Wenn die Tulpen spriessen, dann ist die kalte Jahreszeit Geschichte: Das Meer aus Farben lässt den Winter vergessen. In den Niederlanden erreicht dieses Schauspiel Mitte April seinen Höhepunkt. In Bollenstreek, der Gegend zwischen den Städten Leiden und Harleem, kennt der Blumenregenbogen kein Ende: Die flachen Niederlande, so scheint es, werden zum einem endlosen Farbenteppich.
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Bild 1 von 7. Der Tulpentourismus ist in den Niederlanden zu einem wichtigen Faktor geworden. Bildquelle: Depositphotos/Ppohudka.
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Bild 2 von 7. Jedes Jahr reisen weit über eine Million Personen in die Niederlande, um Tulpenwanderungen oder Ausfahrten in den Tulpenfeldern zu unternehmen. Bildquelle: Depositphotos/Jan Kranendonk.
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Bild 3 von 7. Tulpen, so weit das Auge reicht: Die Niederlande produzieren über zwei Milliarden jedes Jahr. Bildquelle: Depositphotos/Jan Kranendonk.
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Bild 4 von 7. Ein Zugpferd des Tulpentourismus ist der Keukenhof. Auf 32 Hektaren um das ehemalige Jagdschloss werden sieben Millionen Tulpen angepflanzt. Bildquelle: Depositphotos/Olena Holianska.
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Bild 5 von 7. Tulpen sind ein Niederländischer Exportschlager. Über 80 Prozent der weltweiten Lieferungen stammen aus den Niederlanden. Bildquelle: KEYSTONE/EPA/KOEN SUYK.
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Bild 6 von 7. Die Farbvielfalt ist überwältigend. Trotzdem gibt es nicht alle Farben: Schwarze Tulpen gibt es bis heute nicht, genauso wie solche mit grüner Farbe. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Christophe Gateau.
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Bild 7 von 7. In Bollenstreek sind die Bedingungen für Tulpen perfekt. Die Tulpensaison dauert von Mitte März bis Mai. Bildquelle: Depositphotos/O.Rohulya.
Immer wieder aufs neue fasziniert von der Zwiebelblume ist Hans Bieri. Er hat bereits rund 25 mal Reisegruppen in die Niederlande begleitet. «Jedes Jahr gibt es neue Farben, neue Blumen, neue Arrangements», so Bieri. «Man kann gar nie alles gesehen haben.»
Milliarden Tulpen, Millionen Touristen
Die Blume ist für die Niederlande ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden. Primär im Verkauf: Das Land ist der grösste Produzent der Welt, die klimatischen Bedingungen sind perfekt. Mit über zwei Milliarden Tulpen kommen 80 Prozent der weltweiten Produktion aus den Niederlanden.
Aber auch der Tulpentourismus ist ein Faktor. Pro Jahr kommen bis zu 1.7 Millionen Touristen, die Tulpen sehen wollen. Ein Zugpferd ist der Keukenhof. Auf den Ländereien des ehemaligen Jagdschlosses werden rund 800 verschiedene Arten ausgesät. «1950 wurde die erste Ausstellung eröffnet. Es kamen damals schon 240'000 Personen», sagt Bieri. Im Jahr 2014 sei das erste mal die Millionenmarke erreicht worden.
Tulpenfest am Genfersee
Der Personenandrang konzentriert sich auf acht Wochen von Mitte März bis Mai, es kann also eng werden auf dem Keukenhof. Entspannter und überschaubarer ist die Tulpenschau in der Schweiz. In Morges am Genfersee findet im selben Zeitraum das Fête de la Tulipe statt. Der Eintritt ist gratis, und es gibt über 140'000 Tulpen und andere Blumen zu sehen.
Die Tulpen wachsen nämlich auch in der Schweiz. So zum Beispiel in Zuzwil SG. Immerhin vier Millionen Tulpen werden hier von der Firma Rutishauser in vierter Generation produziert. Die Zwiebeln stammen aus den Niederlanden. Aber anders als dort wachsen diese nicht in sandiger Erde – sie wachsen sogar gar nicht in der Erde, sondern im Wasser.
Wassertulpen aus der Ostschweiz
«Wir haben vor zehn Jahren umgestellt, weil es Ressourcen schont», sagt Geschäftsführer Bruno Rutishauser. Das Wasser sei in einem geschlossenen Kreislauf und werde nach jeder Bewässerung gefiltert. «Es ist auch vom Gewicht her eine wesentlich einfachere Arbeit», sagt Rutishauser.
Ostschweizer Wassertulpen
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Bild 1 von 5. Die Blumenzwiebeln werden von Hand eingepflanzt. Bildquelle: Rutishauser AG.
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Bild 2 von 5. Rund vier Millionen Tulpen wachsen in den Gewächshäusern in Zuzwil. Bildquelle: Rutishauser AG.
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Bild 3 von 5. Die Tulpen wachsen nicht im sandigen Boden, sondern im Wasser. Das schon Ressoucren. Bildquelle: Rutishauser AG.
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Bild 4 von 5. Das Pflanzen und Ernten der Tulpen bedeutet viel Handarbeit. Auch die Sträusse werden von Hand gebunden. Bildquelle: Rutishauser AG.
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Bild 5 von 5. Schweizer Tulpen gelten als widerständfähiger als jene aus den Niederlanden. Sie werden bei tieferen Temperaturen herangezogen. Bildquelle: Rutishauser AG.
Auch wenn keine Säcke mit Erde geschleppt werden müssen, steckt viel Handarbeit im Tulpengeschäft. Das Pflanzen, Ernten und Sträusse binden braucht Ausdauer und Know-how.
Robuster als niederländische Blumen
Es gibt nicht nur Unterschiede beim Untergrund. Die Schweizer Tulpenproduzenten setzen in den Gewächshäusern auf tiefe Temperaturen von 12 bis 15 Grad. «Das gibt einen sehr kompakten Zellaufbau, und die Kulturzeit dauert etwa 50 Prozent länger», sagt Rutishauser. Die Kulturzeit ist die Dauer von der Aussaat bis zur Ernte.
Die Tulpen seien dadurch länger haltbar. Diese Qualität ist für die Schweizer Hersteller laut Rutishauser wichtig, um überhaupt einen Marktanteil zu finden, denn: Niederländische Tulpen werden auch in der Schweiz massenhaft verkauft. An der Dominanz der «tulp» führt kein Weg vorbei.