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Valentinstag Wie drücke ich meine Liebe in Worten aus?

Früher war der Liebesbrief oft der einzige Weg, vor der Ehe zu kommunizieren. Die Briefe sind oft intim. Trotzdem galt es lange als Ritual, diese vor der ganzen Familie vorzulesen.

Der Liebesbrief ist wohl älter als unsere heutige Zeitzählung. So verfasste bereits Ovid (43 v. Chr.), in seinen jungen Jahren Liebesgedichte. Die heute geläufige Form des Liebesbriefs entwickelte sich seit dem 16. Jahrhundert, als Kaufleute während langer Abwesenheiten ihre Liebsten vermissten.

Taschentücher, Wände oder Chats: Die speziellsten Liebesbriefe

Dies lässt sich auch am ältesten der knapp 70'000 Liebesbriefe des Liebesbriefarchivs erkennen. Dieser stammt aus dem Jahr 1715. Die Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts gilt laut Eva L. Wyss, Sprachwissenschaftlerin und Gründerin des Liebesbriefarchivs, als Boom-Phase des Liebesbriefs: «In dieser Zeit war Liebesbriefschreiben Kult.»

Einerseits war der Brief damals das einzige Kommunikationsmittel, Telefone oder gar E-Mails gab es nicht, andererseits entwickelten sich zu dieser Zeit Rituale, in denen sich Liebespaare vor der Hochzeit gegenseitig Briefe schrieben.

Was ist das Liebesbriefarchiv?

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Das Liebesbriefarchiv umfasst aktuell knapp 70'000 Liebesbriefe. Der älteste Brief stammt aus dem Jahr 1715, der jüngste aus den letzten Wochen. Gegründet wurde das Liebesbriefarchiv von der Schweizer Sprachwissenschaftlerin Eva L. Wyss in Zürich. Heute hat das Archiv seinen Sitz an der Universität Koblenz in Deutschland.

Die Rollenverteilung war dabei klar: Der Mann geht aktiv und leidenschaftlich auf die Frau zu, diese antwortet zaghaft und verhalten. «Gesellschaftlich galt es im 18. und 19. Jahrhundert für Frauen als unüblich, ihre Leidenschaft öffentlich zu zeigen», sagt Eva Lia Wyss. Erst mit der 68er-Bewegung änderte sich das.

Briefe brauchen nicht zwingend Papier

Nicht selten wurden Liebesbriefe abends vor dem Kamin der ganzen Familie vorgelesen. Was geschrieben wurde, blieb nicht immer so geheim, wie es sich der Absender gewünscht hatte. Gewisse Paare wurden deshalb kreativ.

Einen Liebesbrief, bestehend aus Musiknoten.
Legende: Dieser Liebesbrief aus den 50er-Jahren ist ein Heiratsantrag, mit einer Kombination aus Musiknoten und Buchstaben. Da die Eltern in der Beziehung als Störfaktor galten, konnten die Heiratsabsichten so verschlüsselt übermittelt werden. Liebesbriefarchiv/LB_00002

Als ein Musiklehrer eine Affäre mit seiner jüngeren Schülerin anfing, nutzten die beiden in ihren Liebesbriefen keine Buchstaben, sondern Musiknoten. «So stellten sie sicher, dass die Eltern der jungen Frau keinen Verdacht schöpften. Diese hielten die Briefe wohl für Musikstücke», sagt Eva L. Wyss.

Dass Liebesbriefe zwingend Papier und Buchstaben brauchen, «ist ein Irrglaube», sagt Wyss. Im Liebesbriefarchiv befänden sich Liebesbriefe in den unterschiedlichsten Formen: auf Hauswände gemalt, auf Taschentücher gekritzelt oder mit Kreide auf den Boden geschrieben.

WhatsApp und Co. verdrängen Liebesbriefe

In der modernen Welt sind klassische Liebesbriefe rar geworden. «Heutzutage schreibt man kaum noch Briefe von Hand auf Papier. Wie die gesamte persönliche Kommunikation verlagerte sich auch die Liebeskommunikation ins Digitale. Man schreibt zwar mehr Nachrichten, dafür sind sie kürzer geworden», sagt Eva Lia Wyss.

Früher schmückte man Liebesbriefe mit Zeichnungen oder Blumen, diese Rolle haben heute Emojis.
Autor: Eva Lia Wyss Sprachwissenschaftlerin und Gründerin des Liebesbriefarchivs

Emojis spielen in der Liebeskommunikation eine immer grössere Rolle. Zu den beliebtesten zählen das Herz- und das Kuss-Emoji. «Früher schmückte man Liebesbriefe mit Zeichnungen oder Blumen, diese Rolle übernehmen heute Emojis», sagt Wyss.

Liebesbriefe gewinnen an Wert

Gemäss Wyss gewinnen klassische Liebesbriefe seit der Jahrtausendwende an Bedeutung: «Die wenigen Liebesbriefe, welche man heute noch schreibt, werden oft mit besonderer Kreativität und schöner Schrift verfasst. Dafür wird sich auch im Vergleich zu früher mehr Zeit genommen.»

Die Gründe, weshalb Liebesbriefe geschrieben werden, sind heute andere. Früher gab es keine anderen Möglichkeiten, um in Kontakt zu bleiben; heute wolle man mit einem klassischen Brief etwas Besonderes zum Ausdruck bringen. «Dadurch sind Briefe vielfach auch sehr kreativ geschrieben», sagt Wyss. Papier braucht der Liebesbrief deshalb nicht zwingend. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

SRF 1, 13.02.2026, Treffpunkt, 10:03 Uhr

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