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Wandel der Landwirtschaft Seltene Schweizer Rassen gefährdet – Vielfalt in Gefahr

Viele traditionelle Schweizer Nutztierrassen sind vom Aussterben bedroht. Maya Hiltpold von der Stiftung Pro Specie Rara erklärt, weshalb die Vielfalt ein Schatz ist, den es zu erhalten gilt.

Appenzeller Spitzhauben, Wollschweine, Engadinerschafe: Traditionelle Schweizer Nutztierrassen sind unter anderem vom Aussterben bedroht, weil die Landwirtschaft fast ausschliesslich auf Hochleistungsrassen setzt.

Der Wandel der Landwirtschaft sei eine Bedrohung für alte Nutztierrassen. «Die Betriebe werden grösser und sie fokussieren sich auf wenige Hochleistungsrassen, die möglichst viel Ertrag bringen», sagt Maya Hiltpold, Projektleiterin Tiere bei der Stiftung Pro Specie Rara.

Wir verlieren dadurch genetische Vielfalt, die für die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft an zukünftige Herausforderungen, wie den Klimawandel, entscheidend ist.
Autor: Maya Hiltpold Projektleiterin Tiere, Stiftung Pro Specie Rara

Traditionelle Haltungsformen, in denen robustere, aber weniger produktive Rassen ihren Platz hatten, gebe es immer seltener.

Es sei riskant, weltweit und auch regional nur auf wenige Rassen zu setzen. «Wir verlieren dadurch genetische Vielfalt, die für die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft an zukünftige Herausforderungen, wie den Klimawandel, entscheidend ist», mahnt Maya Hiltpold. Zudem seien diese alten Rassen ein wichtiges Schweizer Kulturerbe, das per se einen Wert hat.

Es braucht die Vielfalt – sie ist die Versicherung in der Zukunft.
Autor: Maya Hiltpold Projektleiterin Tier, Stiftung Pro Specie Rara

Wer Rätisches Grauvieh, Walliser Landschafe, Stiefelgeissen oder sonst eine gefährdete Nutztierrasse hält und vor dem Verschwinden bewahren will, tut das nicht nur der schönen Tiere wegen, sondern auch um ein Erbgut zu erhalten, das dereinst unter geänderten Bedingungen lebenswichtig sein könnte. «Es braucht die Vielfalt – sie ist die Versicherung in der Zukunft», sagt Hiltpold.

Saaser Mutte – das Schaf mit den langen Hängeohren

Pro Specie Rara setzt sich für den Erhalt alter Nutztierrassen ein und konzentriert sich dabei auf traditionelle Rassen, die gefährdet sind und einen Bezug zur Schweiz haben. 38 Rassen stehen derzeit auf der Liste der Stiftung. Gibt es bereits eine Zuchtorganisation, unterstütze sie diese. Gibt es keine, sucht Pro Specie Rara selber aktiv nach den letzten verbleibenden Tieren einer Rasse.

Schafe mit hellem und dunkelbraunem Fell und langen Ohren.
Legende: Das Saaser Mutte-Schaf hat die längsten Ohren unter den Schafen. Knapp 400 Tiere gab es 2014. Jetzt nimmt der Bestand langsam wieder zu. zVg Pro Specie Rara

Ein Beispiel ist die Saaser Mutte. Pro Specie Rara wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es im Wallis eine lokale Population von speziellen, verschiedenfarbigen Schafen mit langen Ohren gibt. Nach einem Gespräch mit den Züchtern konnte Pro Specie Rara die Tiere registrieren. Zusammen mit den Haltern werde nun eine Erhaltungszucht der Saaser Mutte aufgebaut.

Solche Züchter sind extrem wichtig, denn sie seien es, die schlussendlich die Tiere halten und weiterzüchten. «Ohne sie geht es nicht», sagt Maya Hiltpold. Wichtig sei aber auch, dass sich die Produkte ihrer Tiere, wie Fleisch oder Käse, gut verkaufen. Das helfe ihnen, die Zucht weiterzuführen.

Einfluss der Konsumentinnen und Konsumenten

Um die Vielfalt der Nutztierrassen zu erhalten, stehen auch Konsumentinnen und Konumenten in der Pflicht. Wer gezielt Produkte von seltenen Rassen kaufe, trage dazu bei, den Bestand zu sichern. Fleisch ist nicht einfach Fleisch. Es macht einen Unterschied, ob es von einem Engadinerschaf oder einer anonymen Hochleistungsrasse stammt, meint Hiltpold. Wenn die Züchter die Produkte ihrer Tiere gut verkaufen können, ist es für sie auch einfacher, die Rasse weiter zu züchten.

Karte der Vielfalt

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Damit sich Konsumentinnen und Konsumenten orientieren können, gibt es eine «Karte der Vielfalt» von Pro Specie Rara. Dort sind Betriebe mit einem Gütesigel aufgeführt, die Produkte von alten Rassen anbieten.

Man könne die Tiere auf den Höfen auch besuchen und so die Arbeit der Züchter direkt unterstützen. Wer genügend Platz hat, kann sogar selbst Tiere halten, zum Beispiel Hühner. Wichtig sei, die Tiere dann beim zuständigen Rasseverein zu registrieren, um die Zucht zu sichern, sagt Maya Hiltpold.

Radio SRF 1, 05.01.2026, 11:15 Uhr ; 

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