Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Verkehr zu Ostern Stau am Gotthard: Könnte die «Alpenmaut» das Problem lösen?

An Festtagen oder in den Ferien staut sich der Verkehr am Gotthard auf mehreren Kilometern. Das Parlament will deshalb eine Transitgebühr einführen. Doch wie könnte diese Alpenmaut aussehen?

Stau, Stau und nochmals Stau: Wer über die Festtage mit dem Auto Richtung Süden fährt, kommt kaum um ihn herum. Insbesondere am Gotthard bilden sich zu Spitzenzeiten teils Staukolonnen über mehrere Kilometer.

Und die Problematik hat sich in den vergangenen Jahren zugespitzt: Zwischen 2012 und 2022 haben sich die Staustunden vor dem Gotthard verdreifacht.

Mautgebühr soll Dörfer am Gotthard entlasten

Eine «Alpenmaut» soll das Problem entschärfen: Nach dem Ständerat hat letzte Woche auch der Nationalrat eine entsprechende Motion angenommen. Ausländische Reisende sollen für die Durchfahrt der Schweiz eine Gebühr zahlen. Zu Spitzenzeiten machen sie bis zu 80 Prozent des Personenverkehrs durch die Alpen aus.

«Wenn das Verkehrsaufkommen auf der Nord-Süd-Achse hoch ist, fällt ein höherer Preis an und wenn wenig Verkehr herrscht, ein tieferer Preis», erklärt Simon Stadler. Für dieses dynamische Preismodell würden alle Grenzübergänge mit Kameras ausgestattet: Wer weniger als 12 Stunden in der Schweiz unterwegs ist, wird zur Kasse gebeten.

Mit der Gebühr möchte der Urner Mitte-Nationalrat nicht nur Staustunden reduzieren, sondern auch den Ausweichverkehr durch die Dörfer reduzieren. «Unsere Leute kommen nicht mehr zur Arbeit oder von der Arbeit nicht mehr nach Hause.»

GLP wehrt sich gegen Transitgebühr

Im Parlament fand die Idee der «Alpenmaut» breite Unterstützung – einzig die GLP lehnte sie ab. «Die Transitgebühr schiesst in die falsche Richtung: Sie möchte den Gesamtverkehr in der Schweiz entlasten und das hat aus unserer Sicht keine Wirkung auf den Gotthardstau, der alljährlich an Ostern anfällt», so GLP-Nationalrat Matthias Jauslin.

Die Transitgebühr verkenne das eigentliche Problem, dass zu viele Fahrzeuge auf den Strassen sind. Deshalb plädiert der Aargauer Nationalrat für ein ganzheitlicheres Verkehrskonzept: «Wir müssen uns überlegen, wie wir die Menschen auf die Schienen bringen oder dazu, ihre Fahrt zu verschieben oder gar nicht zu machen.»

Ähnliche Modelle in europäischen Städten

Wie viel diese Transitgebühr bringen würde, ist umstritten. Andere Länder kennen sogenannte Road-Pricing-Modelle bereits: Diese Gebühren kommen meist in Städten zum Einsatz, um den Verkehr zu Stosszeiten zu regulieren.

Wer täglich in eine Stadt pendelt, spürt das im Portemonnaie. Bei der Transitgebühr sei das anders, erklärt Verkehrsplaner Luca Urbani. «Beim Freizeit- und Ferienverkehr sind die Fahrten meist einmalig und der Effekt entsprechend kleiner.»

Höhe der Gebühr ist entscheidend

Deshalb müsse die «Alpenmaut» entsprechend hoch ausfallen, um eine Wirkung zu erzielen. Ein Beispiel: Fährt eine Familie von Frankfurt nach Florenz, kann sie auch auf den Brenner – das österreichische Pendant zum Gotthard – ausweichen.

Damit ausländische Reisende diesen Umweg auf sich nähmen, müsse die Gebühr entsprechend hoch sein. «Um eine Lenkungswirkung zu erzielen, müsste das Zweifache oder Dreifache diese Differenz sein, also mindestens 40 bis 60 Franken», so Luca Urbani.

Bis die «Alpenmaut» aber Realität wird, vergehen noch viele Staustunden. Der Bundesrat muss eine Vorlage ausarbeiten und sie dem Parlament nochmals vorlegen. Falls eine Verfassungsänderung nötig ist, kommt die Transitgebühr noch vors Volk.

Radio SRF 1, Forum, 2.4.2026, 10:05 Uhr

Meistgelesene Artikel