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SRF Kulturclub Auf Spuren von Else Lasker-Schüler (ausgebucht)

Die Faszination für Else Lasker-Schüler hält an. Bewundern wir heute ihr poetisches Werk, so bewunderten ihre Zeitgenossen darüber hinaus auch die Dichterin selbst. Mit Mut und Tapferkeit, einer Gabe zur Freundschaft und zähem Willen bahnte sie sich ihren Weg. Dieser führte mehrfach nach Zürich.

Im Exil in der Schweiz

«Wo soll ich hin, wenn kalt der Nordsturm brüllt?» Die berühmte deutsche Lyrikerin (1869–1945) ist 64 Jahre alt und mittellos, als sie 1933 nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland in Zürich eintrifft. Wohin? – in ein unbeheiztes Zimmer im Augustinerhof, ins Café Terrasse, ins Cinema Nord-Süd. Sie hält Lesungen, verkauft ihre Zeichnungen, bezahlt mit Bonbons. Immerhin kann sie in der Limmatstadt an langjährige Verbindungen
anknüpfen.

Foto einer Frau.
Legende: Else Lasker-Schüler, 1907. Wikimedia

Als sie 1917 zum ersten Mal nach Zürich kommt, sucht sie für ihren kranken Sohn Paul medizinische Hilfe. Auch fürchtet sie, dass der Achtzehnjährige zum Krieg eingezogen wird. Zwei Ehen liegen hinter ihr. Jung hat sie den Arzt Berthold Lasker geheiratet, nicht zuletzt, um aus Wuppertal fort nach Berlin zu kommen. In der Grossstadt im Aufbruch schliesst sie sich zielstrebig den Künstlerkreisen an.

Sie nimmt Zeichenunterricht und hat ihr eigenes Atelier. In Zeitschriften werden erste Gedichte abgedruckt, 1901 erscheint der erste Gedicht band in einem Berliner Verlag. An der Seite ihres zweiten Mannes, des Schriftstellers Herwarth Walden, lebt sie mitten in der Gemeinschaft von expressionistischen Künstlern und Intellektuellen. Ihre Gedichte und Balladen, ihre Zeichnungen und vor allem ihre Auftritte festigen ihren Ruf als Exzentrikerin.

Doch schon mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges verändert sich ihre persönliche Situation schlagartig. Sie verliert Freunde und Publikationsmöglichkeiten. Mit Fantasie und Ausdauer, mit Hartnäckigkeit und Charme entwickelt sie wahre Überlebensstrategien. So knüpft sie schon 1917 in Zürich dauerhafte Kontakte zu Zeitungsredakteuren, Künstlern und vermögenden Personen.

Der Streifzug im Überblick

  • Dienstag, 26. November 2019
  • Preis pro Person: CHF 119.–
  • Anmeldeschluss: 28.10.2019

Hier geht es zur Online-Anmeldung für den Streifzug (ausgebucht)

Zurück in Berlin schreibt sie an Eduard Korrodi, den Feuilletonchef der NZZ: «Vielleicht tun Sie mir den grossen Gefallen, den Herrn Bundesrat so im Vorbeigehen zu fragen, ob ich wieder in die Schweiz kommen darf? Die Möven vom Zürchersee schreiben mir so sehnsüchtige Briefe, und ich sehne mich nach den weissen Vögeln (…). Wär’ ich doch eine Möve! Ich brauchte nicht auf mein Visum zu warten.» Trotz verstärkter Grenz- und Inlandkontrollen kehrt Else Lasker-Schüler in den 1920er Jahren mehrfach nach Zürich zurück, allein schon ihres kranken Sohnes wegen.

Eine einschneidende Begegnung

Im Tessin, in Zürcher Kliniken und in Davos sucht er Heilung von seiner Tuberkulose: vergeblich, Paul stirbt 1927 im heimatlichen Berlin. Nach ihrer Flucht im April 1933 von Berlin nach Zürich lernt Else Lasker-Schüler noch im selben Jahr einen jungen Mann kennen, der sie zweifellos an ihren Sohn erinnert: Emil Raas (1910–1993).

Der Jurastudent hat sie zu einer Lesung nach Bern eingeladen. Ein nächtlicher Spaziergang durch die «wunderalte Stadt Bern» ist der Auftakt zu einer lebenslangen Freundschaft. Über 200 Briefe tauschen die beiden aus, bis die Dichterin 1945 in Jerusalem stirbt.

Alte schwarz-weiss-Fotografie: ein Mann mittleren Alters mit dunklen Haaren im Anzug.
Legende: Emil Raas. Familienbesitz Raas.

Emil Raas hilft der jüdischen Dichterin im Schweizer Exil als Jurist und als Freund. Sie wiederum weckt in dem jungen Mann die Leidenschaft für Literatur und Kunst. Wie einschneidend diese Begegnung für Emil Raas war, erzählt uns dessen Enkelin Noëmi Gradwohl.

Die SRF-Kulturredaktorin hat in ihrer preisgekrönten Sendung die enge Verbindung zwischen ihrem Grossvater und der grossen Lyrikerin erforscht. Nach dem Spaziergang auf den Spuren von Else Lasker-Schüler durch die Zürcher Altstadt nähern wir uns im Gespräch mit Noëmi Gradwohl dieser ungewöhnlichen Freundschaft auf sehr persönliche Weise. Ausschnitte aus dem Feature «Else Lasker-Schüler und mein Grossvater. Eine Familiengeschichte» werden eingespielt.

Konzipiert und begleitet wird der Streifzug von Martina Kuoni, Link öffnet in einem neuen Fenster, Germanistin und Literaturvermittlerin, Basel.

Programm

  • Individuelle Anreise nach Zürich
  • 13.30 Uhr Begrüssung beim Eingang zum Kunsthaus Zürich
  • 13.40 Uhr Spaziergang auf Spuren von Else Lasker-Schüler
  • 15.15 Uhr Imbiss im Restaurant Karl der Grosse
  • 16.00 Uhr Gespräch mit Noëmi Gradwohl, Redaktorin Kultur & Gesellschaft
    Radio SRF 2 Kultur
  • 17.30 Uhr Ende der Veranstaltung