Ihre Songs bestechen durch eingängige Melodien, Wortwitz und treffende Alltagsbeobachtungen. Auf ihrem neuen, sechsten Studioalbum «Krise als Chanson» geht es jedoch nicht um die Vorwahl eines Mobiltelefonanbieters oder eine Unbekannte im roten Kleid.
Stattdessen behandeln Lo & Leduc dieses Mal ernstere Themen: Krieg, die Rolle der Schweiz in der Rüstungsindustrie, die Klimakrise oder die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Es sei ihr direktestes Album, sagen die beiden Berner im Interview.
Direkt auch mit sich selbst: Es ist so etwas wie ein Ringen mit sich und der Welt – aber vielleicht wird genau dieses Ringen plötzlich zum Tanz.
«Musik muss gar nicht politisch sein», antwortet Luc auf die Frage, wie politisch Musik heutzutage sein soll, darf oder muss. «Aber man muss sich bewusst sein, dass auch Schweigen ein Statement ist», so Leduc weiter.
«Eine Krise ist eine Krise» – keine Chance
Lo & Leduc besingen die Krise, die wir weltweit spüren. Dabei widersetzen sie sich der Vorstellung von «Krise als Chance». Eine Krise sei keine Chance – «eine Krise ist eine Krise», sagt Leduc. Diese gelte es anzuerkennen, zu erleben und mit ihr umzugehen. Und genau dieser Umgang finde sich auch im Lied, im Chanson, führt Lo weiter. «Deshalb der Albumtitel ‹Krise als Chanson›.»
Doch woher diese plötzliche Dringlichkeit, schwere Themen aufzugreifen? Die aktuelle Weltlage habe hier natürlich eine Rolle gespielt, so Lo & Leduc, aber nicht nur. Da sei auch der Wunsch gewesen, ein durchlässigeres, verletzlicheres Album zu schreiben.
Wenn wir an irgendeinem ‹z’Nachttisch› ein Gespräch anregen können, bin ich sehr glücklich.
Lo & Leduc halten den Hörerinnen und Hörern mit lyrischen Texten den Spiegel vor. Was aber machen sie selbst gegen die Missstände auf dieser Welt? «So plakativ es klingt: Es gibt nur das Gemeinsame, das Teilen mit Menschen, die einem nahestehen. Sei es, um schwierige Phasen zu überstehen, sich abzulenken oder sich zu engagieren. Deshalb geht es auf dem Album vor allem um Beziehungen», so Los Antwort.
«079» – der Megahit: Fluch oder Segen?
Dabei hätten sie auch einfach an ihren Megahit «079» oder an Songs wie «Ig o» oder «Jung verdammt» anknüpfen und leichtere Kost liefern können.
«079» war schliesslich ein Riesenerfolg: 21 Wochen lang und ohne Unterbruch auf Platz 1 der Schweizer Hitparade. Das hat noch kein anderer Song geschafft.
«Der Song ist immer noch eine Schatzkiste an Geschichten für uns», sagt Lo. Er erzählt von Liebesgeschichten bis hin zu Menschen, denen dank dieses Songs vielleicht das Leben gerettet wurde. «Es hat uns jemand erzählt, dass er dank ‹079› wusste, wen er nach einem Velounfall anrufen muss.»
Man weiss ja im Vorherein nie, welcher Song fliegen wird. Wenn es einer tut, dann ist das ein unglaubliches Gefühl.
Lo & Leduc sind sich beide einig: «Es ist ein Segen, solch einen Hit im Repertoire zu haben.»
Lo in neuer Vater-Rolle
Für einen der beiden prägen aktuell nicht nur das neue Album, sondern auch eine neue Rolle sein Leben: Lo wurde im letzten Spätsommer Vater. Ob dies wohl den Albumprozess beeinflusst hat?
Während Lo noch nach Worten sucht, meint Leduc strahlend: «Du hast gesprudelt vor Ideen, das war so schön.» Lo ergänzt: «Es gibt kein Zurück, unweigerlich ist nun alles geprägt von diesem verändernden Ereignis in meinem Leben.»