Appenzeller Spitzhauben, Wollschweine, Engadinerschafe: Traditionelle Schweizer Nutztierrassen sind unter anderem vom Aussterben bedroht, weil die Landwirtschaft fast ausschliesslich auf Hochleistungsrassen setzt.
Der Wandel der Landwirtschaft sei eine Bedrohung für alte Nutztierrassen. «Die Betriebe werden grösser und sie fokussieren sich auf wenige Hochleistungsrassen, die möglichst viel Ertrag bringen», sagt Maya Hiltpold, Projektleiterin Tiere bei der Stiftung Pro Specie Rara.
Wir verlieren dadurch genetische Vielfalt, die für die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft an zukünftige Herausforderungen, wie den Klimawandel, entscheidend ist.
Traditionelle Haltungsformen, in denen robustere, aber weniger produktive Rassen ihren Platz hatten, gebe es immer seltener.
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Bild 1 von 7. Der leichte Körperbau, das hübsche Federkleid und der ausgefallene Kopfschmuck vom Appenzeller Spitzhaubenhuhn lassen nicht unbedingt darauf schliessen, dass das Huhn perfekt an das Leben in Gebirgsregionen angepasst ist. Die Spitzhauben sind jedoch äusserst robust und widerstandsfähig. Bildquelle: zVg Pro Specie Rara.
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Bild 2 von 7. Das Wollschwein war einst in der Schweiz stark verbreitet. Wie viele andere Rassen geriet es in Vergessenheit und starb fast aus. Das Schwalbenbäuchige Wollschwein ist stressresistent und hat eine sehr gute Klimaverträglichkeit. Bildquelle: IMAGO / Zoonar.
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Bild 3 von 7. Das Schweizerhuhn trägt die Nationalfarben der Schweiz. Schweizerhühner sind langlebige und robuste Tiere, die auch frostige Nächte gut überstehen. Als Zweinutzungshühner lassen sich die Hähne mästen, während die Hennen pro Jahr ca. 120 Eier legen. Bildquelle: zVg Pro Specie Rara.
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Bild 4 von 7. Der ursprüngliche Job des Appenzeller Sennenhundes ist das Treiben von Kühen, deshalb wurde er früher auch «Triiberli» (Treiber) genannt. Diese lebhafte Schweizer Hunderasse ist gefährdet. Pro Specie Rara führt den «Bläss» als einzige Schweizer Hunderasse auf ihrer Rote Liste – die Zuchtbasis sei schmal geworden. Bildquelle: zVg Pro Specie Rara.
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Bild 5 von 7. Es ist das einzige Pferd, das seinen Ursprung direkt in der Schweiz hat: Der trittsichere Freiberger aus dem Jura. Früher zog er Pflüge und Kanonen, heute kämpft er um seinen Platz als Freizeitpartner. Bildquelle: zVg Pro Specie Rara.
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Bild 6 von 7. Das Rätische Grauvieh prägte jahrhundertelang die Berglandwirtschaft in Graubünden und im Tirol. Dann verschwand es fast völlig. Heute kehrt diese besondere Rinderrasse zurück – und mit ihr ein Stück alpine Identität. Das Rätische Grauvieh liefert exzellentes Fleisch und ist dabei extrem genügsam. Bildquelle: zVg Pro Specie Rara.
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Bild 7 von 7. Walliser Landschafe sind mit ihrer groben, langen Wolle gut gegen raue Bedingungen wie Nässe und Kälte geschützt. Die genügsamen Schafe sind ganzjährig fruchtbar und zeichnen sich durch unproblematische Geburten aus. Bildquelle: IMAGO / imagebroker .
Es sei riskant, weltweit und auch regional nur auf wenige Rassen zu setzen. «Wir verlieren dadurch genetische Vielfalt, die für die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft an zukünftige Herausforderungen, wie den Klimawandel, entscheidend ist», mahnt Maya Hiltpold. Zudem seien diese alten Rassen ein wichtiges Schweizer Kulturerbe, das per se einen Wert hat.
Es braucht die Vielfalt – sie ist die Versicherung in der Zukunft.
Wer Rätisches Grauvieh, Walliser Landschafe, Stiefelgeissen oder sonst eine gefährdete Nutztierrasse hält und vor dem Verschwinden bewahren will, tut das nicht nur der schönen Tiere wegen, sondern auch um ein Erbgut zu erhalten, das dereinst unter geänderten Bedingungen lebenswichtig sein könnte. «Es braucht die Vielfalt – sie ist die Versicherung in der Zukunft», sagt Hiltpold.
Saaser Mutte – das Schaf mit den langen Hängeohren
Pro Specie Rara setzt sich für den Erhalt alter Nutztierrassen ein und konzentriert sich dabei auf traditionelle Rassen, die gefährdet sind und einen Bezug zur Schweiz haben. 38 Rassen stehen derzeit auf der Liste der Stiftung. Gibt es bereits eine Zuchtorganisation, unterstütze sie diese. Gibt es keine, sucht Pro Specie Rara selber aktiv nach den letzten verbleibenden Tieren einer Rasse.
Ein Beispiel ist die Saaser Mutte. Pro Specie Rara wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es im Wallis eine lokale Population von speziellen, verschiedenfarbigen Schafen mit langen Ohren gibt. Nach einem Gespräch mit den Züchtern konnte Pro Specie Rara die Tiere registrieren. Zusammen mit den Haltern werde nun eine Erhaltungszucht der Saaser Mutte aufgebaut.
Solche Züchter sind extrem wichtig, denn sie seien es, die schlussendlich die Tiere halten und weiterzüchten. «Ohne sie geht es nicht», sagt Maya Hiltpold. Wichtig sei aber auch, dass sich die Produkte ihrer Tiere, wie Fleisch oder Käse, gut verkaufen. Das helfe ihnen, die Zucht weiterzuführen.
Einfluss der Konsumentinnen und Konsumenten
Um die Vielfalt der Nutztierrassen zu erhalten, stehen auch Konsumentinnen und Konumenten in der Pflicht. Wer gezielt Produkte von seltenen Rassen kaufe, trage dazu bei, den Bestand zu sichern. Fleisch ist nicht einfach Fleisch. Es macht einen Unterschied, ob es von einem Engadinerschaf oder einer anonymen Hochleistungsrasse stammt, meint Hiltpold. Wenn die Züchter die Produkte ihrer Tiere gut verkaufen können, ist es für sie auch einfacher, die Rasse weiter zu züchten.
Man könne die Tiere auf den Höfen auch besuchen und so die Arbeit der Züchter direkt unterstützen. Wer genügend Platz hat, kann sogar selbst Tiere halten, zum Beispiel Hühner. Wichtig sei, die Tiere dann beim zuständigen Rasseverein zu registrieren, um die Zucht zu sichern, sagt Maya Hiltpold.