukraine noch mal ein Aufschrei», erzählt Kunsthistoriker Heck, «weil das als ein Kronjuwel der ukrainischen Kultur gilt.» 

Russland bestreitet, dass die Ukraine eigene Kultur besitzt

Heck ist überzeugt: Solche Beschädigungen und Zerstörungen seien alles andere als ein Versehen. Russland habe es gezielt auf ukrainische Kulturstätten abgesehen. «Das bewusste Zerstören einer Kultur ist ein kultureller Genozid», sagt Heck. Dabei bezieht er sich auf die Definition des polnisch-jüdischen Juristen Raphael Lemkin, der 1947 für die UNO den Gesetzesentwurf zur Bestrafung von Völkermord erarbeitete.

Viele Beobachter vermuten, dass Russland die ukrainische Kultur auslöschen möchte – schliesslich bestreitet Russland, dass die Ukraine eine eigene Kultur besitzt. Doch: Lässt sich wirklich beweisen, dass hinter den russischen Attacken Absicht steckt? Kilian Heck ist überzeugt, dass es genügend Beweise dafür gibt: «Wenn man die Beraubung eines Museums nicht als Absicht bezeichnet, dann weiss ich nicht, wo wir überhaupt nach einer Absicht suchen. Das ist eindeutig intendiert.» 

Ukraine bleibt wehrhaft

Als stellvertretender Vorsitzender des Ukraine Art Aid Centers steht Kilian Heck in engem Austausch mit Kolleginnen aus der Ukraine. Die Stimmung sei gerade jetzt in den Wintermonaten gedrückt, erzählt er.

Die Zermürbungstaktik der Russen, die immer wieder die ukrainische Energieversorgung angreifen, zeige Erfolge. Aber: «Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Widerstand in der Ukraine nach wie vor ungebrochen ist.»

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Angesichts des Krieges in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene Zivilbevölkerung. Auch mehr als vier Jahre nach Kriegsbeginn sind Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen – viele leben unter schwierigen Bedingungen, oft ohne verlässlichen Zugang zu Strom, Heizung oder medizinischer Versorgung.

Gemeinsam mit ihren Schweizer Partnerorganisationen unterstützt die Glückskette Betroffene – sowohl innerhalb der Ukraine als auch in ausgewählten Nachbarländern. Die Hilfe umfasst finanzielle Unterstützung für Familien, die Reparatur beschädigter Wohnungen, medizinische Versorgung sowie psychosoziale Begleitung.

Spenden können unter www.glueckskette.ch getätigt werden. 

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 24.2.2026, 8:06 Uhr

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