Emoticons: Keinesfalls das Ende der Sprache :-)

Kulturpessimisten sehen in Emoticons das Ende der kultivierten Sprache. Smileys :-) und ähnliche (-_-)Zzz Zeichen seien nur etwas für Leute, die sich schriftlich nicht verständlich ausdrücken können. Linguisten sehen das mitunter anders.

«Emoticons erfüllen die wichtige Funktion der nonverbalen Kommunikation in der elektronischen Kommunikation.» Das erklärt Christa Dürscheid, Professorin am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Sie beschäftigt sich eingehend mit der elektronischen Kommunikation, etwa in der Monographie «Wie Jugendliche schreiben».

Schnelles Hin-und-Her

Der rein schriftlichen Sprache fehle der nonverbale Anteil, so Dürscheid – in der gesprochenen Sprache jedoch ist er ein wesentliches Element. Um Gefühlszustände wie Freude oder Ärger zu transportieren, müssen in der elektronischen Kommunikation Smileys in die Bresche springen.

Im Gegensatz zur Kommunikation per Brief oder dem Text eines Buches tauscht man per Email, Chat und SMS seine Nachrichten sehr schnell aus. Sie ähneln dadurch dem direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Die nonverbalen Anteile der Sprache werden deshalb mehr vermisst, als beispielsweise in einem Brief. Ein Grund, weshalb Emoticons gerade in Email, Chat und SMS besonders häufig vorkommen.

Nicht mit der Freude übertreiben

Sobald die fröhlichen Pünktchen-Komma-Gesichter aber inflationär eingesetzt werden, oder gar statt einem Punkt am Ende eines jeden Satzes stehen, verlieren sie ihre semantische Bedeutung. Darum empfiehlt Christa Dürscheid eine sorgfältige Dosierung.

Im Projekt SMS4Science hat Dürscheid übrigens die SMS-Kommunikation der Schweizer untersucht und dabei auch die Häufigkeit der verschiedenen Emoticons gezählt. Wenig überraschendes Ergebnis: Am meisten werden alle möglichen Formen von Smileys verwendet. Erst an achter Stelle folgt der umgekehrte Smiley mit Mundwinkel nach unten.

Asiatische Deklinationen (╯°□°)╯

Den Japanern waren fröhliche und traurige Gesichter schnell zu wenig. Sie zelebrieren den Gebrauch der Emoticons wie keine andere Nation und entwickeln neue Symbolfolgen, die ganze Handlungen ausdrücken können. Zwei Beispiele: Japanese Emoticons, Hiroette.

Video: Praxistest

Jürg Tschirren hat die Praxistauglichkeit von Emoticons für uns auf der Strasse getestet. Eine der Erkenntnisse: Smileys funktionieren auch generationenübergreifend. Die meisten wenigstens ;)

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 19.06.2014 21:00

    Einstein
    Der Juni bei «Einstein»

    19.06.2014 21:00

    Im WM-Monat bietet «Einstein» Alternativen zum Fussball: Mit Geschichten und Reportagen zum Freizeitverhalten der Menschen haben wir in den vergangenen Monaten immer wieder aktuelle Trends und Forschungsprojekte behandelt. Wir zeigen sie Ihnen noch einmal gebündelt in einer «Einstein»-Ausgabe.