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Zürcher Wildschweinravioli Zürcher Jäger spannt mit Pastaproduzentinnen zusammen

Ein Spitzenkoch und Jäger schiesst ein Wildschwein, Pastamacherinnen verarbeiten es zu Teigtaschen. So entstehen regionale Ravioli in Zürich.

Es ist stockfinster in den frühen Morgenstunden im Zürcher Jagdrevier. Chefkoch und Jäger Markus Furtner legt seine Flinte und das Nachtsichtgerät in den Kofferraum seines Pick-up-Trucks neben den noch warmen Kadaver eines Wildschweins.

Er schliesst die Heckklappe des Wagens mit der Aufschrift «Jagdaufsicht». Die Wildschweinjagd ist vorbei.

Aus dem Wildschwein wird Raviolifüllung

«Es ist emotional, wenn man ein Tier tötet», sagt Furtner. Es sei aber auch ein Privileg, das Jäger haben – und die ehrlichste Art, Fleisch zu konsumieren. «Kein Stall, keine Medikamente und einen sehr kurzen Transportweg», sagt der Jäger und ergänzt: «Mehr Bio und gesünderes Fleisch gibt es eigentlich nicht.»

Mann in schwarzem Hemd neben einem grossen Tierfell in einem Kellerraum
Legende: Markus Furtner mit der Ausbeute seiner Jagd. Beim Chefkoch zu Hause gibt es, wenn Fleisch aufgetischt wird, eigentlich nur Wildfleisch. SRF / Milena Burch

Mit dem Ende der Jagd beginnt nach der fachgerechten Kontrolle des Fleisches das Verarbeiten der Wildsau.

Die Fleischschau fängt beim Jagen an

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Ob das Fleisch vom Schwarzwild für den Menschen geniessbar und gesundheitlich unbedenklich ist, entscheidet sich bereits beim Jagen: «Wie kommt das Wildschwein daher, wie verhält es sich?» Dies seien bereits Indikatoren, die Auskunft über die Gesundheit des Tieres geben könnten, sagt Furtner. Die Wildbrethygiene wird durch die jeweiligen Kantone beziehungsweise die Gesundheitsdirektionen definiert.

Im Kanton Zürich werden nach dem Erlegen des Tieres die Organe durch den Jäger oder die Jägerin geprüft. Falls diese auffällig erscheinen, kommt der amtliche Tierarzt und begutachtet den Kadaver.

Die Trichinenuntersuchung ist in jedem Fall obligatorisch und wird in Zürich über das Veterinäramt am Tierspital durchgeführt.

Das Fleisch vom Schwarzwild verarbeitet Chefkoch Furtner im Restaurant «Didi's Frieden»: Die Schulterstücke werden mit Gemüse und viel Rotwein geschmort und zu einer Raviolifüllung verarbeitet.

Koch rührt in grossem Topf in einer Restaurantküche.
Legende: Sein Tag beginnt im Betrieb als Küchenchef um 8 Uhr und endet oft erst frühmorgens um 3 Uhr – nach der Jagd. Eine kurze Nacht für Markus Furtner. SRF / Milena Burch

Für gelungene Ravioli ist aber laut dem Chefkoch vor allem auch die Teigdicke matchentscheidend. Hier kommt eine unweit vom Restaurant gelegene familiäre Pastamanufaktur ins Spiel.

Kreative Chaotin trifft Perfektionistin

In der «Bottega Fontana» läuft die Pastateigmaschine auf Hochtouren. Und das schon seit über 36 Jahren. Im Mai 1989 eröffnete Patrizia Fontana, «noch grün hinter den Ohren», ihren Delikatessenladen in Zürich.

Person verpackt Teigwaren in der Sonne am Fenster.
Legende: Schon in der Kindheit wurde Patrizia Fontana mit der norditalienischen Küche sozialisiert, beispielsweise durch die Gnocchivariationen ihrer Grossmutter oder den Risotto ihres Mailänder Vaters. SRF / Milena Burch

Die Spezialitäten: Ravioli, Gnocchi und andere norditalienische Traditionsgerichte. Beigebracht hat sie sich das Handwerk mehr oder weniger in Eigenregie.

Ihr Geschäft war seit Ende der 1980er-Jahre ihr «Baby». Vor rund sieben Jahren übergab sie infolge einer Krebserkrankung die Geschäftsleitung übergangsweise an ihr «richtiges» Baby, das zu diesem Zeitpunkt bereits eine 19-jährige Frau war: ihre Tochter Olivia Fontana. Patrizia kehrte nach einiger Zeit dann voller Tatendrang zurück.

Zwei Frauen in einer Küche lächeln.
Legende: Geschäftsführerin Olivia Fontana mit ihrer Mutter Patrizia in der Raviolimanufaktur in der «Bottega Fontana». SRF / Milena Burch

Seit letztem Jahr, als Olivia die Geschäftsleitung übernommen hat, ist die Mutter Mitarbeiterin in «beratender Stellung» bei ihrer Tochter. Olivia hat zwischenzeitlich viele Prozesse modernisiert und fest im Griff. Ausser bei der Ravioliherstellung: Dort redet die Mutter – sehr erwünscht – noch immer aktiv mit.

Olivia Fontana: vom Werbefilm- zum Ravioli-Director

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Person mit verschränkten Armen vor einem Kühlregal mit Produkten.
Legende: Olivia Fontana übernimmt im Jahr 2025 die Geschäftsleitung des Spezialitätenladens ihrer Mutter Patrizia. SRF / Milena Burch

«Als Kind wollte ich Regisseurin werden», sagt Olivia Fontana. Bevor sie dann das Familiengeschäft übernahm, war Olivia in einer Werbefilmagentur beschäftigt. Ein Beruf, der ihr eigentlich sehr gefallen hat. Dann kam die grosse Veränderung: «Ich war mit 19 Jahren die Chefin von neun Personen, die doppelt so alt waren wie ich.»

Bereuen tut Olivia Fontana aber nichts. Sie habe viel über sich selber gelernt und viel Selbstbewusstsein gewonnen.

Denn die Mutter sei, so Olivia Fontana, eher eine kreative Chaotin, und sie, die Tochter, eher Perfektionistin. Eine Dynamik, die sich nicht widerspricht, sondern mittlerweile gut eingespielt ist und dem Betrieb hilft.

Frisch, saisonal und simpel

«Die Leidenschaft der Italiener liegt in der Küche», das hat Patrizia Fontana schon als Kind mitbekommen. Manchmal sehe sie ein Stück Fleisch oder ein spezielles Gemüse und überlege sich: «Wie packe ich das in die Ravioli?» Die Rezeptideen stehen und fallen mit den «Rohstoffen», die Fontana inspirieren.

«Unsere Ravioli haben wenig Zutaten – aber diese in bester Qualität», sagt Geschäftsführerin Olivia Fontana. Auch beim Fleisch wird darauf geachtet, nur die beste Qualität zu verarbeiten, wie beispielsweise Markus Furtners Wildschweinfleisch.

Ravioli mit Schaumsosse und Thymian auf Teller
Legende: Gejagt, geschlachtet, gekocht, zu Ravioli verarbeitet und mit einem Wildschweinsaltimbocca angerichtet: Fertig ist die Raviolikreation von Furtner und Fontana. SRF / Milena Burch

Die Ravioli vom Mutter-Tochter-Gespann finden sich auf Speisekarten von Gourmetrestaurants in der ganzen Stadt Zürich wieder. So auch im «Didi's Frieden», wo die fertigen Wildschweinravioli von Olivia Fontana wieder in Markus Furtners Kochtöpfen und auf den Tellern von Gästen landen.

Radio SRF 1, A Point, 10.4.2026, 17:20 Uhr ; herb

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