Schlafmützen aufgepasst: In der Nacht auf Sonntag werden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Doch die Umstellung auf die Sommerzeit ist mehr als nur eine verlorene Stunde Schlaf: Hier kommen sechs kuriose Fakten – von unruhigen Kühen bis hin zu doppelten Zügen.
1. Umstellung führt zu «Müeh mit de Chüeh»
Die Umstellung der Uhren fordert den natürlichen Biorhythmus der Menschen – aber auch jenen der Kühe: Aufgrund der fehlenden Stunde produzieren sie beispielsweise weniger Milch.
Einige Höfe verschieben das Melken deshalb täglich um ein paar Minuten, um die Kühe in den Tagen davor auf die Zeitumstellung vorzubereiten.
Dieser Aufwand löste schon in den 80er-Jahren eine politische Kontroverse aus: Als der Bundesrat die Sommerzeit einführen wollte, verhinderten Landwirte dies mit einer Volksinitiative. Bereits ein halbes Jahr später machte das Parlament den Entscheid rückgängig, weil es den internationalen Bahnverkehr verkomplizierte.
2. Die Schweiz war eine Zeitinsel
Im Frühling 1916 führten Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich-Ungarn die Sommerzeit ein, um während des Ersten Weltkriegs Energie zu sparen. Die Schweiz entschied sich dagegen – was sie zu einer Insel der Nicht-Sommerzeit machte.
Das führte zu kuriosen Situationen: Grenzüberschreitende Pendlerinnen und Pendler mussten ständig die Uhren umstellen, Reisende verpassten Anschlusszüge in Frankreich oder Deutschland, weil diese dort bereits zur Sommerzeit abgefahren waren.
1941 und 1942 führte die Schweiz erstmals die Sommerzeit ein. Da der Bundesrat die Energie-Einsparungen für zu gering befand, schaffte er sie aber vorerst wieder ab. Erst 1981 führte die Regierung die Sommerzeit offiziell ein, um sich an die Nachbarländer anzupassen.
3. Nachtzüge fallen aus
Die Umstellung auf Sommerzeit hat auch Auswirkungen auf den Fahrplan der SBB: Nachtzüge mit Abfahrt zwischen 2 und 3 Uhr fallen aus, internationale Nachtzüge kommen eine Stunde später in der Schweiz an – so Mediensprecher Reto Schärli auf Anfrage.
Umgekehrt müssen Nachtzüge bei der Zeitumstellung im Oktober doppelt fahren – einmal zur Sommer- und einmal zur Winterzeit.
4. Chris Martin und die Sommerzeit
Der britische Bauunternehmer William Willet gilt als offizieller Erfinder der Sommerzeit. Die Idee kam ihm bei einem morgendlichen Ausritt, als er die vielen noch geschlossenen Fensterläden sah.
Sein Vorschlag war, die Uhren im April und September jeweils an vier Sonntagen schrittweise vor- und zurückzustellen – um Beleuchtungskosten zu sparen. Der Vorschlag setzte nicht durch, dafür setzte sich sein Ururenkel Chris Martin für eine entsprechende Gedenktafel ein.
5. Spitaleintritte nehmen zu
Sogar die Spitäler spüren die Umstellung auf die Sommerzeit: Eine Analyse des Bundes zeigt, dass am Tag danach jeweils 6.5 Prozent mehr Menschen auf der Notfall-Station landen.
Die Zunahme betrifft hauptsächlich Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Die Zeitumstellung sorgt also wortwörtlich für Schwindel.
6. Marokko stellte die Uhr viermal um
Marokko war lange ein Sonderfall in Bezug auf die Zeitumstellung. Fiel der Ramadan auf die Sommerzeit, hob man sie für die Fastenzeit auf, damit die Sonne früher unterging. Danach führte man sie wieder ein.
So stellte man die Uhren viermal im Uhr um – bis Marokko die Zeitumstellung 2018 abschaffte und die Sommerzeit dauerhaft einführte. Die Zeitumstellung in Zuge des Ramadans ist aber geblieben.